Der Buch-Tipp von Joseph Anton Kruse

Hanns-Josef Ortheil: „Die Erfindung des Lebens“.

Gerade auch für den Vielleser, der gewohnt ist, nicht nur belletristische Bücher mit Heißhunger zu verschlingen, ist dieser Roman ein nobles und gleichzeitig nachhaltiges Zeichen aus einer anderen, vorsichtig-leisen, wunderbaren, neben allem Schrecken und Unglück auch trostvollen und sich wieder ins rechte Lot fügenden Welt. Gebannt folgt man dem Fluss der Erzählung, der sanften Modulation, dem Einfallsreichtum der genauen Erinnerung. Dieser Bildungsroman über das Erreichen des literarischen Ziels mit Hilfe eines notwendigen musikalischen Umwegs berührt das Publikum, ohne je den Bogen bei der vorsichtigen Nachzeichnung des tragisch-persönlichen Lebens, dessen Annahme in einer nicht reibungslosen Neuschöpfung wir beiwohnen, zu überspannen.

Gerade auch für den Vielleser, der gewohnt ist, nicht nur belletristische Bücher mit Heißhunger zu verschlingen, ist dieser Roman ein nobles und gleichzeitig nachhaltiges Zeichen aus einer anderen, vorsichtig-leisen, wunderbaren, neben allem Schrecken und Unglück auch trostvollen und sich wieder ins rechte Lot fügenden Welt. Gebannt folgt man dem Fluss der Erzählung, der sanften Modulation, dem Einfallsreichtum der genauen Erinnerung. Dieser Bildungsroman über das Erreichen des literarischen Ziels mit Hilfe eines notwendigen musikalischen Umwegs berührt das Publikum, ohne je den Bogen bei der vorsichtigen Nachzeichnung des tragisch-persönlichen Lebens, dessen Annahme in einer nicht reibungslosen Neuschöpfung wir beiwohnen, zu überspannen.

Die Musik spielt eine große Rolle. Denn der Held des Romans hatte von der Mutter und einem ganz besonders kompetenten Lehrer eine Klavierausbildung erhalten und schließlich in einem Befreiungsakt sein Musikstudium

 

in Rom begonnen, bis er seine Spielfähigkeit durch die Erkrankung einer Hand einbüßte und Schriftsteller wurde. Wie eine erste römische Liebesgeschichte zur Studentenzeit mit einer zweiten zur Zeit der Niederschrift des Buches konfrontiert wird, gehört zu den Höhepunkten einer dezenten Bewältigung. Dass am Ende doch noch das öffentliche römische Konzert stattfindet, nachdem seine Schülerin, Tochter der befreundeten Nachbarin, ihren ersten Auftritt gab, versöhnt mit allem früheren Unglück.

Prof. Dr. Joseph A. Kruse, Vorstandsvorsitzender der Düsseldorfer Volksbühne e.V., war von 1975 bis Juni 2009 als Direktor des Heinrich-Heine-Instituts in Düsseldorf tätig. Seit 1986 ist Kruse Honorarprofessor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.



Hanns-Josef Ortheil: „Die Erfindung des Lebens“. Roman. München Luchterhand Literaturverlag 2009. 591 Seiten, 22,95 Euro.