Haruki Murakami
Haruki Murakami gibt gerne Rätsel auf. Foto: Andreu Dalmau

Haruki Murakami gibt gerne Rätsel auf. Foto: Andreu Dalmau

dpa

Haruki Murakami gibt gerne Rätsel auf. Foto: Andreu Dalmau

Köln (dpa) - Nachdem Tsukuru Tazaki über Jahre hinweg versucht hat, seine Vergangenheit zu verdrängen, wird er plötzlich hart mit ihr konfrontiert und muss sich ihr stellen.

Der neue Roman «Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki» des japanischen Bestsellerautors Haruki Murakami führt den Leser in eine durchlässige Welt zwischen Realität und Traum.

In der Stadt Nagoya aufgewachsen, zieht der junge Tsukuru zum Studium in die Hauptstadt Tokio, um sich seinen Traum zu erfüllen - Bahnhöfe zu bauen. Seine vier besten Freunde bleiben in der Heimat und ihm zunächst innig verbunden. Eines Tages wollen sie plötzlich nichts mehr mit Tsukuru zu tun haben. Aus Angst vor der Wahrheit bricht er jeden Kontakt ab - sechzehn Jahre lang.

Nun ist Tsukuru Tazaki Mitte dreißig, Single und baut endlich als Ingenieur Bahnhöfe in Tokio. Als er zum ersten Mal in einer Frau mehr sieht als ein Mittel gegen Einsamkeit und eine Bettgeschichte, ist er gezwungen, sich den Schatten der Vergangenheit zu stellen.

In einem erzählerischen Geflecht aus Gegenwart, Vergangenheit, Realität und Träumerei begleitet Murakami den Protagonisten durch sein Leben. Oft plagen Tsukuru Tazaki Selbstmordgedanken und Zweifel an seiner gesellschaftlichen Stellung. Er arbeitet hart, lässt aber keinen näher an sich heran. Seine Beziehungen halten selten lange, sie gehen auseinander, weil etwas fehlt. Als er Sara kennenlernt, will er das ändern, doch sie verlangt von ihm, erst seine Leben in Ordnung zu bringen.

Endlich sucht nun Tsukuru seine vier Freunde auf. Sie scheinen ihm lebensfroh und voller besonderer Begabungen. Doch auch konfrontiert mit der Wahrheit, bleibt in seinem Leben vieles offen und nebulös, darunter sein Verhältnis zu Sara.

Auch in diesem Roman wirft Murakami, der bereits mehrfach als Favorit für den Literaturnobelpreis gehandelt wurde, Fragen auf, beginnt mit Lösungen, erschafft neue Unbekannte, schließt etwas ab, nur um etwas Größeres in Gang zu setzen. Der Autor entwirft Figuren, die dem Leser ähnlich scheinen, auch wenn sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Er schreibt über Ebenen des Bewusstseins, denen man sich gern entzieht, um sich nicht darin zu verlieren. Doch bietet er auch Lösungen, die im Grunde einfach sind.

Das im April vergangenen Jahres in seiner Heimat erschiene Buch «Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki» steht nun pünktlich zum 65. Geburtstag Murakamis (12. Januar) in den deutschen Buchläden. In Japan wurde es prompt zum Bestseller, für den die Fans die Nacht über anstanden.

Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki. Dumont Verlag, Köln, 350 Seiten, Euro 22,99, ISBN 978-3-8321-9748-3

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