Dogan Akhanli
Dogan Akhanli wird von Polizeibeamten zum Gericht in Istanbul gebracht.

Dogan Akhanli wird von Polizeibeamten zum Gericht in Istanbul gebracht.

dpa

Dogan Akhanli wird von Polizeibeamten zum Gericht in Istanbul gebracht.

Istanbul (dpa) - In einem umstrittenen Gerichtsverfahren steht der Kölner Autor Dogan Akhanli seit Mittwoch in der Türkei vor Gericht. Die türkische Justiz hat ihn wegen Raubs und Totschlags angeklagt.

Akhanlis Anwälte wiesen zum Prozessauftakt in Istanbul alle Vorwürfe zurück. Sie wollen Freispruch für den türkischstämmigen Schriftsteller mit deutscher Staatsangehörigkeit beantragen. Akhanli wird vorgeworfen, vor 21 Jahren an einem Raubüberfall auf eine Wechselstube in Istanbul beteiligt gewesen zu sein. Der Besitzer war damals getötet worden.

Autoren und Künstler haben in den vergangenen Wochen massiv gegen das Verfahren protestiert, das ihrer Ansicht nach politisch motiviert ist. Zahlreiche Beobachter verfolgen den Prozess, der am Mittwoch zunächst mit der umfangreichen Verlesung von Akten begann. Zu einer Delegation von Autoren und Politikern aus Deutschland zählt auch der Schriftsteller Günter Wallraff. Er forderte die Freilassung Akhanlis. Kurz vor Beginn der Verhandlung sagte Wallraff am Mittwoch in Istanbul, die unter Folter erpressten Zeugenaussagen seien widerrufen worden. «Wenn die Rechtstaatlichkeit berücksichtigt wird, muss er freikommen. Und das erwarte ich», sagte Wallraff. «Er ist ein Kollege, der unschuldig inhaftiert ist.»

Die Anwälte bestritten, dass Akhanli jemals in einer terroristischen Organisation gewesen sei. Der Autor lebt seit seiner politisch motivierten Flucht aus der Türkei im Jahr 1991 in Deutschland. Er hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Auch Amnesty International und deutsche Diplomaten verfolgen den Prozess.

Akhanli hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Seine Anwälte haben erklärt, die Beschuldigungen gegen den politisch missliebigen Autor seien konstruiert und unter Folter erpresst worden. Der 1957 in der Türkei geborene Schriftsteller war am 10. August an einem Flughafen in Istanbul festgenommen worden. Er wollte in die Türkei einreisen, um seinen todkranken Vater zu treffen, der Ende November starb.

Nach dem türkischen Militärputsch 1980 war Akhanli in den Untergrund gegangen. Er wurde als Mitglied der kommunistischen TDKP gesucht und 1984 verhaftet. Von 1985 bis 1987 war er in Istanbul in einem Militärgefängnis inhaftiert. In dieser Zeit wurde er auch gefoltert, wie er berichtet hat. Im Jahr 1991 setzte er sich nach Deutschland ab, wo er als politischer Flüchtling anerkannt wurde und später die deutsche Staatsbürgerschaft annahm.

Akhanli ist Mitarbeiter des Vereins «recherche international», der sich mit der Aufarbeitung der im vergangenen Jahrhundert begangenen Völkermorde befasst und auch die Verbrechen an den Armeniern immer wieder zum Thema gemacht hat. Der 1957 in der Türkei geborene Autor hatte sich im Buch «Die Richter des jüngsten Gerichts» selbst mit der Verfolgung der Armenier befasst.

Sein Roman «Der letzte Traum der Madonna» (2005) wurde von türkischen Kritikern zu einem der zehn besten des Jahres gekürt. In Deutschland wurden seine Projekte für einen offenen Umgang mit historischer Gewalt und für Versöhnung mehrfach ausgezeichnet, etwa vom Bündnis für Demokratie und Toleranz.

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