Arila Siegert inszeniert in Düsseldorf die Oper „Les Paladins“.

Die große Tänzerin und Choreographin der DDR: Arila Siegert. 20 Jahre nach dem Mauerfall hat sie ihren Platz in der Theaterwelt gefunden.
Die große Tänzerin und Choreographin der DDR: Arila Siegert. 20 Jahre nach dem Mauerfall hat sie ihren Platz in der Theaterwelt gefunden.

Die große Tänzerin und Choreographin der DDR: Arila Siegert. 20 Jahre nach dem Mauerfall hat sie ihren Platz in der Theaterwelt gefunden.

Hans Jörg Michel

Die große Tänzerin und Choreographin der DDR: Arila Siegert. 20 Jahre nach dem Mauerfall hat sie ihren Platz in der Theaterwelt gefunden.

Düsseldorf. Ludwig XV. ist schuld. Weil er die Werke seines Hofkomponisten Jean-Philippe Rameau als Privatbesitz betrachtete, schafften diese es selten über Frankreich hinaus. So erklärt jedenfalls Arila Siegert (57), warum die Barockoper von Jean-Philippe Rameau "Les Paladins" ("Die Pilger") erst jetzt ihre deutsche szenische Erstaufführung erlebt.

Die Deutsche Oper am Rhein beauftragte die gebürtige Dresdnerin mit der Inszenierung des Zauber- und Verwandlungsspiels. Eine Ballettoper - für Arila Siegert als Tänzerin, Choreographin und Opernregisseurin die perfekte Aufgabe.

Als Pina Bausch ihr Theater gründete, war Siegert das in der DDR verboten

Bei dem Barockwerk zwischen Märchen und Gesellschaftsfarce kann sie aus dem Vollen schöpfen: Gesangssolisten, Chor und gecastete Tänzer. Arila Siegert genießt ihre persönliche und künstlerische Freiheit. In der ehemaligen DDR war sie eine prominente Tanzkünstlerin - und politisch verdächtig.

Das Problem: Sie hatte sich dem expressionistischen Ausdruckstanz verschrieben. In einem Land, das das klassische Ballett mit Disziplin und Drill als Dogma verordnet hatte. Arila Siegert war Erste Solistin am Tanztheater der Komischen Oper Berlin, später am Staatstheater Dresden. "Ich machte gleichzeitig meine eigenen Stücke und wurde immer bekannter", blickt sie zurück.

Dann ging sie ans Schauspiel, wo sie ein Tanztheater gründete. Ein Politikum: In ihrer exponierten Stellung durfte sie zwar Künstler engagieren - darunter Größen wie Pina Bausch, Susanne Linke, Gerhard Bohner - aber kein Ensemble gründen.

"Les Paladins", Opernhaus Düsseldorf, Premiere: 28. Januar, 19.30 bis 22.30 Uhr. Eintritt: ab 14,50 Euro. Karten unter: Tel. 0211/ 8925211.

Im Ausland galt die Einzelkämpferin als Shooting-Star des DDR-Theaters. "Die Prominenz half, ich durfte in den Westen und gab Gastspiele in der ganzen Welt." Als Aushängeschild für die Freiheit der Kunst habe sie sich gefühlt. "Ich hatte einen schweren Stand", sagt die Künstlerin etwas gedrückt.

"Wenn ein Spitzel irgendetwas über mich geschrieben hatte, bekam ich auch schon mal keinen Pass." Immer aber habe sie das Gefühl begleitet, beobachtet und abgehört zu werden. Es war ihr Ansporn, noch mehr zu arbeiten. "Ich konnte nicht anders. Abhauen war zwar immer ein Thema, aber eigentlich wollte ich das nicht." Sie dachte an die nachfolgende Generation, wollte ihr ein Erbe hinterlassen.

Arila Siegerts Lehrmeister sind allesamt Legenden: Gret Palucca, die Ikone des deutschen Ausdruckstanzes, die Regisseure Walter Felsenstein und Ruth Berghaus. Als die Mauer fiel, saß Arila Siegert, Mitte dreißig, plötzlich auf der Straße. "Es war schwer, mich zurechtzufinden." Heute hat sie ihren Platz in der Theaterwelt gefunden.

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