'Friedrich - Ein deutscher König'
Katharina Thalbach in der Rolle des «Alten Fritz» und Anna Thalbach (l) als Kronprinz und junger König nach den Dreharbeiten für den Film «Friedrich - Ein deutscher König». Foto: Nestor Bachmann

Katharina Thalbach in der Rolle des «Alten Fritz» und Anna Thalbach (l) als Kronprinz und junger König nach den Dreharbeiten für den Film «Friedrich - Ein deutscher König». Foto: Nestor Bachmann

dpa

Katharina Thalbach in der Rolle des «Alten Fritz» und Anna Thalbach (l) als Kronprinz und junger König nach den Dreharbeiten für den Film «Friedrich - Ein deutscher König». Foto: Nestor Bachmann

Potsdam (dpa) - Zum 300. Geburtstag von Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) kommt der Feldherr, Schöngeist, Dichter und Despot ins Fernsehen. Das Doku-Drama «Friedrich - Ein deutscher König» zeigt ihn in seiner ganzen Widersprüchlichkeit.

Ausgestrahlt wird der 90 Minuten lange Film - eine gemeinsame Produktion von ARD und Arte - am 7. Januar um 20.15 Uhr bei Arte und am 16. Januar um 22.45 Uhr im «Ersten». Sein Geburtstag ist der 24. Januar 1712.Den Part des berühmten Monarchen aus dem 18. Jahrhundert übernehmen die beiden Schauspielerinnen Katharina und Anna Thalbach. Mutter Katharina (57) spielt den Alten Fritz, ihre Tochter (38) zeigt ihn in seiner Jugend als Kronprinzen.

Ob sich der Frauenhasser im Grabe umdrehen würde, wenn er wüsste, dass zwei Frauen ihn darstellen, ist beiden Schauspielerinnen relativ egal. Sie habe neue Seiten an ihm entdeckt, sagt Katharina Thalbach und meint: «Er war auch ganz schön hinterfotzig.» Ihre Tochter Anna ist berührt, wie schlecht Friedrich behandelt wurde. «Er litt darunter, als Heranwachsender nicht vom Vater wahrgenommen worden zu sein», meint sie.

Für Buch und Regie des TV-Porträts zeichnen Yury Winterberg und Jan Peter verantwortlich. Die ungewöhnliche Besetzung soll die Kontraste in Friedrichs Persönlichkeit hervorheben. Johannes Unger, Leiter der rbb-Abteilung Dokumentation und Zeitgeschehen, betont, dass es keine Abrechnung mit Friedrich sein sollte. 80 Prozent der Dialoge seien original überliefert - nur zum Teil modernisiert und eingedeutscht. Friedrich sprach hauptsächlich französisch.

In aufwendig gestalteten Spielfilmszenen steht der Mensch Friedrich im Mittelpunkt. Ausgespart werden auch nicht seine homoerotischen Neigungen. Dazwischen kommen Historiker zu Wort, die das Agieren des Kronprinzen und späteren Königs mit dem Blick von heute erklären. Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, charakterisiert den Jungen, der vom cholerischen Vater fast zu Tode gequält wird, als hoch talentiert und begabt. «Aber er war auch ein schwer erziehbares Kind», gibt er zu bedenken.

In der Jugend spielt der Kronprinz Flöte, liest Gedichte oder tollt mit der Schwester herum. Er liebt das feine kultivierte französische Leben. Ganz das Gegenteil vom bulligen Vater. Nur mit Widerwillen geht er zu den berüchtigten Tabakrunden des Vaters.

Anna Thalbach porträtiert ihn als Leidenden. Die Flucht als einziger Ausweg scheitert. In einer dramatischen Szene wird die ganze Qual des 18-Jährigen gezeigt. Als er nicht wie befohlen die Hinrichtung seines Fluchthelfers Hans-Hermann von Katte sehen will, werden seine Augenlider mit Gewalt aufgerissen.

Katharina Thalbach lässt als Alter Fritz vergessen, dass unter der Garderobe eine Frau steckt - Kostüm- und Maskenbildnern sei Dank. Unter Trommelwirbel stapft sie als gestandenes Mannsbild übers Schlachtfeld. Immerhin hat der König drei Kriege geführt und Preußen in die Mitte Europas gerückt.

Berührend am Ende die Szene, als Kinder vor einem mutmaßlichen Gespenst flüchten. Doch in der Kutsche sitzt nur ein einsamer König. Am Ende plagen den Monarchen Gicht, Hämorrhoiden, Zahnausfall, lahme Knochen und triefende Augen - auch im Film leidet man mit.

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