Paul McCartney
Paul McCartney 2009 in Hamburg.

Paul McCartney 2009 in Hamburg.

dpa

Paul McCartney 2009 in Hamburg.

München (dpa) ­ Über Millionen von Mädchenbetten hingen Poster mit dem Konterfei des glutäugigen jungen Paul McCartney, dem schönsten der Beatles. Sein Charme brachte die Teenies um den Verstand, seine Musik war der Sound einer ganzen Ära.

Warum der Liverpooler Junge und seine Band nicht nach einiger Zeit in Vergessenheit gerieten, sondern auch noch mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihren Anfängen immer neue Generationen faszinieren, erklärt der Brite Howard Sounes in seiner umfangreichen Biografie «Paul McCartney».

«Macca», so wurde Paul von John Lennon (1940-1980) gern genannt, war der erfolgreichste der Fab Four: Auch nach Auflösung der Band - die in ihren erfolgreichsten Zeiten aus ihm, John, Ringo Starr und dem 2001 gestorbenen George Harrison bestand - blieb er mit seinen Wings und als Solist im Geschäft. Auch deswegen, weil er als Komponist zahlreiche Hits ­ von «Yesterday» bis zur «Long And Winding Road» - geschrieben und es verstanden hatte, sein Geld gut anzulegen.

Bei der Scheidung von Heather Mills im Jahr 2008 belief sich allein sein Geschäftsvermögen auf 241 Millionen Pfund ­ Immobilien, Kapitalanlagen, Barvermögen und Kunstwerte nicht eingerechnet. Niemand ­ außer ihm selbst vielleicht - hätte gedacht, dass aus dem «blassen, unsportlichen Jungen mit Tendenz zu Übergewicht» einmal einer der erfolgreichsten Popmusiker werden würde.

Sounes' Porträt enthält so viele Fakten und Meinungen ­ drei Seiten lang ist im Anhang die Liste seiner Interviewpartner -, dass sich McCartneys Lebensgeschichte mitunter in einem Geflecht verwirrender Details verhakt. Dennoch kommen interessante Fakten zutage: etwa über das lockere Liebesleben nicht nur der Beatles selbst, sondern auch ihrer Frauen. Denn auch Pauls spätere Ehefrau Linda soll kein Kind von Traurigkeit gewesen und mit einem seiner Mitbewohner ins Bett gegangen sein. Zudem wird man über Pauls Lieblingsgetränk (Whisky Cola), seinen ausgeprägten Familiensinn und den Tag, an dem er Vegetarier wurde, informiert.

Der Autor entkräftet das hartnäckige Gerücht von der Erzfeindschaft zwischen den Beatles und den Rolling Stones, verweist auf Pauls guten Draht zur Queen und widersteht der Versuchung, das Objekt seiner Studie oder die Nebenfiguren zu glorifizieren. Paul ist für ihn ein Ausnahme-Musiker, dessen Charakter Stärken, wie seine Großzügigkeit, aber auch Schwächen wie einen übersteigerten Ehrgeiz und seine partielle Skrupellosigkeit, zeigt.

So gut wie keine Frage bleibt offen bei der Lektüre der Biografie, die in ihrer Gründlichkeit wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Vor allem überzeugt Sounes' ausgewogene Arbeit mit Kompetenz, denn der Brite versteht etwas von Musik und kann Paul McCartneys Leistungen adäquat würdigen.

Howard Sounes

Paul McCartney

Droemer Verlag, München

848 S., 24,99 Euro

ISBN 978-3-4262- 7509-2

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