Mit 2017 endet für die Broilers das bislang erfolgreichste Jahr ihrer Karriere. Wir sprachen mit Frontmann Sammy Amara über die Hoch- und Tiefpunkte des Jahres, das Tourleben sowie die aktuelle Platte.

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Sammy Amara ist der Sänger, Frontmann und Songwriter der Düsseldorfer Punkrock-Band Broilers, die den Toten Hosen auch schon mal den Schampus klauen. Die Düsseldorfer gehören zu den besten Live-Bands der Republik, am 1. und 2. Dezember spielen sie im Rather Dome.

Sammy Amara ist der Sänger, Frontmann und Songwriter der Düsseldorfer Punkrock-Band Broilers, die den Toten Hosen auch schon mal den Schampus klauen. Die Düsseldorfer gehören zu den besten Live-Bands der Republik, am 1. und 2. Dezember spielen sie im Rather Dome.

dpa

Sammy Amara ist der Sänger, Frontmann und Songwriter der Düsseldorfer Punkrock-Band Broilers, die den Toten Hosen auch schon mal den Schampus klauen. Die Düsseldorfer gehören zu den besten Live-Bands der Republik, am 1. und 2. Dezember spielen sie im Rather Dome.

Herr Amara, bald ist 2017 passé. Was bleibt von diesem Jahr?

Sammy Amara: Es war bandtechnisch das erfolgreichste – und sicher auch anstrengendste – Jahr für die Broilers. Keine Frage. Politisch gesehen war es allerdings ein widerliches Jahr, in dem viele Sachen passiert sind, die ich nicht erwartet hatte. Ich glaube, ich werde daher nicht mit der allergrößten Freude auf 2017 zurückblicken.

Es gibt zum Jahresabschluss noch eine Tournee mit zwei großen Konzerten in der Heimat Düsseldorf. Das dürfte Grund zum Feiern sein.

Amara: Darauf werde ich dann ziemlich sicher mit großer Freude zurückblicken. Und es ist nicht nur der Jahresabschluss. Eigentlich ist es auch die letzte Tour vor der nächsten Pause der Band.

Pause?

Amara: Ja. Wir werden für ein paar Jahre keine Konzerte mehr geben. Ein paar Festivals im kommenden Sommer noch. Aber dann: Kümmern wir uns um die neue Platte. Last chance to dance also.

Sie haben im Februar Ihr neues Album „(sic!)“ veröffentlicht und die Songs nun ein Dreivierteljahr lang live präsentiert. Was hat sich in der Wahrnehmung der Stücke geändert?

Amara: Manche Songs sind durch das Live-Spielen noch gewachsen und haben eine andere Dynamik bekommen. Letztlich ändert sich die Wahrnehmung von Songs dauernd. Wir probieren entsprechend immer wieder Neues aus – und werden das auch bei den letzten Konzerten in diesem Jahr tun. Mal schauen, welche Überraschungen dabei herauskommen.

Sie hatten „(sic!)“ vor der Veröffentlichung als zukünftiges Lieblingsalbum angekündigt. Ist es das geworden?

Amara: Das aktuelle Album ist doch fast immer das Lieblingsalbum. Wirklich abschließend kann ich das erst in ein paar Jahren sagen, wenn ich weiß, ob die Songs den Test der Zeit bestanden haben und wenn ich selbst auch nicht mehr so tief drin bin und es ein bisschen von außen betrachten kann.

Hören Sie Ihre eigene Musik nach einer gewissen Zeit eigentlich noch gerne an?

Amara: Naja, ich mag meine Musik natürlich. Und ich versuche sie ja auch so zu schreiben, dass ich sie selbst anhören möchte. Aber irgendwann kann ich es trotzdem nicht mehr. Man hat die Lieder so oft gehört und geprobt, dass man mal etwas Anderes braucht. Der Pizzabäcker isst wohl auch nicht jeden Tag Pizza. Ich klatsche beispielsweise nicht in die Hände, wenn wir „In 80 Tagen um die Welt“ fürs Konzert proben müssen. Dieses Ding ist 25 Jahre alt. Auf der Bühne ist es dann natürlich wieder großartig, den Song zu spielen. Weil die Leute Party machen und sich manchmal einer von uns so schön verspielt (lacht). Ansonsten gebe ich zu: Ich gehe aus Kneipen raus, wenn unsere Musik läuft. Das ist unangenehm. Das ist so, als ob man da drin steht und auf Schulterklopfen wartet. Und es gibt zwei Dinge, die ich nicht möchte: Schulterklopfen. Und Mitleid.

Was waren die Höhe- und Tiefpunkte Ihrer bisherigen Tour 2017?

Amara: Höhepunkte waren sicherlich die Warm-Up-Shows in kleinen Clubs, das bislang größte Konzert unserer Karriere in Köln und die Open-Air-Auftritte in Berlin und Dresden. Schlimm und irgendwie unwirklich war dagegen der Moment, als unser Konzert bei „Rock am Ring“ wegen der Terrorwarnung abgebrochen wurde. Da herrschte überall eine ganz komische Stimmung. Das war ein sehr ungutes Gefühl. Trotz dieser Situation war es allerdings auch schön und einzigartig, dass wir nur einen Tag später noch einmal auftreten durften. Da sind die Leute dann nämlich richtig abgegangen. Und: Der Zusammenhalt der Festivalbesucher am Tag des Abbruchs selbst war großartig. Da war kein Streit, kein Rumgeblöke. Die Leute sangen „You’ll never walk alone“. Und keiner schrie nach der AfD.

Dafür sorgte Festivalchef Marek Lieberberg bei der Pressekonferenz zu diesem Vorfall in einer Wutrede für Aufsehen, als er forderte, dass sich Muslime endlich deutlich gegen Islamismus positionieren müssten.

Amara: Das war wirklich extrem ungut. Als ich die Pressekonferenz sah, dachte ich auch: „Das passiert doch gerade nicht wirklich, oder?“ Angst, Panik und Wut sind in solchen Situationen nie ein guter Ratgeber.

Seltsam ist, dass sowohl Sie als auch die Toten Hosen als Bands aus dem Hause JKP im Dezember innerhalb kürzester Zeit jeweils eigene Konzerte in Düsseldorf spielen. Warum wird denn da nichts Gemeinsames auf die Beine gestellt?

Amara: Sie haben recht. Das hätte man tatsächlich tun können. Es hat sich eben nicht ergeben. Aber ich glaube, das ist eine Geschichte, die wir irgendwann durchaus einmal machen werden. Ich meine: Die Hosen werden noch etwas weiterspielen. Wir auch. Also: Warum nicht?

Gibt es bei JKP eigentlich einen internen Wettbewerb, wer mehr Platten ver- und Konzerte ausverkauft?

Amara: Nein. Wissen Sie: Die Broilers mag ich aus persönlichen Gründen zwar sehr. Die Musiker aus der anderen Band, der „Silberrücken“-Band, sind aber wie große Brüder von uns. Denen wünschen wir daher nur das Beste.

Werden die „Silberrücken“ ab und an auch mal von Ihnen geärgert?

Amara: Ja, das ergibt sich dann meist spontan bei Feiern oder Festival-Shows. Wenn man einen im Tee hat. Wir klauen den Hosen dann gerne mal Champagner. Das macht immer Spaß. Und von dem Zeug gibt es eh nur Bauchschmerzen.

Hand aufs Herz: Was fehlt Ihnen auf Tour am meisten?

Amara: Wir reisen ja mit einem Tross von 60, 70 Leuten. Das ist wie in einem U-Boot. Was mir daher am meisten fehlt, das ist Privatsphäre. Einfach mal in den Sessel setzen. In Ruhe duschen. Die Pflänzchen gießen. Deshalb legen wir immer auch ein paar freie Tage ein, in denen wir nach Hause fahren können. Die Konzerte sind ja auch körperlich anstrengend und ich verliere ohnehin immer ein paar Kilos auf Tour. Würden wir das also gnadenlos durchballern, dann käme ich nach einer Tournee erst recht als Schluck Wasser in der Kurve zurück. Ein Abend Nintendo-Spielen muss deswegen ab und an mal sein.

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