Tatort
Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) ist voll im Einsatz. Foto: WDR/Uwe Stratmann

Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) ist voll im Einsatz. Foto: WDR/Uwe Stratmann

dpa

Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) ist voll im Einsatz. Foto: WDR/Uwe Stratmann

Köln (dpa) - Was geht in Eltern vor, deren Kind entführt wurde? Wie kommt ein ehemaliges Entführungsopfer mit seinen Erinnerungen klar? Wo ist die Grenze zwischen Polizeiarbeit und Gefährdung des Opfers?

Und überhaupt: Wie schaffen es Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), in einem einzigen «Tatort» zwei Verbrechen aufzuklären?

Regisseur Kaspar Heidelbach beleuchtet den erpresserischen Menschenraub in der 52. Auflage des Kölner Sonntagskrimis (8. Januar, 20.15 Uhr, ARD) aus verschiedensten Blickwinkeln. Dem Zuschauer kann angesichts der Dichte der Ereignisse ein wenig schwummrig werden - wie nach einem Kölsch zu viel an der Würstchenbude.

Es ist schon ein Dilemma, in dem der Schöne und der Dicke stecken. Nach allem, was sie wissen, können sie sicher sein, dass dem entführten Bauunternehmersohn Daniel Wächter nichts passiert, solange seine Entführer nur bekommen, was sie wollen: eine Million Euro. Die Eltern des 22-Jährigen haben nur im Sinn, das Leben ihres Jungen zu retten. Dazu gehört auch, die zweite Forderung der Erpresser zu erfüllen: «Keine Polizei».

Kapitalverbrechen unterm Dom finden aber selbstverständlich nie ohne Ballauf und Schenk statt. Neben der Rettung des Jungen muss es ihnen auch darum gehen, die Kidnapper zu schnappen - das gefährdet wiederum den Entführten. «Was mit Daniel passiert, ist Ihnen doch völlig egal. Ihnen geht's doch nur um Ihre Quote», poltert der verunsicherte Vater dementsprechend.

Dieser schmale Grat blieb dem Kölner «Tatort»-Kommissariat Jahre zuvor in einem ganz ähnlichen Fall unfreiwilligerweise erspart: Damals war es Bauunternehmer Elmar Schmitz-Thom, der auf offener Straße entführt wurde. Die Familie bezahlte, die Polizei erfuhr nichts, die Täter wurden nie gefasst. Schmitz-Thom kommt körperlich unverletzt frei, hat die Ereignisse psychisch aber nie verarbeitet. Der Traumatisierte ist der Einzige, der die mutmaßlichen Täter kennt und helfen könnte.

Dass Ballauf und Schenk nicht die sensibelsten aller «Tatort»-Kommissare sind, dürfte hinlänglich bekannt sein. Psychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) unterstützt die beiden deshalb in Sachen Täterprofil und Familienbetreuung. «Keine Polizei» bietet viel Handlung auf wenig Raum - der WDR wollte auf einen Ballauf-Flirt aber nicht verzichten. So ist Rosenberg dem Ermittler einschlägig bekannt.

Abends im Büro - die Psychologin will nicht allein mit Ballauf bleiben - setzt er alles auf eine Karte: «Das ist doch kein Problem. Erstens ist es Freddys Büro, zweitens ist niemand da und drittens bist Du ja gar keine Frau. Du bist ja 'ne Kollegin.» Zumindest eine Einladung zum Essen kann der Charmeur aber durchdrücken. Kurzum: Auch 2012 bleibt alles beim Alten in den Ermittlerkreisen der Domstadt.

Kaspar Heidelbach gelingt ein spannender, engmaschiger «Tatort», der vor allem von der vielfältigen Aufarbeitung des Themas Entführung lebt und zeigt, wie wenig Spielraum zwischen Opferschutz und Strafverfolgung bleibt - Verweise auf reale Fälle der vergangenen Jahre blitzen im Dickicht der Ereignisse auf. «Keine Polizei» sticht dennoch nicht aus der Masse der rheinischen Sonntagskrimis heraus und wird vermutlich schnell im Fahrwasser der zahlreichen Fälle des Ermittlerduos untergehen.

Bis zum Ende bleibt es klassisch. Statt in einem feinen Restaurant finden sich die drei Kollegen an der heiß geliebten Imbissbude wieder. Rosenberg verlässt die Szenerie - Ballauf hatte zuvor über den Gegensatz von Spaß und Ehe philosophiert. «Deine Zukunftsvisionen haben sie wohl verschreckt», frotzelt Schenk und bestellt noch schnell eine Wurst.

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