Stephen King präsentiert mit „Sunset“ 13 unheimliche Kurzgeschichten.

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Ebenso düster wie gelungen: Stephen Kings „Sunset“-Geschichten.

Ebenso düster wie gelungen: Stephen Kings „Sunset“-Geschichten.

Ebenso düster wie gelungen: Stephen Kings „Sunset“-Geschichten.

Düsseldorf. Da sitzen sie nun, irgendwo in der US-Provinz - und warten am Bahnhof auf einen Ersatz-Zug, nachdem ihrer auf der Strecke entgleist ist. Was die Passagiere nicht wissen: Der Unfall war für sie alle tödlich, die Wartenden sind Gespenster - und ihr Ersatz-Zug wird niemals kommen.

Mit dieser rabenschwarzen Kurzgeschichte - sie trägt den Titel "Willa" - beginnt Stephen King, wie er schreibt, ein Experiment: Es versammelt unter dem Titel "Sunset" 13neue, unheimliche Kurzgeschichten. Herausfinden will King damit, ob er nach all den Schauer-Romanen überhaupt noch packende Geschichten dieser Art schreiben kann. Jenseits umfangreicher Werke wie "Shining", "Es" oder zuletzt auch "Puls" und "Wahn" waren es seit Ende der 70er Jahre immer wieder Short Stories, mit denen der Bestseller-Autor aus Maine seine Fangemeinde faszinierte. 400Geschichten hat King nach Verlagsangaben bislang verfasst.

Erinnerungen an den 11. September und ein amerikanischer Albtraum

Die ersten schrieb der Amerikaner für Zeitschriften. Das diente dem Zweck, über die Runden zu kommen, bevor mit dem Roman "Carrie" der Durchbruch kam. Über die Qualität habe er sich damals keine Gedanken gemacht, schreibt King. Tatsache ist, dass es gerade Short Stories waren, die abgrundtiefe Filmvorlagen boten - wie "Zimmer 1408" oder "Der Nebel". Kings Geschichtensammlung "Nachtschicht" zählt zu seinen Meilensteinen.

Was "Sunset" bemerkenswert macht, ist Kings Gespür für vielschichtige, oftmals gebrochene Charaktere und die Milieus, in denen sie sich bewegen - jenseits allen Horrors. In der Story "Hinterlassenschaften" geht es um Erinnerungen an den 11.September 2001 - in Form von Gegenständen, die einst Opfern im World Trade Center gehörten und die Jahre später bei einem ihrer Arbeitskollegen - er machte am Schicksalstag blau - wie von Geisterhand auftauchen. Immer und immer wieder. Gleichermaßen verhält es sich mit den Fernsehbildern, die sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt haben und diese Erzählung zur Parabel werden lassen. Bereits der King-Roman "Puls" spielte auf 9/11 an - allerdings nicht in dieser Drastik.

Stephen King braucht gerade mal 40 Buchseiten, um den amerikanischen Albtraum mit ebenso prägnanten und beunruhigenden Stimmungsbildern auf den Punkt zu schreiben. Sein Kurzgeschichten-Experiment ist auch in dieser Hinsicht mehr als geglückt.

Stephen King: Sunset, Heyne, 480 Seiten, 19,95 Euro

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