Julian Assange floh in Frauenkleidern vor angeblichen CIA-Agenten.
Julian Assange floh in Frauenkleidern vor angeblichen CIA-Agenten.

Julian Assange floh in Frauenkleidern vor angeblichen CIA-Agenten.

dpa

Julian Assange floh in Frauenkleidern vor angeblichen CIA-Agenten.

London. Julian Assange ist schon besonders mit seiner großen analytischen Intelligenz und dem eigenwilligen Humor – das ist die Einschätzung der „Guardian“-Journalisten David Leigh und Luke Harding. Sie haben ein Buch über den Wikileaks-Gründer geschrieben, das am Montag in Großbritannien in den Handel kam: „Das Innenleben von Julian Assanges Krieg gegen die Heimlichkeit“. Der Australier selbst drohte am Montag mit der Veröffentlichung einer Flut geheimer Dokumente, sollte das Enthüllungsportal dauerhaft gesperrt werden.

Das Buch zeigt – ebenso wie die Arbeiten der „Spiegel“-Journalisten Holger Stark und Marcel Rosenbach – Facetten von Assanges richtigem Leben. Etwa, wie er in Frauenkleidern vor angeblichen Geheimdienstagenten flieht. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie lächerlich das war“, zitieren die Autoren den Wikileaks-Aktivisten James Ball. „Er ließ die Klamotten einer alten Frau für mehr als zwei Stunden an.“

2007 lieferte er dem „Guardian“ seine erste Enthüllungsgeschichte

Der 39-Jährige, der derzeit unter Hausarrest bei einem Gönner in Großbritannien lebt, ist zu einer der schillerndsten Figuren der Zeitgeschichte geworden. Rebell der Krimineller? Verräter oder Vergewaltiger? Eine Antwort bleibt auch dieses Buch schuldig.

Der frühere Hacker schickte schon regelmäßig E-Mails an den „Guardian“, bevor er 2007 die erste dicke Geschichte lieferte. Der frühere kenianische Präsident Daniel Arap Moi hatte mehrere hundert Millionen Pfund auf Auslandskonten abgezweigt – und Assange hatte die Beweise. Es war der Anfang einer Zusammenarbeit, die mehrmals vor dem Abbruch stand.

Er trat gegenüber Mitstreitern herrschsüchtig und gefühllos auf

Der Australier war mit der ersten „Guardian“-Veröffentlichung auf dem Weg zur Ikone der Internet-Generation. Und er war sich dessen wohlbewusst. Die Buchautoren beschreiben, wie eine Reihe seiner Mitstreiter sich nach und nach von ihm löste. „Herrschsüchtig“ sei er gewesen und von gefühlloser Missachtung für diejenigen, die er nicht mochte. Gelegentlich soll er auch vergessen haben, sich zu waschen.

Warum Assange wurde, wie er ist, versuchen die Autoren in seiner Jugend in Australien zu ergründen. Seinen biologischen Vater traf er erst im Alter von 25 Jahren. Dennoch soll Peter Shipton, der einstige Anti-Vietnamkrieg-Aktivist, auf ihn „wie ein Spiegel“ gewirkt haben.

Mutter Christine reiste mit dem kleinen Julian umher, heiratete später den Regisseur Brett Assange – das Leben auf gepackten Koffern ging weiter. Julian ging in 37 verschiedene Schulen. „Zu der Zeit habe ich das wirklich gemocht“, sagte er später.

Mit 18 war er schon einer der versiertesten Hacker Australiens und wurde zudem noch Vater. Die Mutter des Kindes kam jedoch mit den ständigen Polizei-Visiten nicht zurecht und zog mit dem kleinen Daniel aus.

1996 wurde er erstmals wegen Computer-Hackings zu einem Bußgeld und einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Staatsanwältin unterstellte ihm keine politischen Motive: „Er wollte nur angeben und seine besonderen Computerkenntnisse herausstellen.“

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