Hagen Rether
Hagen Rether gehört seit dem 8. Januar ein Deutscher Kabarett-Preis.

Hagen Rether gehört seit dem 8. Januar ein Deutscher Kabarett-Preis.

dpa

Hagen Rether gehört seit dem 8. Januar ein Deutscher Kabarett-Preis.

Nürnberg (dpa) - So ein schwarzer Flügel ist vielseitig verwendbar. Hagen Rether putzt ihn, legt Bananen auf der Tastatur ab und hält ein Nickerchen auf dem Instrument.

Der 41 Jahre alte Kabarettist platziert seine messerscharfen Pointen, seine genauen Beobachtungen zum Zustand unserer Gesellschaft, seine klugen, manchmal zynischen Rückschlüsse eher nebenbei - kurz vor dem Einschlafen sozusagen. Am 8. Januar ist er in Nürnberg mit dem Deutschen Kabarettpreis ausgezeichnet worden.

Zum 20. Mal wurde diese Auszeichnung, die zu den wichtigsten Preisen in der deutschsprachigen Kabarettszene gehört, vom Nürnberger Burgtheater verliehen. Der Preis ist mit 6000 Euro dotiert.

Rether, in Bukarest geboren, in Freiburg aufgewachsen und nun in Essen lebend, «ist der Wagner unter den Kabarettisten», frotzelt der Moderator der Preisverleihung, Frank Lüdecke. Er hatte den Preis im Vorjahr gewonnen. Lüdecke spielt damit auf die opulente Länge von Rethers Programm an - und tatsächlich lässt es Rether gemütlich angehen, als er dem Nürnberger Publikum eine Kostprobe seines Könnens gibt.

Eilig sollte man es nicht haben, wenn man Rether zuhören möchte. Er gähnt, ist gelangweilt, spricht seine Sicht der Dinge eher beiläufig aus - aber dafür umso treffender: ein Gegensatz zur oft lauten, plärrenden Fernsehcomedy. Man muss eben genau hinhören. Die Wikileaks-Enthüllungen findet Rether schlichtweg langweilig. Dass Diplomaten eine «private Meinung haben» und «im Irak Leute erschossen werden» - sind das wirklich sensationelle Enthüllungen?

Gut beim fränkischen Publikum kommt Rethers kritische Schau aufs Münchner Oktoberfest an. «In jeder Ecke liegen besoffene Mariannes und Michaels», spielt er auf Alkoholkonsum und Trachtenseligkeit auf der Wiesn an. Besonders hart geht er mit der katholischen Kirche ins Gericht. Dass der Papst sich mit einem Papamobil aus Panzerglas schütze, findet Rether idiotisch: «Da hat der Hirte Angst vor den Schafen. Was ist das für eine Religion, in der der Vati hinter Tresorglas sitzt?» Und dass der Staat Bischöfen das Gehalt zahlt - darüber ist Rether ernsthaft empört. Erst am Ende setzt er sich an den Flügel - und spielt und singt: Herbert Grönemeyers «Männer» hat er umgedichtet zu einem nicht immer schmeichelhaften Lied über «Frauen».

Deutlich weniger politisch sind die Darbietungen der anderen Preisträger. Der mit 4000 Euro dotierte Förderpreis geht an Klaus Eckel aus Wien. Sein Metier sind die Alltagsbeobachtungen. Die Jury lobte, dass er «seine oft kuriosen Gedanken in anspruchsvolle, höchst unterhaltsame und immer leichtfüßige Programme» umsetze.

Auch Lizzy Aumeier, die Trägerin des Sonderpreises, schert sich nicht ums Politische. Ums politisch Korrekte schon gar nicht. Ihr Auftritt gerät sehr derb, immer wieder verweist sie auf ihre füllige Figur und zeigt viel Bein unter ihrem freizügigen Tüllkleid. Die Männer haben ganz schön viel zu schlucken in ihrem Programm, auch eher dünn geratene Frauen («verhungerte Blondinen») werden zum Objekt des Spotts. Die Jury befand: Die aus der Oberpfalz stammende und nun in Fürth lebende Aumeier sei eine der «witzigsten Frauen auf deutschen Kabarettbühnen».

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