Lesung Schriftstellerin Siri Hustvedt präsentiert ihr neues Buch im Schauspielhaus Düsseldorf.

„Die zitternde Frau“ ist Siri Hustvedts fünftes Werk.
„Die zitternde Frau“ ist Siri Hustvedts fünftes Werk.

„Die zitternde Frau“ ist Siri Hustvedts fünftes Werk.

dpa

„Die zitternde Frau“ ist Siri Hustvedts fünftes Werk.

Düsseldorf. Es passierte bei einem Vortrag, den die Schriftstellerin Siri Hustvedt zu Ehren ihres Vaters am St. Olaf College in Northfield/Minnesota hielt. Sie stand am Rednerpult, als mit dem ersten Wort ihr Körper in ein unkontrollierbares Zittern verfiel. Allerdings "nur" vom Hals an abwärts, Stimme und Sprache blieben unbeeinträchtigt. Siri Hustvedt sprach unter Hochspannung weiter. Mit dem Ende des Vortrags hörte das Zittern auf.

"Die zitternde Frau - eine Geschichte meiner Nerven" heißt das neue Buch der amerikanischen Autorin, das sich im Stil einer radikalen Selbsterkundung auf die Suche nach den Ursachen dieses Leidens macht. Siri Hustvedt versagt sich dabei jede Gefühligkeit, Ärzteschelte oder Esoterik, sondern schließt Theorie und Praxis kurz. Medizin, Neurowissenschaft und Psychoanalyse werden mit der subjektiven Krankengeschichte in Dialog gebracht und erschüttern so zahlreiche vermeintliche Gewissheiten.

Die Ärzte-Odyssee der Autorin spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die Diagnosen widersprechen sich, die Zitteranfälle kehren unkontrollierbar wieder, ein Medikament dämpft immerhin die Symptome. "Die Suche nach der zitternden Frau führt mich vom einen zum anderen, weil es letzten Endes auch eine Suche nach Perspektiven ist." Dabei zeigt die Autorin nicht nur, dass Krankheiten und Symptome immer auch Fragen der Wahrnehmung sind. Dem Faktenglauben, den uns derzeit Hirnscans und Computertomografien suggerieren, setzt sie einen Diskurs entgegen, der die Grenzen zwischen Körper und Geist, Krankheit und Identität auslotet.

Siri Hustvedts Buch ist kein medizinischer Aufsatz, es bleibt das Werk einer Schriftstellerin. Und das Erzählen ist ein zentraler Baustein jeder Krankengeschichte. Es verschafft Linderung, das ist bei Hustvedt nicht anders. Erzählen macht aber auch aus der als fremd empfundenen Krankheit etwas Eigenes. So ist zu Beginn noch von Invasion und Kontrollverlust die Rede. Das Buch schließt mit dem Satz "Ich bin die zitternde Frau".

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