Dogan Akhanli
Dogan Akhanli besucht zunächst die Familie in der Türkei.

Dogan Akhanli besucht zunächst die Familie in der Türkei.

dpa

Dogan Akhanli besucht zunächst die Familie in der Türkei.

Köln/Istanbul (dpa) - Der türkischstämmige Kölner Autor Dogan Akhanli kehrt nach seiner Freilassung aus türkischer Untersuchungshaft nicht sofort nach Deutschland zurück.

Akhanli sei zunächst in das Dorf seiner Familie gereist, sagte der Schriftsteller Günter Wallraff der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Noch vor Weihnachten wolle Akhanli aber nach Deutschland zurückkehren. «Ich bin jetzt frei, aber denkt an die anderen, die nicht die große Öffentlichkeit haben», habe Akhanli nach seiner Freilassung gesagt, berichtete Wallraff.

Ein Istanbuler Gericht hatte den wegen Raubs und Totschlags angeklagten Akhanli am Mittwoch, vier Monate nach seiner Festnahme, aus der Untersuchungshaft entlassen. Ein dringender Tatverdacht gegen den türkischstämmigen Schriftsteller mit deutscher Staatsbürgerschaft liege nicht mehr vor, entschied das Gericht am ersten Verhandlungstag.

Am Mittwochabend habe der Autor im Gefängnis erfahren, dass er entlassen werde. «Körperlich geht es ihm gut, und wir haben bis drei Uhr am nächsten Morgen gefeiert», sagte Wallraff. Akhanli sei aber auch traurig gewesen: «Dass er seinen Vater nicht mehr sehen konnte, hat die türkische Justiz zu verantworten.» Der Schriftsteller war am 10. August an einem Flughafen in Istanbul festgenommen worden. Er wollte in die Türkei einreisen, um seinen todkranken Vater zu treffen. Dieser starb Ende November.

«Ich wurde vom Flughafen weg verhaftet und abtransportiert», sagte Akhanli türkischen Berichten zufolge, als er das Gefängnis verließ. «Sie haben mich herumgestoßen wie einen Stein.» Besonders habe ihn erschüttert, dass der Staatsanwalt ihn noch im Gerichtssaal für schuldig erklärt habe - «entgegen allen Beweisen, so als ob nichts geschehen wäre».

Der 1957 in der Türkei geborene Akhanli war beschuldigt worden, vor 21 Jahren an einem Raubüberfall mit Todesfolge auf eine Wechselstube in Istanbul beteiligt gewesen zu sein. Der Prozess soll am 9. März fortgesetzt werden. «Es interessiert ihn nicht, was die Gerichte sich jetzt noch einfallen lassen», sagte Wallraff. «Das war ein Schauprozess. Die haben sich den Falschen ausgesucht.» Anwälte und Beobachter gehen davon aus, dass der Prozess nun im Sand verlaufen wird.

Wallraff war Teil einer deutschen Delegation, die den Prozess beobachtet hatte. Autoren und Künstler hatten massiv gegen das Verfahren protestiert, das ihrer Ansicht nach politisch motiviert ist. Akhanli lebt seit seiner Flucht aus der Türkei im Jahr 1991 in Deutschland. Er hat die deutsche Staatsbürgerschaft. In seinen Werken hat er sich auch mit der Verfolgung der Armenier in der Türkei befasst.

Die Berliner Akademie der Künste begrüßte Akhanlis Freilassung. Die Entscheidung sei ein hoffnungsvoller Schritt, mit dem die türkische Justiz beweisen könne, dass sie bereit sei, die Menschenrechte zu respektieren, sagte Akademie-Präsident Klaus Staeck. Er dankte dem Schriftsteller Günter Wallraff und den anderen Prozessbeobachtern für ihr beharrliches Engagement. Sie hätten die angedrohte lebenslängliche Haftstrafe mit allen Mitteln des öffentlichen Drucks verhindert.

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