Der britische Verleger Peter McGee will Hitlers Buch in den deutschen Handel bringen.

debatte
Der britische Verleger Peter McGee hat in Deutschland eine Kontroverse ausgelöst. Archiv

Der britische Verleger Peter McGee hat in Deutschland eine Kontroverse ausgelöst. Archiv

dpa

Der britische Verleger Peter McGee hat in Deutschland eine Kontroverse ausgelöst. Archiv

London. Adolf Hitlers „Mein Kampf“ soll sich ab nächster Woche in Kurzform am Kiosk behaupten – als Beilage der Sammelheft-Edition „Zeitungszeugen“. „Hitlers Streitschrift ist der ganzen Welt, aber ausgerechnet nicht der deutschen Öffentlichkeit zugänglich“, sagt der britische Verleger Peter McGee, „das finde ich aberwitzig.“

Vergangene Woche hat er die erste Ausgabe seiner Sammelhefte für Geschichtsinteressierte an deutsche Zeitungsstände gebracht. Thema ist die Machtübernahme der Nazis 1933, veranschaulicht an Reproduktionen von Zeitungen jener Ära. Wissenschaftler analysieren und kommentieren die Faksimile-Drucke in den Randspalten. Um die dritte Ausgabe, geplant für den 26. Januar, hat sich nun jedoch heftiger Streit entzündet.

Der Zentralrat der Juden ist gegen eine Veröffentlichung des Buches

So prüft das bayerische Finanzamt, das noch bis 2015 die Rechte an „Mein Kampf“ hält, rechtliche Schritte gegen den Vertrieb der Beilage. 2009 musste Bayern bereits eine Niederlage gegen den Briten einstecken. McGee setzte sich im Rechtsstreit durch, zog sich aber wegen der großen Kritik mit seinem Produkt zurück. „Die Menschen sollen Auszüge aus der Hitler-Schrift lesen dürfen, um sich ihre eigene Meinung bilden zu können“, erklärt er jetzt seinen zweiten Vorstoß. Dass die nächste Ausgabe zensiert werden könnte, findet er „absurd“.

Das sieht der Zentralrat der Juden in Deutschland anders. Dessen langjährige Präsidentin Charlotte Knobloch ist gegen eine Veröffentlichung von „Mein Kampf“, auch wenn sie „auf die Urteilskraft der Menschen vertraut“. Trotzdem verdiene das Buch das hohe Maß an Aufmerksamkeit nicht, sagte sie am Mittwoch.

„Ich kann wirklich gut auf die Veröffentlichung dieses wirren, von Antisemitismus und Hass getränkten Buches verzichten“, erklärte auch Knoblochs Amtsnachfolger Dieter Graumann. „Bei dem Gedanken, dass Adolf Hitler zum Bestseller wird, wird mir regelrecht übel.“ Wer mit Hitler Umsatz machen wolle, könne den Zentralrat niemals an seiner Seite haben. „Außerdem darf der Kiosk nicht zur neuen Brutstätte von Nazis werden.“

Dass Rechtsradikale angezogen werden könnten, hält McGee für abwegig. „Für sie liegt der Reiz ja gerade im Verbotenen“, sagt er. „Schriften wie ‚Mein Kampf’ kaufen sie im Netz oder auf dem Schwarzmarkt.“ Er glaubt, dass „Zeitungszeugen“ genau das Gegenteil bewirkt: „Indem wir ein Schlaglicht auf ein mystifiziertes Buch werfen, enttarnen wir es als das, was es ist: wüstes Geschimpfe und hohle Phrasen.“

Professor attestiert der Kontroverse mehr Hysterie als Sachlichkeit

Professor Horst Pöttker vom Institut für Journalistik der TU Dortmund attestiert dem Streit mehr Hysterie denn Sachlichkeit. Er hat mehrere Kapitel aus „Mein Kampf“ für „Zeitungszeugen“ kommentiert. „Für die Aufarbeitung muss man verstehen, dass Hitler kein Monster, sondern ein Mensch war. Man muss aber auch verstehen, wann die Eigenschaften, mit denen er die Masse faszinieren konnte, ins Barbarische umschlugen.“

50 Hefte sollen dieses Jahr erscheinen, 50 im nächsten Jahr. Mit Zeitungsreproduktionen vom Zusammenbruch des NS-Regimes endet die Serie.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer