Angie, Suzanne und Sweet Caroline: Wer sind die Mädchen aus 50 bekannten Songs, und was ist aus ihnen geworden?

"Angie": Lange bevor die deutschen Christdemokraten den Song der Rolling Stones andächtig bei ihren Parteitagen anstimmten, rankten sich Legenden um diesen Text über das Ende einer Beziehung. Viele waren überzeugt, dass Mick Jagger mit dem Titel David Bowies damalige Frau Angela gemeint hatte.

Der notorische Frauenheld Jagger soll 1972 ein Verhältnis mit der Frau seines guten Freundes David gehabt haben. Angela Bowie lieferte gut 20 Jahre später eine andere Version: Der Text sei als Entschuldigung von Mick an sie zu verstehen, weil sie die beiden Männer nackt im Bett gefunden und sich den Rest gedacht habe.

Mick Jagger bestreitet beides vehement: "Das ist totaler Quatsch." Denn der Text stammt in Wirklichkeit von Keith Richards, der ihn sich ausgedacht hat, als seine Tochter Angela geboren wurde: "Seitdem schwirrte der Name durchs Haus."

"Sweet Caroline": 1969 besang Neil Diamond eine "Sweet Caroline", es wurde sein erster Top-5-Hit. Aber erst 2007 erzählte er Caroline Kennedy an ihrem 50.Geburtstag (und dann der Öffentlichkeit), dass ein Illustriertenfoto ihn zu dem Song inspiriert hatte. Es zeigt sie als Fünfjährige auf einem Pony: "So sorglos und zugleich so konzentriert."

"The Girl from Ipanema": Astrud Gilberto war 1964 die erste, die das Mädchen aus Rio auf Englisch besang, danach ließen sich unzählige Interpreten von dem Bossa Nova anregen. Davon bekam Heloísa Eneida Menezes Paes Pinto allerdings keinen Cent. Als 15-Jährige war sie zwei Songschreibern in einem Café aufgefallen, bis heute kennt jeder in Brasilien ihren Namen.

Inhalt: Der britische Musikjournalist Michael Heatley untersucht 50Klassiker der Popgeschichte - von "Angie" bis "Wonderwall" -, die sich um Frauen drehen. Aber wer waren in der Realität diese Lola und Lucy, Sharona und Suzanne, Peggy Sue und Sweet Caroline, die erfolgreiche Musiker zu Liebes-, Frust- und Abschiedsliedern inspiriert haben? Heatley taucht in seinem detailfreudigen Buch tief in die meist wilden Jahre von einst ein und beleuchtet auch, was aus den Mädchen von damals geworden ist.

Buch: Michael Heatley: "Das Mädchen aus dem Song"; Schwarzkopf & Schwarzkopf, 250 S., etwa 100 S/W-Fotos, 14,95 Euro.

Heloísa heiratete einen Ingenieur, ließ sich zwei Mal für den "Playboy" ablichten und machte eine Boutique mit dem Namen "Garota de Ipanema" auf. Das brachte ihr Ärger mit den Kindern der Songschreiber ein. Den Rechtsstreit hat sie aber gewonnen und besitzt heute eine Boutiquenkette.

"Something", "Layla", "Wonderful tonight": Drei Liebeslieder und eine Dreiecks-Beziehung - dafür steht Pattie Boyd. Als das Model 1964 in dem Beatlesfilm "A hard day’s night" mitspielte, fragte George Harrison gleich, ob sie ihn heiraten wolle.

Das dauerte noch zwei Jahre, kurz darauf spielte George ihr in der Küche "Something" vor. Sie war gerührt, er distanzierte sich später: "Jeder dachte, dass ich den Song für Pattie geschrieben hätte, aber eigentlich habe ich an Ray Charles gedacht." 1970 verguckte sich Harrisons Freund Eric Clapton in Pattie, besang sie in "Layla".

Sie schreckte aber vor einem Verhältnis zurück. 1974 verließ sie George Harrison, traf Eric eine Woche später, ging mit ihm auf Tour, er schrieb "Wonderful tonight". All das tat dem herzlichen Verhältnis der Männer keinen Abbruch, die Ehe von Pattie und Eric hielt von 1979 bis 1989.

"Suzanne": Leonard Cohen musste sich keine poetischen Verfremdungen für sein Liebeslied einfallen lassen. Der 31-Jährige hat tatsächlich 1965 mit Suzanne Verdal in Montreal am Fluss Tee getrunken und Orangen gegessen. Der Sänger war hingerissen, die Beziehung war aber rein geistiger Natur.

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