Naipaul erhielt 2001 den Nobelpreis für Literatur. Sein jüngster Reisebericht wurde nun unter dem Titel «Afrikanisches Maskenspiel» ins Deutsche übersetzt.
Naipaul erhielt 2001 den Nobelpreis für Literatur. Sein jüngster Reisebericht wurde nun unter dem Titel «Afrikanisches Maskenspiel» ins Deutsche übersetzt.

Naipaul erhielt 2001 den Nobelpreis für Literatur. Sein jüngster Reisebericht wurde nun unter dem Titel «Afrikanisches Maskenspiel» ins Deutsche übersetzt.

dpa

Naipaul erhielt 2001 den Nobelpreis für Literatur. Sein jüngster Reisebericht wurde nun unter dem Titel «Afrikanisches Maskenspiel» ins Deutsche übersetzt.

Literatur-Nobelpreisträger V.S. Naipaul ist ein begnadeter Reise-Schriftsteller. Im seinem jüngsten Reisebericht widmet er sich Afrikas Spiritualität.

Paris (dpa) - Literatur-Nobelpreisträger Vidiadhar Surajprasad Naipaul wollte mit der Schreiberei eigentlich schon vor Jahren aufhören. Der große Weltreisende hat es sich anders überlegt und auf der Suche nach Spiritualität noch einmal Afrika durchstreift. Sein jüngster Reisebericht wurde nun unter dem Titel «Afrikanisches Maskenspiel» ins Deutsche übersetzt. Das eigentliche Thema gibt der Untertitel «Einblicke in die Religionen Afrikas» vor: Es geht um die diversen Ausprägungen des Glaubens zwischen Uganda und Südafrika, um religiöse Traditionen, Riten, Magie und Mythen.

«Ich hatte eine romantische Vorstellung von diesen erdverbundenen Religionen; mir schien, sie führten uns zurück an den Anfang, den philosophischen Urknall», notierte er in Nigeria. Die nach Afrika importierten Religionen Christentum oder Islam hält er für eine «eingeführte Krankheit», die sich nur aus einem Grund so schnell verbreiteten: «Beide boten den Menschen die Vision eines Lebens nach dem Tod; afrikanische Religionen dagegen waren flüchtiger und hatten nur eine Welt der Geister und Ahnen zu bieten.»

Der auf Trinidad geborene Brite indischer Herkunft ist ein begnadeter Reise-Schriftsteller mit einem flüssigen Schreibstil, kein politischer Analyst. Leider bleiben seine kurzen Momentaufnahmen oft sehr oberflächlich. Es sind flüchtige Einblicke in eine fremde Welt. V.S. Naipaul zitiert Menschen, denen er kurz begegnet. Es sind faszinierende Erlebnisse darunter, wie etwa das Treffen mit Ghanas Ex-Präsident Jerry John Rawlings oder Nelson Mandelas Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela.

Geschildert werden auch Menschen, die zwischen westlichem und traditionell-afrikanischem Gedanken- und Wertegut pendelnd nach Orientierung und Identität suchen. Der Autor trifft traditionelle Herrscher, Priester, Heiler und Quacksalber - doch ihre Behauptungen bleiben weitgehend unreflektiert und ungeprüft im Raum stehen. Zudem gibt es diverse Unkorrektheiten. Etwa, wenn er die Wirtschaftsmetropole Abidjan als Hauptstadt der Elfenbeinküste (statt Yamoussoukro) bezeichnet oder das Fehlen eines Gandhi-Denkmals in Südafrika beklagt.

«Als ich mit diesem Buch anfing», schreibt der 78-Jährige, «wollte ich mich von der Politik und von Themen fernhalten, die mit Rasse zu tun haben. Mein Ziel war es, nach dem Kern afrikanischer Glaubensvorstellungen zu suchen». Spätestens in Südafrika gab er das Vorhaben auf, weil «Rasse hier alles durchdrang und so tief reichte wie anderswo die Religion.» Schrecklich und zutiefst enttäuschend fand er dort einfach alles - und gewann den Eindruck, Politik und Geschichte hätten sich verschworen, «um die Menschen von Südafrika zu verdummen.»

V.S. Naipaul

Afrikanisches Maskenspiel

Einblicke in die Religionen Afrikas

Fischer Verlag, Frankfurt

368 Seiten, 22,95 Euro

ISBN 978-3100515117

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