Berlinale-Chef Dieter Kosslick spricht über das Festival-Programm 2010, die Jury unddie Präsenz des deutschen Films.

Dieter Kosslick ist seit neun Jahren Leiter der Berlinale und rückte den deutschen Film wieder in den Mittelpunkt des Festivals.
Dieter Kosslick ist seit neun Jahren Leiter der Berlinale und rückte den deutschen Film wieder in den Mittelpunkt des Festivals.

Dieter Kosslick ist seit neun Jahren Leiter der Berlinale und rückte den deutschen Film wieder in den Mittelpunkt des Festivals.

dpa

Dieter Kosslick ist seit neun Jahren Leiter der Berlinale und rückte den deutschen Film wieder in den Mittelpunkt des Festivals.

Herr Kosslick, Sie eröffnen die Berlinale mit der Liebesgeschichte "Tuan Yuan" (Getrennt zusammen) des Regisseurs Wang Quan’an. Zählt Quan’an zu den chinesischen Regisseuren, die es in ihrer Heimat schwer haben?

Dieter Kosslick: "Tuan Yuan" ist eine Liebesgeschichte mit einem hochpolitischen Hintergrund. Es geht um die Besucherregelung zwischen Taiwan und China. Und um die Liebe. Natürlich müssen solche Filme durch die Zensur. Aber Quan’ans Film ist kein Zensurfall. Wang Quan’an ist als Independentregisseur in China anerkannt.

Wie würden Sie das Festivalprogramm 2010 charakterisieren?

Kosslick: Wir haben sehr harte Filme, die die unschöne Realität zeigen. Außerdem zeigen wir echte Genre-Filme, etwa Michael Winterbottoms "The Killer Inside Me". Jackie Chan ist mit einem Martial-Arts-Film (artistische Darbietungen von Kampfkünsten, d. Red.) dabei, der das Genre auch auf die Schippe nimmt.

Worauf muss man achten, wenn man eine Berlinale-Jury zusammenstellt?

Kosslick: Man muss darauf achten, dass nicht ein "John-Malkovich"-Effekt entsteht, das heißt, dass man sieben Meisterregisseure zehn Tage lang zusammen einsperrt. Außerdem sollten es unterschiedliche Charaktere sein und die verschiedenen Filmkünste vertreten: Autoren, Schauspieler, Regisseure, Produzenten.

Es gibt den Vorwurf, dass die Berlinale-Jury Filme prämiert, die lange nicht oder überhaupt nicht ins Kino kommen.

Kosslick: Es gibt Filme, die gut gelaufen sind, Filme, die nicht so gut gelaufen sind, und Filme, die gar nicht gelaufen sind. Statistisch gesehen unterscheidet sich die Berlinale da nicht von den anderen Festivals. Übrigens ist es nicht die Funktion der Jury, den Film auszusuchen, der ein Massenpublikum bekommt.

In Berlin hat die Jury ja oft den Mut, Außenseiter-Filme zu prämieren.

Kosslick, seit 2001 Berlinale-Leiter, holte die deutschen Filmemacher wieder auf das Festival zurück, die von der Hollywood-Dominanz verdrängt worden waren. 2002 waren erstmals vier deutsche Filme im Wettbewerb.

Neun Jahre lang (von 1992 bis 2001) war Kosslick Leiter der Filmstiftung NRW in Düsseldorf.

Kosslick: Ja. Aber manchmal denke ich: So ein Glamourfilm könnte auch mal einen Preis abbekommen. Wir werden dieses Jahr große Glamourfilme im Programm haben, wie zum Beispiel Polanskis "Der Ghostwriter".

Was bedeutet es für einen Filmemacher, den Goldenen Bären zu gewinnen?

Kosslick: Für unbekannte Regisseure bedeutet der Preis oft, dass sie Unterstützung bekommen und so einen weiteren Film drehen können. Er kann aber auch politische Dimensionen haben. Nachdem die Bosnierin Jasmila Zbanic mit ihrem Film "Esmas Geheimnis" den Goldenen Bären gewonnen hatte, wurden in Bosnien Gesetze zugunsten von Vergewaltigungsopfern aus dem Jugoslawien-Krieg geändert.

Am 12. Februar wird zeitgleich auf einer Open-Air-Leinwand am Brandenburger Tor und an zwei weiteren Orten erstmals die restaurierte Originalfassung des Stummfilms "Metropolis" gezeigt, der Filmgeschichte geschrieben hat. Ist das eine Art Festakt zum 60.Berlinale-Geburtstag?

Kosslick: Am Brandenburger Tor wird es die Kunstinstallation "Vorhang auf - The Curtain!" von Christina Kim geben, als Symbol für die Magie des Kinos. Der Vorhang wird vor der Premiere von "Metropolis" aufgezogen. Das ist natürlich eine Art Festakt. Die Uraufführung ist ein Statement: Mit diesem Klassiker blicken wir zurück auf die Filmgeschichte.

Wie ist die deutsche Präsenz und die Qualität der deutschen Filme in diesem Jahr?

Kosslick: Der deutsche Film ist stark präsent. Wir haben knapp 90 deutsche Filme, und zwar in allen Festivalreihen und in allen Genres.

Ist es immer noch eine bewusste Entscheidung, dem deutschen Kino eine Plattform zu geben?

Kosslick: Nein, wir müssen da kein Statement mehr abgeben. Es gibt genügend deutsche Filme, die wir ins Programm nehmen können.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer