Derzeit spielt sich das Leben viel am Wasser ab. Viele Städte haben sich darauf eingestellt – wie Köln auf der „Schäl Sick“. Dort wird am Montag die Freitreppe auf dem Rheinboulevard teileröffnet

Der neugestaltete Rheinboulevard in Deutz – am Montag wird die Freitreppe am Rheinufer teileröffnet.
Der neugestaltete Rheinboulevard in Deutz – am Montag wird die Freitreppe am Rheinufer teileröffnet.

Der neugestaltete Rheinboulevard in Deutz – am Montag wird die Freitreppe am Rheinufer teileröffnet.

Seit 1995 freuen sich die Düsseldorfer über die Treppe vor dem Burgplatz. Für den freien Blick auf den Strom musste zuvor die Rheinuferstraße in einen Tunnel verlegt werden.

dpa, Bild 1 von 2

Der neugestaltete Rheinboulevard in Deutz – am Montag wird die Freitreppe am Rheinufer teileröffnet.

Köln/Düsseldorf. Das Wasser glitzert und reflektiert die letzten Sonnenstrahlen. Der Himmel ist in rot-orange-farbenes Licht getaucht, auf der gegenüberliegenden Rheinseite thront der Dom in Köln. Tausende Menschen sitzen am Ufer des Stroms, plaudern, genießen das Wetter und schauen auf vorbeiziehende Container-Schiffe.

Dieses Flair kann man in Köln an lauen Sommerabenden vielerorts genießen, künftig aber noch dazu in exklusiver Lage – und dass, ohne auch nur einen Cent dafür auszugeben: Heute eröffnet Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) den ersten Abschnitt der Freitreppe auf dem Rheinboulevard.

„Früher ging der Kölner nie auf die rechte Seite, die Schäl Sick.“
Inge Schürmann, Stadtsprecherin Köln

Die Flaniermeile im Stadtteil Deutz ist eines der wichtigsten und größten Stadtentwicklungsprojekte. Sie soll die beiden Uferseiten stärker zusammenwachsen lassen. „Früher ging der Kölner nie auf die rechte Seite, die Schäl Sick“, sagt Stadtsprecherin Inge Schürmann. Das habe sich längst geändert.

Der Weg von der Altstadt zum Boulevard ist nicht weit. Wie von einem Balkon aus sollen Touristen und Einheimische von dort aus den Blick auf Altstadt, Dom und Rhein genießen – auf das nach Roters Ansicht „schönste Panorama Deutschlands“. Und weil die Kölner nicht zur Bescheidenheit neigen, vergleicht Baudezernent Franz-Josef Höing die neue Attraktion mit der Spanischen Treppe in Rom.

Über einen halben Kilometer erstreckt sich die Treppe. 10 000 Menschen können auf den hellen Betonstufen Platz finden. Medienunternehmen und der Rheinauhafen mit den Kranhäusern sind um die Ecke.

In Münster hat sich die Hafengegend am Dortmund-Ems-Kanal in den vergangenen 15 Jahren zum „Kreativkai“ entwickelt. Bürohäuser, Kunst, Kultur, Restaurants und Szeneclubs sorgen dafür, dass hier fast rund um die Uhr etwas los ist. Christian Schowe, Leiter des Münsteraner Planungsamtes, ist sicher: „An diesen Orten ist eine völlig neue Urbanität entstanden. Früher waren es unwirtliche Orte, Häfen und Umschlagplätze für Waren. Heute sind es gelungene Stadtentwicklungsprojekte.

Überall da, wo Wasser ist, kommen Menschen zusammen. Doch warum ist das eigentlich so? „Wasser hat seit jeher fasziniert“, sagt der Hamburger Freizeitforscher Ulrich Reinhardt vom Institut für Zukunftsfragen. „Es ist der Blick auf’s Weite, der einen ruhig werden lässt. Gleichzeitig passiert auch immer etwas auf dem Wasser“, erklärt der Psychologe.

Was in Köln gerade anläuft, ist in Düsseldorf indessen schon lange Realität: Nachdem 1993 die Rheinuferstraße „tiefergelegt“ und in einen Tunnel verbannt wurde, tat sich auch im oberen Bereich einiges: Der Burgplatz zwischen Rhein und Altstadt wurde neu gestaltet, seit 1995 gibt es dort eine große Freitreppe. Ob die Architekten damals schon im Sinn hatten, dass hier im Sommer Menschen verweilen und den Blick auf Fernsehturm, Landtag, Rheinkniebrücke und das gegenüberliegende schicke Oberkassel genießen würden?

Pfandsammler halten die Freitreppe frei von Scherben

Wo Bier und Limo aus Flaschen getrunken wird, sind auch Pfandsammler nicht weit. So tummeln sich hier an Sommernächten auch Dutzende und warten, bis der letzte Schluck ausgetrunken ist. Der Stadt ist das recht, so bleibt die Treppe sauber. In Köln aber hatten die erwarteten Kosten für die Reinigung des Boulevards in Höhe von 850 000 Euro schon zu heftigen Diskussionen im Rat geführt. 600 000 Euro pro Jahr sind nun dafür bewilligt.

Bonn hat keine Freitreppe zum Rhein zu bieten, aber am „Bonner Bogen“ zwischen Ramersdorf und Oberkassel hat sich jüngst ein neues In-Viertel in Ufernähe entwickelt. Ein Design-Hotel, Restaurants und Büros haben sich dort angesiedelt, wo früher eine Zementfabrik stand.

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