Der holländische Autor besucht auf der Suche nach Licht die Museen der Welt.

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Eines von Cees Nootebooms Lieblingsgemälden ist „Die Ansicht von Delft“ des Johannes Vermeer.

Eines von Cees Nootebooms Lieblingsgemälden ist „Die Ansicht von Delft“ des Johannes Vermeer.

(c) 2009 Joachim Blaul / Artotek / courtesy Schirmer/Mosel

Eines von Cees Nootebooms Lieblingsgemälden ist „Die Ansicht von Delft“ des Johannes Vermeer.

Düsseldorf. "Wer nicht das Anschauen bricht, sieht nichts", schreibt der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom. Grundlegend geändert hat sich die Bedeutung dessen, was für die Philosophie des Idealismus die reine Anschauung war. Gerade auch die Werke der Bildenden Kunst sind heute der massenhaften Wiedergabe ausgesetzt, dem visuellen Abnutzungs- und Gewöhnungseffekt.

Und eben dieser Art der Anschauung, sagt Nooteboom, müssen wir uns bei der Kunstbetrachtung widersetzen, andernfalls werden wir kein Bildnis je begreifen. Und was er damit meint, legt er in einem grandiosen Bildband dar.

Caspar David Friedrich nennt er den "Malerzyklop"

Er führt uns durch die Kunstgeschichte der Niederlande mit Vermeer, Rembrandt, Bruegel d.Ä., Patinir und Kalf, Spaniens mit Velázquez und Picasso, Italiens mit Tiepolo und Leonardo. De Chirico und Zurbarán fehlen nicht, selbstverständlich Edward Hopper ("Morning Sun" und das Büro am Abend), dann Anselm Kiefer und selbst der Japaner Hokusai fehlen nicht.

Und in Deutschland empfiehlt er uns das Porträt, das Paula Modersohn-Becker von Rilke anfertigte, zur Betrachtung. Und, wie käme man an diesem Gemälde vorbei, den "Mondaufgang" von Caspar David Friedrich, den er den "Malerzyklop" nennt.

Es ist also eine Pilgerreise durch Literatur und Kunst. Für ihn als in Den Haag Gebürtigen ein "Verwandtenbesuch im Mauritshuis". Gewiss, hier ist er zu Hause. Und so widmet er sich nicht nur der "ansicht von Delft" von Vermeer ausführlich, denn hier ist wohl das Licht in einer metaphysischen Fülle und Form verwirklicht. Das Licht gewinnt nahezu Gestalt - und das ist es denn auch, was Cees Nooteboom zu den Partern der Poesie treibt.

Cees Nooteboom, geboren am 31. Juni 1933 in Den Haag, begann ab 1953 ausgedehnte Reisen durch Europa. Der Roman "Philip und die anderen" schaffte es 1985 in die holländischen Schulbücher. Seither jährlich ein neues Buch.

"Das Rätsel des Lichts - Kunststücke." Aus d. Niederl. von Helga van Beuningen, Vorwort v. Susanne Schaber, 192 S., 74 Abb., 40 Dichtertexte, 49,80 Euro

Was er beim Beobachten, beim mehrfachen und immer wieder Hinschauen sieht und erkennt, das mündet in poetisch-philosophische Erwägungen. Zu einem Werk von Anselm Kiefer etwa schreibt er: "Flugzeuge können nicht leben und folglich auch nicht sterben." Im Park des spanischen La Granja de San Ildefonso sieht er "Rosensträucher wie geschorene dekadente Pudel" und hat am Ende das Gefühl, er verlasse einen Palast wie ein "versteinertes Spinnennetz".

Gewiss die ungeheuerlichsten Gemälde, die er ausgewählt hat, sind "Die blinden Männer" und "Dulle Griet" von Pieter Bruegel, letzteres geradezu ein Weltuntergangs- und Wahnsinns-Pandämonium. Denn Nooteboom nimmt nie "nur" das Licht wahr, auch die Wesenszüge, Haltungen, Bekleidungen,vor allem aber die historischen Entstehungsbedingungen sowie die dargestellten Ereignisse.

So schreibt er über das Gemälde "Dulle Griet": "Ich betrachte es im Museum Mayer van den Bergh in Antwerpen und der Kontrast könnte nicht größer sein zwischen der atemberaubenden Stille des großen Patrizierhauses und dem Toben und Schreien, das in dem Bild herrscht. Die alte Frau mit dem Helm, der an den Don Quijotes erinnert, steht vor dem geöffneten Schlund der Hölle in einem erstarrten Pandämonium einer grauenvollen Geschäftigkeit, deren Produkt nichts anderes sein kann als die Angst. Da wird getötet und gefoltert, getanzt und durch die Luft geflogen..."

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