Drahtseilakt über alle Grenzen: Wie ein Niederländer und ein Deutscher zu zweit Romane schreiben.

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Wie man sieht, spielt Magritte eine wichtige Rolle im neuen Roman von Thomas Hoeps (l.) und Jac Toes.

Wie man sieht, spielt Magritte eine wichtige Rolle im neuen Roman von Thomas Hoeps (l.) und Jac Toes.

J. Wüstkamp

Wie man sieht, spielt Magritte eine wichtige Rolle im neuen Roman von Thomas Hoeps (l.) und Jac Toes.

Krefeld. Sie führen eine gute Ehe – trotz der räumlichen Entfernung. Dazu gehört, viel miteinander zu reden, selbst über scheinbar unbedeutende Details. Es ist wichtig, voneinander zu lernen und aufeinander zu hören. Und wenn man sich mal in eine Sackgasse manövriert hat, sucht man gemeinsam einen Ausweg.

Der Krefelder Thomas Hoeps und sein Arnheimer Kollege Jac Toes schreiben seit sechs Jahren zu zweit Kriminalromane, über Landesgrenzen und Sprachbarrieren hinweg. Auch ihr Ermittlerteam – der Kunstrestaurator Robert Patati und die Profilerin Micky Spijker – ist international. Ab Dienstag lösen die beiden unter dem Titel „Höchstgebot“ ihren dritten gemeinsamen Fall.

Die Bücher von Hoeps und Toes sind Hits auf dem Regionalkrimi-Markt

Ihre Verlage mussten Hoeps und Toes nicht lang zu diesem erneuten Einsatz überreden. Die Vorgänger „Nach allen Regeln der Kunst“ und „Das Lügenarchiv“, die in Deutschland und den Niederlanden erschienen sind, waren im Regionalkrimi-Sektor echte Hits. Die Verkäufe gehen Richtung 10 000er-Marke – was wohl auch damit zu tun hat, dass sie weit mehr sind als handelsübliche Thriller. Humorvoll und fintenreich wuseln sie durch Kunstgeschichte und gesellschaftliche Gegenwart, das sprachliche Niveau ist gleichbleibend hoch.

Da überrascht es nicht, dass hinter jedem Buch zwei Jahre harte Arbeit stecken – sechs Monate für Plot und Recherche, ein Jahr zum Schreiben und das letzte halbe Jahr für den Kampf mit Übersetzern und Lektoren. Dass dieser Drahtseilakt schon dreimal geklappt hat, liegt nur zum Teil am entspannten Naturell der Beteiligten: „Wir haben keinen falschen Stolz, wir wollen einfach, dass es ein gutes Buch wird“, sagt Hoeps. „Und da wir verschiedene Sprachen sprechen, diskutieren wir nicht über den Stil. Beim Plot sind Autoren kompromissbereit, beim Stil werden sie nickelig.“

Damit beide die gleiche Richtung einschlagen, ist gerade die erste Phase wichtig. In langen Sitzungen „spinnen wir gemeinsam rum, als säßen wir am Lagerfeuer“, wie Toes formuliert – so lange, bis der Plot steht. Danach wird das Buch zerlegt: Toes schreibt aus der Perspektive der Profilerin, sein Partner versetzt sich in den Restaurator hinein. Da kann es vorkommen, dass einer die Figur des anderen falsch sieht. „Das sind oft Details“, sagt Hoeps. Statt Glühwein muss dann im Buch Feuerzangenbowle auf den Tisch, statt zur Musik von Queen wird zur Waveband Fischer-Z getanzt.

In sechs Jahren Zusammenarbeit haben sie keinmal gestritten

Die Idee zur deutsch-niederländischen Kooperation der beiden bis dahin allein arbeitenden Autoren kam vor sechs Jahren von der NRW-Staatskanzlei.

 

Der dritte Roman des Duos heißt „Höchstgebot“ (Grafit Verlag, 356 Seiten, 9,99 Euro).

Hoeps und Toes lesen am 23. März in Mönchengladbach (Theater im Gründungshaus) und am 27. März in Krefeld (Mediothek).

Um solche Fragen zu klären, telefonieren die Autoren alle paar Tage miteinander. Dabei redet Hoeps nur niederländisch, Toes spricht deutsch: „So bleiben wir immer auf Augenhöhe.“

Beim neuen Buch hatten sie sich zwischendurch „in eine Ecke geschrieben“, wie Toes sagt. Ein stundenlanger Spaziergang half am Ende weiter: „Der Ton bleibt ruhig, gestritten haben wir nie“, sagen die Autoren, die längst Freunde sind. Nach „Höchstgebot“ will dennoch jeder an eigenen Projekten arbeiten, erst mal Abstand gewinnen. Auch das gehört wohl zu einer guten Ehe.

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