Angela Merkel mochte als Kind Wilhelm Busch. In jeder siebten Familie wird heute nicht mehr vorgelesen.

Angela Merkel besucht Kinderbibliothek
Angela Merkel las aus dem Kinderbuch „Eine Dose Kussbonbons“ vor. Foto: dpa

Angela Merkel las aus dem Kinderbuch „Eine Dose Kussbonbons“ vor. Foto: dpa

Stefan Sauer

Angela Merkel las aus dem Kinderbuch „Eine Dose Kussbonbons“ vor. Foto: dpa

Stralsund. Ritter- und Piratenbücher, antworten die Kinder auf die Frage der Kanzlerin, was sie denn so lesen. In der Kindheit von Angela Merkel waren eher Klassiker mit Helden, die Normen und Vorgaben der Erwachsenen nicht allzu ernst nehmen, begehrt: „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch und der „Struwwelpeter“ waren die Lieblingslektüre ihrer Kindertage, wie die Kanzlerin am Dienstag bei einem Besuch der Kinderbibliothek in Stralsund verriet.

Zwischen dem Griechenland-Schuldenstreit und einem Treffen mit der Queen legte die CDU-Politikerin einen Zwischenstopp in ihrem Wahlkreis ein, um fürs Vorlesen zu werben. In einem Sessel, umringt von 20 Kindern, las sie die Heldengeschichte „Eine Dose Kussbonbons“ vom Zebrajungen Zeo vor.

7,5 Millionen Menschen können in Deutschland nur sehr schlecht lesen

„Lesen ist wichtig, weil man sich die Dinge besser merkt, man Fantasie entwickelt und weil man allein mit sich etwas unternehmen und erleben kann“, warb Merkel in Stralsund. Der Bibliothek übergab sie von der Stiftung Lesen produzierte Lesestart-Sets. Vom Projekt „Lesestart - Drei Meilensteine für das Lesen“ sollen vor allem Kinder profitieren, die in einem bildungsfernen Umfeld aufwachsen oder denen wenig vorgelesen wird.

Zwischen 2011 und 2018 sollen bundesweit 4,5 Millionen Lesestart-Sets verteilt werden. Rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland seien funktionale Analphabeten, sagte Jörg Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen. Das heißt: Sie können einzelne Wörter und Sätze lesen und schreiben – bei längeren zusammenhängenden Texten verstehen sie den Inhalt aber nicht. Daher sei eine frühe und niedrigschwellige Leseförderung unabdingbar. An die Kinder gerichtet meinte Maas: „Wenn man lesen kann, kann man auch Bundeskanzlerin werden.“

Laut der Vorlesestudie der Stiftung Lesen von 2013 lesen 70 Prozent der Mütter und Väter ihren Kindern täglich (26 Prozent) oder zumindest mehrmals in der Woche (44 Prozent) vor. Die Studie kommt aber auch zu dem Schluss, dass durchschnittlich in jeder siebten Familie (14 Prozent) das Vorlesen keine familiäre Realität ist.

„Wir beobachten den Trend, dass immer mehr Kinder Sprachverzögerungen und damit Logopädie-Bedarf haben“, erklärte Ina Biel als stellvertretende Leiterin der Kita „Anne Frank“. Diese Kinder begännen später mit dem Sprechen, hätten Probleme, Laute richtig zu bilden und den Sinn des Erzählten zu erfassen.

In ihrer Kita stehe die Kommunikation mit den Kindern im Vordergrund. Das beginne bei den Einjährigen mit Bilderbüchern. Auch Vorlesen sei ein Muss. Das jüngste Projekt: Ein Kind darf einen Leserucksack mit Büchern übers Wochenende mit nach Hause nehmen.

 Sommerzeit ist Lesezeit – zum Ferienstart empfehlen die Wuppertaler und die Düsseldorfer Stadtbibliotheken ihre liebsten Bücher für Kinder und Jugendliche.

Fünf Favoriten aus Wuppertal:

So weit oben von Susanne Straßer (Peter-Hammer-Verlag) ist ein lustiges Bilderbuch für Kinder ab zwei Jahren über kurze Beine und eine Räuberleiter, die nicht ganz zum Ziel führt.

Der kleine Drache Kokosnuss von Ingo Siegner (cbj) fasziniert Kinder ab fünf Jahren im Bilderbuch, Vorlesebuch, Erstlesebuch, zum Selber lesen, zum Hören und als Film. Mädchen und Jungen lassen sich gleichermaßen gerne auf die Dracheninsel entführen, wo der Drache Kokosnuss, das Stachelschwein Mathilda und der Fressdrache Oskar wohnen.

Die Musketiere von Uta Krause (cbj) ist eine spannende, aber auch lustige Abenteuergeschichte, die vom gelangweilten Dasein von Hamster von Backenbart erzählt, bis zwei Mäuse und eine weiße Ratte auftauchen und sein Leben verändern. . . Für alle Kinder ab acht Jahren, die keine Angsthasen sind.

Gregs Tagebuch von Jeff Kinney (Baumhaus-Verlag) ist auch nach Erscheinen des neunten Bandes stark nachgefragt. Die Comic-Romane eignen sich für Jungen ab neun Jahren – natürlich auch für Mädchen!

Skuldugerry Pleasant von Derek Landry (Löwe-Verlag) bietet Spannung pur. Die Fantasy-Abenteuer-Geschichten drehen sich um ein Skelett, das mit Zauberkräften die vier Elemente beeinflussen kann, gegen das Böse kämpft und die Menschheit beschützt. Für Jugendliche ab zwölf Jahren.

Fünf Favoriten aus Düsseldorf:


Ella in der Schule von Timo Parvela (dtv junior) ist ein schönes Buch für alle Kinder, die nach den Ferien in die Schule kommen, aber auch für alle, die schon in der Schule sind. Es gibt von Ella noch zahlreiche Folgebände, die ebenfalls sehr lustig sind. Nicht nur für Kinder, denn der Humor mancher erschließt sich erst Erwachsenen. Daher sind die Geschichten ein Spaß für die ganze Familie.

Ferien im Möwenweg von Kirsten Boie (Oetinger) entführt in eine Art modernes Bullerbü. Boie erzählt die Alltagsgeschichten befreundeter Kinder aus einer Straße. Katrin Engelking illustriert diese ganz wunderbar.

Achtung, Milchpiraten ist ebenfalls von Kai Lüftner (arsEdition) geschrieben. Eine Party zu Ferienbeginn, bei der alles schief geht, bringt Kinder ab sechs Jahren zum Kichern.

Die Schattenbande von Frank M. Reifenberg und Gina Mayer (arsEdition) ist eine ganze Serie für Kinder ab 10 Jahren. Vier Kinder erleben im Berlin der 30er Jahre spannende Fälle in mittlerweile vier Bänden. Der neueste Titel ist: „Die Schattenbande und die große Verschwörung“.

Das Kaff der guten Hoffnung von Kai Lüftner (Fischer-Verlage) ist eine Serie für Kinder ab 8 Jahren. Als Hörbuch, selbst gelesen vom Autor, versüßen sie auch die Urlaubsreise.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer