Die lange Fassung galt 83 Jahre als verschollen. Jetzt wird der rekonstruierte Filmuraufgeführt.

Eine Menschenmenge steht vor einem Maschinengebäude. Eine Szene aus dem Stummfilmklassiger „Metropolis“, der 1927 Premiere feierte.
Eine Menschenmenge steht vor einem Maschinengebäude. Eine Szene aus dem Stummfilmklassiger „Metropolis“, der 1927 Premiere feierte.

Eine Menschenmenge steht vor einem Maschinengebäude. Eine Szene aus dem Stummfilmklassiger „Metropolis“, der 1927 Premiere feierte.

dpa

Eine Menschenmenge steht vor einem Maschinengebäude. Eine Szene aus dem Stummfilmklassiger „Metropolis“, der 1927 Premiere feierte.

Berlin. Ein Wort reicht, um die Herzen echter Cineasten höherschlagen zu lassen: "Metropolis". Der Stummfilmklassiker von Regisseur Fritz Lang hat in vielerlei Hinsicht Maßstäbe gesetzt. Der vor 83 Jahren erstmals gezeigte Film kehrt am Freitag in einer rekonstruierten Fassung auf die Kino-Leinwand zurück, die der Ursprungsversion ziemlich nahe kommt.

Die Originalfassung hatte mehr als 80 Jahre lang niemand mehr gesehen. Bislang konnte immer nur eine in der Handlung verstümmelte, gekürzte Version rekonstruiert werden; die Ursprungsfassung galt als verschollen. Bis dann im Sommer 2008 aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires die Nachricht kam, dass dort die Direktorin des "Museo del Cine", Paula Félix-Didier, und der Filmwissenschaftler Fernando Martín Peña eine längere Version von Metropolis entdeckt hatten.

Für die Murnau-Stiftung, die sich für den Erhalt des deutschen Filmerbes, so auch für "Metropolis" einsetzt, eine echte Sensation. Es gab nur ein Problem. "Das Material war in einem grauenvollen Zustand", erinnert sich der Vorstand der Stiftung, Helmut Poßmann. Denn es handelte sich um die Kopie einer Kopie, die außerdem stark abgenutzt war.

Der Weg zur nun rekonstruierten Filmfassung war aber auch aus einem anderen Grund sehr mühselig. Der argentinische "Metropolis"-Film hatte eine andere Reihenfolge der Szenen als eine Murnau-Fassung aus dem Jahr 2001. Auf eine Original-Schnittliste konnte die Restauratorin nicht zurückgreifen. Es wurde eine echte Puzzlearbeit.

"Metropolis" hatte schon in seiner Entstehungszeit in den 1920er Jahren für große Aufmerksamkeit gesorgt. 18 Monate dauerten die Dreharbeiten, die Kulissen und Tricks erreichten bis dahin nicht gekannte Dimensionen. Aber die Kosten liefen völlig aus dem Ruder. Statt der anvisierten 1,9 Millionen Reichsmark war der Film am Ende etwa fünf Millionen Reichsmark teuer, was das Filmunternehmen an den Rande der Existenz brachte.

Denn "Metropolis", der von einer futuristische Stadt, deren Bewohner in eine reiche und eine arme Klasse aufgeteilt sind, handelt, war alles andere als ein Kassenschlager. Eine Katastrophe für die damalige Universum Film Aktiengesellschaft, kurz Ufa. Das Unternehmen reagierte und dampfte die mehr als zweieinhalbstündige Premierenfassung um fast eine halbe Stunde ein.

Das ist mit einer der Gründe, warum Szenen später endgültig verloren schienen. Zwar wurde der Science-Fiction-Film auch ins Ausland exportiert, die Verleiher nahmen aber oft selbst noch Szenen heraus. Irgendwann war keine Originalfassung mehr auffindbar.

Nach monatelanger Arbeit sind nun etwa 25 Minuten bislang fehlender Szenen wieder eingefügt, was auch den Charakter des Films verändert: das Thema Freundschaft, typisch für Regisseur Lang, tritt wieder mehr in den Vordergrund. Einige Szenen aus der Originalfassung werden aber weiterhin fehlen - bis vielleicht irgendwann noch mal eine verschollen geglaubte "Metropolis"-Version auftaucht. Red

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