Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch lebte in den 70er Jahren eine Zeitlang in West-Berlin. Foto: Achim Scheidemann
Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch lebte in den 70er Jahren eine Zeitlang in West-Berlin. Foto: Achim Scheidemann

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch lebte in den 70er Jahren eine Zeitlang in West-Berlin. Foto: Achim Scheidemann

dpa

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch lebte in den 70er Jahren eine Zeitlang in West-Berlin. Foto: Achim Scheidemann

Berlin (dpa) - In Berlin sind erstmals Auszüge aus Max Frischs geheimnisumwittertem «Berliner Journal» zu sehen.

Mit einer Sondererlaubnis der Frisch-Stiftung zeigt die Akademie der Künste einzelne Blätter des Tagebuchs, das in den 70er Jahren in Berlin entstand und nach Frischs Tod laut seinem Vermächtnis 20 Jahre lang unter Verschluss gehalten wurde.

Stiftungspräsident Peter von Matt sagte am Freitag, bei den freigegebenen Notizen handele es sich um Texte von unbestreitbar literarischem und öffentlichem Interesse. Insgesamt habe der Stiftungsrat jedoch einstimmig entschieden, das «Berliner Journal» aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes derzeit nicht zu veröffentlichen.

Die Akademie zeigt die Auszüge bei ihrer Ausstellung «100 Jahre Max Frisch» (1911-1991), die in ähnlicher Form im vergangenen Jahr in Zürich zu sehen war. In einem 500 Quadratmeter großen abgedunkelten Ausstellungsraum sind auf 70 kleinen Monitoren Interviews, Fotos, Briefe und Dokumente zu Leben und Werk des großen Schweizer Schriftstellers zu sehen. Daneben stellt eine «Werkspur» 16 ausgewählte Titel des Autors vor, darunter «Stiller», «Homo Faber» und «Andorra».

Das Berlin-Kapitel - «man ist wacher als anderswo» - wurde eigens für die Präsentation in Deutschland entwickelt. Max Frisch lebte von 1973 bis zur Trennung von seiner zweiten Frau Marianne 1979 im Westen der geteilten Stadt und pflegte intensiven Kontakt mit Künstlern beider Seiten. Deshalb hatten sich an sein mehrere Ringhefte umfassendes «Berliner Journal» hohe Erwartungen gerichtet.

Der Inhalt sei jedoch «nicht in jeder Hinsicht sensationell», sagte Stiftungspräsident Matt. «Es ist nicht so durchorganisiert und durchkomponiert wie die anderen Tagebücher.» So sei beispielsweise aus den ganzen Jahren nicht eine einzige Theateraufführung erwähnt. «Der Inhalt ist auch ein bisschen geprägt von diesem Prozess einer sterbenden Ehe.»

Dazwischen finden sich jedoch auch pointierte Beschreibungen vom Leben der Stadt und von Treffen mit Kollegen, wie etwa das ausgestellte Blatt über einen Abend mit Günter Kunert sowie Christa und Gerhard Wolf bei Uwe Johnson und dessen Frau. Auch ein zufälliges Treffen mit Wolf Biermann, ein Besuch der Leipziger Buchmesse und ein Gespräch mit dem (Ost-)Verlag Volk und Welt sind protokolliert.

Die Menge des Materials in der Ausstellung sei auf den ersten Blick eine Zumutung, sagte Kuratorin Annemarie Hürlimann. «Aber es ist ein Mosaik. Am Schluss haben Sie Ihren eigenen Max Frisch ausgewählt.»

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer