Deutsches Büro gestaltet die Innenräume des Hauses an der Istanbuler Dalgic Gasse.

Kappeln/Istanbul. Feine Linien, kleine, weiße Wände aus Pappe und viel Papier - immer wieder schaut Brigitte Sunder-Plassmann auf die Bauzeichnungen. "Bei einer Verwaltung oder einer Bank ist es einfach, aber ein Museum ist etwas Besonderes", sagt sie.

Zusammen mit ihrem Mann Gregor leitet sie ein Architektenbüro, das auf Museumsbauten spezialisiert ist. Und jetzt haben sie einen ganz besonderen Auftrag an Land gezogen.

Für den türkischen Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk sollen sie das "Museum der Unschuld" aus dem gleichnamigen Roman nachbauen. "Ich kenne das Buch mittlerweile fast auswendig", erzählt Sunder-Plassmann, die nach ihrem Umzug von München mit ihrem Mann seit mehr als 20 Jahren in Kappeln in Schleswig-Holstein lebt.

Das Gebäude dazu hat Pamuk bereits vor rund zehn Jahren in Istanbul gekauft - so lange hat er auch an dem Roman gearbeitet. Der Rohbau des unter Denkmalschutz stehenden Hauses an der Dalgic Gasse ist fertig. "Er weiß zu 100 Prozent, wie dieses Museum aussehen soll. Er braucht nur unsere Hilfe, es zu realisieren", erklärt Sunder-Plassmann.

In dem Buch geht es um die Geschichte einer unerfüllten Liebe im Istanbul der 1970er Jahre. Im frühen Sommer 2010, wenn Istanbul Europäische Kulturhauptstadt ist, soll es eröffnet werden. Bis dahin sind vier der 13 Sunder-Plassmann-Mitarbeiter mit den Projekt beschäftigt, hinzu kommen noch externe Spezialisten aus der Türkei.

Zu den bisherigen Bauten von Sunder-Plassmann gehören das Pommersche Landesmuseum in Greifswald, die Sammlung Scharf-Gerstenberg in Berlin oder das "Museum Kunst der Westküste" auf Föhr.

Die Gegenstände verkörpern nichts als Gefühle und Stimmungen

"Es ist das Museum von Orhan Pamuk. Wir gestalten gemeinsam die Vitrinen, die Beleuchtung und Ausstellungsstrecken, der Inhalt kommt von ihm", sagt Sunder-Plassmann. Die Aufgabe sei sehr sensibel, betont sie. "Es geht um die Präsentation. Alle kleinen Dinge müssen als Ganzes zusammenfinden." Außer Bildern sollen auch Videos und Geräusche ausgestellt werden.

Obwohl es durch das Buch so konkrete Vorgaben gibt, sei das Thema sehr vielschichtig, erzählt Sunder-Plassmann. "Wir sind erst mit herkömmlichen Museumsvorstellungen herangegangen, aber man muss Gefühle und Stimmungen verstehen und Istanbul besser kennenlernen. Der Anspruch ist besonders hoch."

Der Schriftsteller sei nach diversen Empfehlungen auf sie zugekommen, erzählt Sunder-Plassmann. "Wir haben nicht einen Augenblick gezögert. Ich kannte das Buch und hatte den Inhalt vor Augen." Dort wird das Museum als fertig beschrieben, und so soll es auch werden. Schwierigkeit: Das dreigeschossige Haus ist nur 4,50 Meter breit und 270 Quadratmeter groß. "Wir haben ein Modell gebaut, um eine Vorstellung zu bekommen." Dies habe ihr Mann gerade mit nach Istanbul genommen.

Zudem soll jedes der 83 Kapitel im Museum dargestellt werden und mit Gegenständen aus dem Buch beschrieben werden. Einige Objekte aus dem Roman sammelte Pamuk in Läden oder auf Flohmärkten. "Es ist ein Museum der Gefühle. Das ist eine große Herausforderung", erzählt Sunder-Plassmann.

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