WZ-Reporterin Patricia Friedek fährt bei der Neujahrstour der Critical Mass in Wuppertal mit.

Die Critical Mass startet zur ersten Tour des Jahres, Treffpunkt ist das Cinemaxx. WZ-Mitarbeiterin Patricia Friedek fährt mit.
Die Critical Mass startet zur ersten Tour des Jahres, Treffpunkt ist das Cinemaxx. WZ-Mitarbeiterin Patricia Friedek fährt mit.

Die Critical Mass startet zur ersten Tour des Jahres, Treffpunkt ist das Cinemaxx. WZ-Mitarbeiterin Patricia Friedek fährt mit.

Andreas Fischer

Die Critical Mass startet zur ersten Tour des Jahres, Treffpunkt ist das Cinemaxx. WZ-Mitarbeiterin Patricia Friedek fährt mit.

Zentrum. Immer mehr Leute steigen auf ihre Fahrräder auf und beginnen, Kreise um die anderen zu ziehen, die auf dem Platz an der Kluse noch fröhlich im Gespräch sind. Das Läuten der Fahrradklingeln vor dem Schwebebahnhof Kluse wird immer lauter. Nach und nach schließen sich alle Fahrer dem Kreis an – bis einer die Initiative ergreift und losfährt. Auch ich fahre heute bei den Fahrradfahrern der „Critical Mass“ (CM) mit.

Als ich um 18.40 Uhr auf dem Platz vor dem Cinemaxx ankomme, sind etwa sechs der Fahrer da. Unter ihnen Manuela Cremer, die, genau wie ich, zum ersten Mal dabei ist. „Ich habe über Facebook von dem Termin erfahren“, sagt sie: „Ich glaube nicht, dass viele kommen.“

Doch mit der Vermutung liegt sie falsch: Bis es um 19 Uhr losgeht, tummeln sich etliche Wuppertaler mit ihren Rädern an der Kluse. Und nicht nur Wuppertaler: Auch eine Gruppe aus Köln soll dabei sein, und auch Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs aus Mönchengladbach.

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Als die ersten roten Lämpchen hinter dem Kino verschwinden, radle ich los. Einen Organisator oder eine Route gibt es nicht. Es geht an dem Parkplatz des Kinos vorbei zur Friedrich-Engels-Allee. An der ersten Ampel wird gezählt: 249 Fahrer sind es, lasse ich mir von Joachim Carlsdotter sagen. Ich staune, denn ich hätte nicht damit gerechnet, dass sich an Neujahr so viele Menschen im Dunkeln zum Radeln treffen.

Joachim Carlsdotter ist wohl einer der auffälligsten in der Critical Mass: Er fährt ein sogenanntes Tallbike, eine Art Hochrad. Es ist 1,60 Meter groß. „Ich habe es im Fahrradgeschäft anfertigen lassen, zu Werbezwecken“, sagt er. Um das Auf- und Absteigen zu erleichtern, ist ein Trittbrett an der Seite befestigt.

Am Kreisverkehr Neuenteich wird die CM wirklich „critical“

Critical Mass ist eine Bewegung von Fahrradfahrern. Den meisten Teilnehmern geht es darum, gemeinsam ihr Hobby auszuüben. Indirekt soll jedoch darauf hingewiesen werden, dass Fahrradfahrer gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind. Jeder, der möchte, kann sich anschließen. Die Touren gibt es weltweit, meist in Gebieten, in denen die Verhältnisse für Radfahrer verbesserungswürdig sind.

In Wuppertal war die erste Fahrt am 12. Mai 2012. An jedem ersten Freitag im Monat trifft sich die Bewegung um 19 Uhr vor der Schwebebahnstation Kluse/Schauspielhaus. Einen Organisator gibt es nicht – es wird sich lediglich getroffen, die Organisation passiert quasi ganz von selbst.

Wir fahren die B 7 entlang bis nach Oberbarmen. Im gemütlichen Tempo, bei etwa zehn bis 15 Kilometern pro Stunde kann selbst ich als unregelmäßige Fahrradfahrerin mithalten. Aus einigen Boxen, die auf den Gepäckträgern montiert sind, tönt Musik. Die Fahrräder, die ich zu Gesicht bekomme, sind genauso vielfältig wie die Teilnehmer. Erwachsene, Jugendliche, Kinder – nahezu alle Altersgruppen sind vertreten. Von den klassischen Mountainbikes über Klappräder bis hin zu Bakfiets (Kastenfahrräder) mit drei Rädern ist alles dabei. Ja, sogar ein Rad aus Bambusstäben fährt mit. Während der Tour springen immer wieder Teilnehmer ab oder kommen dazu.

Als plötzlich die ersten über eine rote Ampel fahren, stutze ich. Doch dann erklärt Joachim Carlsdotter: „Wenn die vorderen Fahrer über Grün gefahren sind, dürfen es alle, das ist in der StVO festgelegt.“ Auf einmal fahren alle rechts, ein Krankenwagen muss vorbei. „Normale Autos dürfen uns nicht überholen“, sagt Andreas Müller, der schon mehrmals mitgefahren ist. Beim Abbiegen stellen sich immer ein paar der Fahrer quer, um Sicherheit zu gewährleisten. Wenn wir an Passanten vorbeifahren, jubeln und pfeifen sie uns zu.

Wir fahren eine Runde über Wichlinghausen, bis wir wieder auf der B 7 sind. Am Loh fangen die Teilnehmer wieder an, laut zu klingeln: Wir fahren an einem Rotlichtblitzer vorbei. Ein tolles Gefühl, scheinbar Verbotenes zu tun und dabei nicht bestraft zu werden, weil es in der Masse eben doch erlaubt ist.

Weiter geht’s in Richtung Elberfeld, ins Luisenviertel. Am Kreisverkehr Neuenteich ist der Moment, an dem die CM wirklich „critical“ wird: Wir fahren ein paar Runden im Kreis und lassen die Autofahrer warten. Wir fahren weiter, über Sonnborn bis nach Vohwinkel. Dort geht es dann auf die Nordbahntrasse, zurück zum Mirker Bahnhof. Dort ist für mich die Tour von rund 30 Kilometern zu Ende – und ich habe das Fahrradfahren neu für mich entdeckt.

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