Dieter Bohlen
RTL-Quotenbringer: Dieter Bohlen.

RTL-Quotenbringer: Dieter Bohlen.

dpa

RTL-Quotenbringer: Dieter Bohlen.

Berlin (dpa) - Zum zweiten Mal in Folge steht RTL im deutschen Fernsehen an der Spitze - die öffentlich-rechtlichen Anbieter, ARD und ZDF, schnitten im Jahr 2011 nach Marktanteilen gemessen so schlecht ab wie noch nie.

Zu den Ursachen zählt unter anderem, dass 2011 kein Sportjahr mit Olympia oder Fußball-Großereignissen war - von der Frauenfußball-WM einmal abgesehen - und die Privatsender im Showbereich, in den Tagesprogrammen und am Vorabend dominieren.

In Zahlen sieht es in der Spitzengruppe so aus: RTL verbesserte nach Messungen der GfK-Fernsehforschung in Nürnberg seinen Marktanteil von 13,6 auf 14,1 Prozent und verwies damit die ARD, die von 13,2 auf 12,4 nachgab, noch deutlicher als im Vorjahr auf Platz zwei. Auch das ZDF musste Federn lassen und fiel von 12,7 auf 12,1 Prozent Marktanteil. Relativ wenig tat sich bei der privaten Konkurrenz: Sat.1 lag zum Jahresende 2011 bei unverändert 10,1 Prozent und ProSieben bei 6,2 Prozent (6,3 Prozent).

In der ARD-Medienforschung wird das schwache Jahr mit einer gewissen Gelassenheit registriert. Es handele sich dabei lediglich um eine Verschiebung innerhalb der großen Sender, hieß es von dort. Im nächsten Jahr könne die Bilanz schon wieder anders aussehen. Die Hoffnungen von ARD und ZDF ruhen auf der Übertragung der Olympischen Spiele sowie der Fußball-Europameisterschaft im Sommer 2012. ARD-Programmdirektor Volker Herres hatte vor einem Jahr für 2012 die Rückeroberung der Marktführerschaft angekündigt, kürzlich jedoch seine Aussage relativiert, als er sagte: Er habe nur nie dementiert, wenn ihm jemand dies in den Mund gelegt habe.

RTL legte zu Jahresbeginn 2011 gleich forsch los: Das Dschungelcamp «Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!» erzielte nach einigen Jahren Pause historische Höchstquoten. Auch der Casting-Dauerbrenner «Deutschland sucht den Superstar» lief gut, ganz zu schweigen vom Tagesprogramm, das mit den sogenannten «Scripted Reality»-Formaten - Soaps, die den Anschein von Dokumentationen erwecken - überzogen ist, zum Beispiel «Familien im Brennpunkt» oder «Verdachtsfälle».

Doch dass RTL auch zu packen ist, bewies das späte zweite Halbjahr: Mit der quotenstarken, gemeinsam von Sat.1 und ProSieben produzierten Castingshow «The Voice of Germany» bliesen die Mitbewerber zur Aufholjagd. Auch das ZDF und die auf den letzten Thomas-Gottschalk-Metern ausgebrochene «Wetten, dass..?»-Euphorie zog das Interesse von RTL ab. Prompt verlor der Riese auch bei seinen Dauerbrennern wie «Das Supertalent» und «Bauer sucht Frau». Die Finalshows lagen deutlich unter ihren Vorjahreswerten.

Hinter ProSieben platzierten sich Vox mit unverändert 5,6 Prozent, Kabel eins mit 4,0 Prozent (3,9 Prozent), RTL II mit 3,6 Prozent (3,8 Prozent) und Super RTL mit unverändert 2,2 Prozent. Die dritten Programme der ARD sanken zusammengerechnet auf einen Marktanteil von 12,5 Prozent (13,0 Prozent). Die TV-Nutzung blieb auf konstant hohem Niveau: Im Durchschnitt sah jeder Zuschauer ab drei Jahren 224 Minuten fern am Tag.

Bei den jüngeren Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren, die von den Privatsendern bevorzugt angesprochen werden, fällt der RTL-Vorsprung deutlicher aus als beim Gesamtpublikum ab drei Jahren: In dieser Zielgruppe kommt der Sender auf 18,4 Prozent Marktanteil (plus 0,3 Prozentpunkte). Dahinter liegen die Konkurrenten ProSieben mit 11,7 Prozent (11,6 Prozent) und Sat.1 mit 10,6 Prozent (10,7 Prozent). Die öffentlich-rechtlichen Anbieter verloren dagegen in diesem Alterssegment noch einmal: Die ARD kam auf 6,6 Prozent (7,3 Prozent) und das ZDF auf 6,2 Prozent (6,7 Prozent).

Sie landeten damit noch hinter dem RTL-Schwestersender Vox, der auf 7,3 Prozent (7,7 Prozent) nachgab. Kabel eins erreichte 6,1 Prozent (6,2 Prozent), RTL II 5,6 Prozent (6,0 Prozent) und Super RTL 2,4 Prozent (2,3 Prozent).

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