München (dpa) - George Orwell hat in seinem Klassiker «1984» das Bild eines totalitären Überwachungsstaates gezeichnet. Er konnte nicht ahnen, dass wir uns selbst eines Tages ganz freiwillig ausliefern würden, indem wir übers Internet immer mehr über uns preisgeben.

Eine solche schöne neue Welt entwirft Benjamin Stein in seinem Buch «Replay». Sein Ich-Erzähler Ed Rosen ist auf einem Auge blind, wodurch ihm eine Dimension des Sehens fehlt. So wird er für seinen Chef zu einem idealen Versuchskaninchen für ein gewagtes Experiment. Mit einer elektronischen Prothese werden Ed Daten direkt ins Gehirn eingespeist. Seine Sinneswahrnehmungen werden nun protokolliert und in «Replays» ist die Realität beliebig wiederholbar. So lässt sich Ed etwa jeden Morgen von seinem schönsten sexuellen Erlebnis wecken. Wie Ed werden auch zahlreiche andere Träger abhängig und die Prothese Standard. Schön für die Firma, die prächtig daran verdient, eher nicht so gut für die Menschen, die zu ihren willfährigen Handlangern werden.

«Replay» ist ein ebenso faszinierendes wie beunruhigendes Gedankenspiel im Zeitalter von Google und Facebook.

Benjamin Stein: Replay. C.H.Beck Verlag, München, 176 Seiten, 17,95 Euro, ISBN 978-3-406-63005-7

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