John Neumeier, Ballettdirektor und Chefchoreograf des Hamburg Ballett, begeistert die Chinesen. Foto: Angelika Warmuth
John Neumeier, Ballettdirektor und Chefchoreograf des Hamburg Ballett, begeistert die Chinesen. Foto: Angelika Warmuth

John Neumeier, Ballettdirektor und Chefchoreograf des Hamburg Ballett, begeistert die Chinesen. Foto: Angelika Warmuth

dpa

John Neumeier, Ballettdirektor und Chefchoreograf des Hamburg Ballett, begeistert die Chinesen. Foto: Angelika Warmuth

Peking (dpa) - Zum Auftakt seiner dreiwöchigen China-Tournee ist das Hamburg Ballett in Peking mit der «Dritten Sinfonie von Gustav Mahler» begeistert gefeiert worden.

«Es ist unser drittes Gastspiel in Peking, und ich merke, wie sich das Publikum sehr schnell entwickelt hat - in seiner Aufnahmefähigkeit und Begeisterung für die Dinge, die nicht klassisch sind wie etwa «Schwanensee»», sagte Ballettdirektor John Neumeier in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa in Peking.

Mit 60 Tänzern und einer insgesamt mehr als 100-köpfigen Truppe reist das Hamburg Ballett durch China. Von der Hauptstadt, wo die Kompanie in der Feiertagswoche zum chinesischen Neujahrsfest auftritt, geht es weiter nach Hongkong und Shanghai. Gespielt werden außer dem Mahler-Werk auch «Nijinsky» und «Endstation Sehnsucht». Alle drei Ballette sollen in China neue Perspektiven auf den Tanz und seine Erlebbarkeit aufzeigen.

Da die «Dritte Sinfonie» nicht einmal eine nacherzählbare Handlung hat, sei das optische Erleben besonders wichtig, betonte Neumeier. «Der Zuschauer muss sich in diese Tänzer projizieren und einfach das Gefühl haben, wie es ihm erginge, wenn er das machen würde, und erleben, welches emotionale Klima es hat.» Seine Werke sollten wie ein Traum sein. «Selbst wer den Traum erinnert, versteht die Zusammenhänge nicht, hat aber trotzdem ein sehr intensives Gefühl.»

Auch wenn sein Tanz im klassischen Ballett wurzelt, schien Neumeiers Interpretation von Mahlers Musik keine einfache Kost für die Zuschauer in Peking zu sein. Ohnehin ist das chinesische Publikum berüchtigt. Amüsiert erinnern chinesische Zeitungen heute noch an den ersten Auftritt des Hamburg Balletts 1999, als Besucher beim «Mitsommernachtstraum» quatschten oder herumliefen wie im Teehaus. Auch die damalige Bühne bot denkbar schlechte Bedingungen.

«Es war ziemlich entsetzlich», erinnerte sich Neumeier, lobt aber das heutige Publikum und die Möglichkeiten im neu gebauten, «Ei» oder «Ufo» genannten futuristischen National Center of Performing Arts (NCPA). Alte Gewohnheiten ändern sich aber nur langsam. Häufiges Husten, lautes Gähnen oder Handyklingeln störte auch diesmal die Konzentration. Ohne Pause ging es mehr als 100 Minuten lang. Da ist es in China auch nicht unüblich, wenn Zuschauer zwischendurch kurz den Saal verlassen.

Das chinesische Publikum tue sich ohnehin noch schwer mit modernem Ballett, berichtete die Direktorin des China National Ballet, Feng Ying, der dpa. «Die Zuschauer in China stecken in ihrem Ballett-Verständnis noch in einer frühen Stufe.» Klassisches Ballett werde noch bevorzugt. «Nur wenige habe großes Interesse an neuen Stilen.» Je mehr klassisches Ballett in China gesehen werde, umso eher werde das Publikum aber auch nach moderneren Formen suchen.

Ihr Nationalballett geht neue Wege, kooperiert mit den Hamburgern und anderen Kompanien der Welt. Im September wird «Die kleine Meerjungfrau» von Neumeier aufgeführt. «Ich persönlich verehre ihn sehr», sagte die frühere Ballerina. Wie alles in China entwickle sich auch der chinesische Tanz rasend schnell. Madame Feng sieht eine «Welle der Popularität», die das Ballett gegenwärtig in China erlebe.

Als die letzten, dramatischen Töne der «Dritten Sinfonie» am Dienstagabend verhallten, brach die Begeisterung auch nur so aus den Ballett-Fans auf den Rängen heraus. Mit großem Jubel und Bravo-Rufen feierten sie die Tänzer und ihren Choreographen - den dienstältesten Ballettdirektor der Welt, der im Februar nicht nur seinen 70. Geburtstag, sondern in der Spielzeit 2012/13 auch sein 40-jähriges Jubiläum in der Elbmetropole feiert.

Neumeier sammelt auf solchen Tourneen wichtige Erfahrungen. «In Hamburg haben wir ein wirklich sehr enthusiastisches Publikum, das sein Ballett sehr liebt», sagte er. «Aber es ist immer sehr interessant, herauszugehen und zu sehen, wie wir kommunizieren.» Er wolle wissen, wie seine Kunst auch an anderen Orten wie Peking, New York, in Japan oder Italien ankomme. «Wie funktioniert diese Kommunikation? Die Antworten sind für mich sehr wichtig.»

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer