Die These, dass lesende Frauen gefährlich seien, hat der Münchner Verlegerin Elisabeth Sandmann Glück gebracht. Foto: Klaus Haag
Die These, dass lesende Frauen gefährlich seien, hat der Münchner Verlegerin Elisabeth Sandmann Glück gebracht. Foto: Klaus Haag

Die These, dass lesende Frauen gefährlich seien, hat der Münchner Verlegerin Elisabeth Sandmann Glück gebracht. Foto: Klaus Haag

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Die These, dass lesende Frauen gefährlich seien, hat der Münchner Verlegerin Elisabeth Sandmann Glück gebracht. Foto: Klaus Haag

Hamburg/München (dpa) - «Schöne Bücher für kluge Frauen». So eingängig der Slogan des Münchner Elisabeth Sandmann-Verlages zunächst klingt, so sehr lässt er dann doch stutzen. Spricht man nicht eigentlich eher von «klugen Büchern» und - trotz aller Emanzipationsgesten - «schönen Frauen»? Und wo bleiben die Männer?

Verlegerin Elisabeth Sandmann weiß ziemlich genau, was sie tut. Intelligent und attraktiv erscheint sie selbst. Die 51-Jährige hat mit ihrem vor sieben Jahren gegründeten Verlag eine Lücke im Buchmarkt erwischt. Sie bringt auf eine weibliche Leserschaft zugeschnittene Bände heraus, die ästhetischen Anspruch und präzise recherchierte Texte vereinen. «Frauen lesen anders. Sie interessieren sich beispielsweise sehr für die Biografien anderer Frauen», sagt Elisabeth Sandmann im dpa-Gespräch. «Sie lieben häufig Kunst und Kultur. Und sie tauschen sich über Bücher aus.»

So gründeten Männer selten Lesezirkel, Frauen ungleich häufiger. Schon durch ihre Ausstattung eignen sich Bände wie «Die Entdeckung der Frauen in der Renaissance» zum Weitergeben oder Verschenken. Zumal die Preise moderat kalkuliert seien.

Sehr häufig vereinen die Bücher des Sandmann-Verlages ein kunsthistorisches mit einem spezifisch weiblichen Thema. Bei den Renaissance-Frauen wird deren Geschichte anhand von Gemälden erzählt. Den Durchbruch für den kleinen Verlag brachte gleich zu Anfang das Buch «Frauen, die lesen, sind gefährlich» des Germanisten Stefan Bollmann. «Der Autor trat zunächst mit der Anfrage an uns heran, ob wir ein Interesse an lesenden Menschen in der Malerei hätten», erzählt Elisabeth Sandmann.

Sie habe ihm dann vorgeschlagen, das Thema nur auf Frauen zu beziehen. Ein Treffer. Der Titel stand in Deutschland monatelang auf der Bestsellerliste. Zudem wurde er in viele Länder verkauft. «Nur die Skandinavier hatten kein Interesse», sagt die Verlegerin. «Da ist schlicht das Thema lesender, gebildeter Frauen schon lange eine derartige Selbstverständlichkeit, dass so ein Titel niemandem ins Auge sticht.»

«Begonnen hat eigentlich alles mit der Vorstellung, dass ich die Bücher, die ich mir selbst wünschte, nicht fand», berichtet sie. Zu Gute kam der passionierten Leserin ihre langjährige Tätigkeit im Verlagsgeschäft. Vor dem Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte machte sie eine Lehre beim Suhrkamp-Verlag in Frankfurt, ging später als Programmleiterin zu DuMont nach Köln und übernahm dann die Verlagsleitung des Nicolai-Verlags in Berlin.

Zur Gründung des eigenen Hauses ermutigte sie ihr Mann. Mit viel Enthusiasmus, einem verlässlichen Team aus einer Grafikerin, einer Lektorin und ihrer eigenen Person legte Elisabeth Sandmann los. Inzwischen gibt es drei feste Mitarbeiterinnen. Der Verlag positioniert sich weiter in einer Nische. Wie man an anderen Häusern wie dem ebenfalls sehr gezielt arbeitenden Antje Kunstmann Verlag sehen kann, ist dies eine weise Entscheidung. Vielleicht bleibt es die einzige Möglichkeit, im schwierigen Buchmarkt an einem eigentümergeführten Haus festhalten zu können.

Neben dem kunsthistorisch geprägten Bereich liegt ein Schwerpunkt auf Biografien. Es gibt aber noch eine dritte Säule. «Die jüdische Geschichte wird bei uns immer eine Rolle spielen», erklärt Sandmann, die sich seit ihrer Jugendzeit mit dem Thema der Judenverfolgung und der Emigration befasst. Bände wie «Verlorene Bilder, verlorene Leben» oder das Buch «Paradies in schwerer Zeit» über die Exilanten in Pacific Palisades sind das Ergebnis. Auch diese Bücher verzichten nicht auf eine ansprechende Ausstattung. Das Frauenthema tritt einmal in den Hintergrund. Doch vielleicht kann das Münchner Haus hier auch eine Brücke zu den männlichen Lesern schlagen.

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