Das fünftägige Protestantentreffen in Berlin und Wittenberg gilt als einer der Höhepunkte im Jubiläumsjahr der Reformation.

Der damalige US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel am 19. Juni 2013 vor dem Brandenburger Tor. Dort werden sich die beiden am Donnerstagmorgen anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Berlin erneut treffen.
Der damalige US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel am 19. Juni 2013 vor dem Brandenburger Tor. Dort werden sich die beiden am Donnerstagmorgen anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Berlin erneut treffen.

Der damalige US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel am 19. Juni 2013 vor dem Brandenburger Tor. Dort werden sich die beiden am Donnerstagmorgen anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Berlin erneut treffen.

dpa

Der damalige US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel am 19. Juni 2013 vor dem Brandenburger Tor. Dort werden sich die beiden am Donnerstagmorgen anlässlich des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Berlin erneut treffen.

Berlin. Rund 2100 Veranstaltungen bietet der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag vom 24. bis 28. Mai. Aber zwei davon machen die politische Dimension des zweijährlichen Protestantentreffens besonders deutlich. Am kommenden Donnerstag um 11 Uhr diskutieren der frühere US-amerikanische Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor dem Brandenburger Tor in Berlin über das Thema „Engagiert Demokratie gestalten“. Zeitgleich geht es in der Sophienkirche in Berlin-Mitte um die AfD. Auf dem Podium sitzen dort Berlins evangelischer Bischof Markus Dröge, die Münchener Juristin und Publizistin Liane Bednarz – und Anette Schultner vom Bundesverband „Christen in der AfD“.

Beide Veranstaltungen sind nicht unumstritten. Obamas Besuch geht auf eine Einladung des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm im vergangenen Jahr zurück und wird einerseits als größter Coup der Veranstalter gefeiert. Gerade der allgegenwärtige Kontrast zu seinem Amtsnachfolger Donald Trump wird es Obama vor dem traditionell gesellschafts- und weltpolitisch interessierten Kirchentagspublikum leicht machen.

Andererseits sorgt der symbolträchtige Auftritt mit Merkel vor dem Brandenburger Tor im Wahljahr aber bei der christlichen Basis auch für Bauchschmerzen: Der Bundeskanzlerin werde „die größte Wahlkampfbühne aller Zeiten gebaut“, schimpfte der Bonner Kirchentagsbeauftragte Siegfried Eckert in der Zeitschrift „Publik-Forum“. Allerdings ist es seit jeher ein Markenzeichen des Kirchentags, das Gespräch mit christlich grundierten Politikern zu suchen. In Berlin reicht allein bei den morgendlichen Bibelarbeiten das Spektrum neben vielen Theologen und Künstlern von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) über Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) und den grünen Europaabgeordneten Sven Giegold bis zu Bundesinnenminister Thomas de Maiziére (CDU).

Online-Petition gegen AfD-Auftritt beim Kirchentag

Darf das Spektrum bis zur AfD gehen? Darüber ist im Vorfeld heftig diskutiert worden. Man dürfe einzelne Gruppen nicht vom Dialog ausschließen, sagte Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au. Eine Online-Petition gegen den AfD-Auftritt hat aber mittlerweile fast 1600 Unterzeichner. Das Verhältnis zwischen den beiden großen Kirchen und der AfD ist schwer belastet, seit sich evangelische und katholische Spitzenvertreter vor den Wahlen vor allem in der Flüchtlingsfrage deutlich gegen die Rechtspopulisten positioniert haben. Auf der Gegenseite gab es auf dem AfD-Parteitag in Köln den Aufruf des Vorstandsmitglieds Paul Hampel zum Kirchenaustritt.

Neben der Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung der Christen steht unter dem Motto „Du siehst mich“ vor allem das Reformationsjubiläum im Zentrum des Kirchentags. Er fällt 500 Jahre nach Martin Luthers Thesenveröffentlichung in Wittenberg so groß aus wie noch nie. Außer in Berlin gibt es unter dem Titel „Kirchentag auf dem Weg“ vom 25. bis 28. Mai noch zusätzliche Programme in Halle/Eisleben, Dessau-Roßlau, Leipzig, Jena/Weimar, Magdeburg und Erfurt.

Wechsel Ellen Ueberschär, seit 2006 Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, wechselt am 1. Juli in den Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. Nachfolgerin wird Julia Helmke, zuletzt Referatsleiterin im Bundespräsidialamt.

Unser Redakteur Ekkehard Rüger wird nicht nur in der Zeitung, sondern auch in seinem Kirchentagsblog „Kreuzfahrt“ und über den Kurznachrichtendienst Twitter seine Erlebnisse bei der fünftägigen Veranstaltung schildern. Seit 2009 berichtet er regelmäßig von den Kirchentagen. wz.de/kirchentag

Schon heute startet außerdem eine Festwoche in Wittenberg, die als Auftakt der Weltausstellung Reformation gedacht ist. Bis zum 10. September greift die Ausstellung in sieben Themenbereichen und 16 Themenwochen Fragen des gesellschaftlichen Miteinanders auf. Mehr als 80 Aussteller aus Kirche, Politik, Kultur, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind in Wittenberg vertreten. Die evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen (rheinische, westfälische und lippische Landeskirche) beteiligen sich mit einem Pavillon zur Barmer Theologischen Erklärung.

Krönender Abschluss des Kirchentags soll am 27. und 28. Mai das Festwochenende in Wittenberg sein – mit einer Nacht der Lichter der ökumenischen Kommunität von Taizé am Samstag und dem großen Festgottesdienst am Sonntagmorgen auf der Festwiese vor der Silhouette der Lutherstadt.

Schweigeminute für Fluchtopfer

Weit über 100 000 Dauerteilnehmer werden beim Kirchentag erwartet, davon allein gut 10 000 aus der Evangelischen Kirche im Rheinland. Präses Manfred Rekowski ist mitverantwortlich für eine Gedenkveranstaltung, die am Freitag an die mehr als 10 000 Menschen erinnert, die in den vergangenen drei Jahren auf der Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind. Freitagmittag um 12 Uhr wird es dazu in allen Kirchentagsveranstaltungen eine Schweigeminute geben.

kirchentag.de

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer