Regensburg (dpa) - Heiraten, den Beruf aufgeben und dem Manne untertan sein? Nein, das will Frieda auf gar keinen Fall. Sie hat ihren Gustl schon sehr gern. Der ist in der oberbayerischen Provinzstadt aufstrebender Tabakwarenhändler und exzellenter Sportler - kurz «Eine Zierde für den Verein».

Doch ihre Unabhängigkeit hat sich Frieda mühsam erarbeitet. Nicht nur sich selbst kann sie ernähren, ihrer kleinen Schwester finanziert die als Vertreterin von Laden zu Laden ziehende Frieda eine Schulausbildung bei den Nonnen. Aus Marieluise Fleißers Werk «Eine Zierde für den Verein: Roman vom Rauchen, Sporteln, Lieben und Verkaufen» hat die Schauspielerin Eva Sixt treffsicher die wichtigen, dramatischen Passagen ausgewählt.

In ihrer vom bayerischen Dialekt gefärbten Lesung schlüpft sie perfekt in die Rolle der emanzipierten Frau, die am Ende bitter scheitert. Das exzellent produzierte Hörbuch bietet die seltene Möglichkeit, das Lebensgefühl der um Selbstbestimmung kämpfenden deutschen Frauen der späten 20er Jahre nachzuempfinden.

Eine Zierde für den Verein: Lohrbär Verlag, Regensburg, 120 Min., 17,90 Euro, ISBN 978-3-939529-10-1

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