RTL hat um ihn gebuhlt, Ailton ist dem Geld gefolgt. Weil er es nach einer wahnwitzigen Fußball-Karriere braucht.

Ailton, hier für den KFC Uerdingen
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dpa

Düsseldorf. Vielleicht waren die erste Tage in Deutschland ein guter Hinweis, dass diese Karriere nicht normal laufen konnte. 1998 kam Ailton vom mexikanischen Klub UANL Tigres zu Werder Bremen. Übergewichtig, lax in der Einstellung. Und wer war sein Trainer? Der Fitnessfanatiker Felix Magath – im Rückblick ein wahrer Treppenwitz der Bundesliga-Geschichte. Das konnte nicht gut gehen, und es ging nicht gut. Magath ignorierte Ailton. „Du verstehst kein Wort, frierst dir sonstwas ab und wirst dann noch nicht einmal eingesetzt. Da kannst du als Fussballspieler lieber sterben“, hat er einst im Rückblick gesagt.

13 Jahre später zieht Ailton Goncalves da Silva ins deutsche Dschungelcamp. In den australischen Dschungel. Ab dem 13. Januar zeigt RTL das quotenträchtige TV-Format, vorwiegend mit d-prominenten Kandidaten, denen Geld oder Rampenlicht fehlt. Auf Ailton trifft beides zu, seine Schulden sollen sechsstellig sein. Und die wahnwitzige Karriere zwischen 1998 und dem Dschungel endete beim FC Oberneuland, Bremer Provinz, sechste Liga.

Am Ende blieb er nie länger als eine Saison bei einem Klub

Erst war Ailton ein ernst zu nehmender Fußballer, 2004 wurde er mit 28 Treffern deutscher Meister mit Bremen, Torschützenkönig. Der „Kugelblitz“ war schnell, schneller als die meisten Abwehrspieler, das Publikum liebte ihn. Und dann wollte er das schnelle Geld, wechselte zu Schalke 04 und startete seinen furiosen Abstieg, den allein seine Vereine dokumentieren: Besiktas Istanbul, Hamburger SV, Roter Stern Belgrad, Grashopper Zürich, MSV Duisburg, Metalurg Donezk, SCR Altach (Österreich), Campinense (Brasilien), Chongquin Lifan (China), KFC Uerdingen und der FC Oberneuland. Immer maximal eine Saison, immer nach dem gleichen Muster: Große Erwartung, noch größere Enttäuschung. Nie wieder war er der Bremer Ailton. Zuletzt, in Krefeld, taugte er nicht mal mehr recht als Werbegag eines heruntergekommenen Traditionsvereins.

Heute, mit 38, ist Ailton ein Zirkuspferd, das radebrechend Deutsch sprechend durch die Manege schlurft. Und man fragt sich permanent, ob Ailton diese Kunstfigur selbst erschaffen hat. Oder aber von findigen Beratern erschaffen wurde. Bereitwillig vorgeführt, stets nahe am Boulevard, dem er sein Privatleben feilbot, Ranch und Großfamilie, die zu ernähren der moppelige Fußballer gar nicht genug Tore schießen konnte.

Ailton prägte Sprüche, die Fußballgeschichte schrieben

Natürlich hat er viel für sein Image getan: Einmal ist er auf Schalke zum Training geritten, er fuhr dicke Autos und trug große Sonnenbrillen, paffte Zigarren nach Triumphen, veräußerte seine Torjäger-Auszeichnungen im Internet und kam zu spät aus dem Heimaturlaub zurück. Vor allem aber sprach er deutsch und konnte es doch nicht, was in Verbindung mit seiner anatomischen Konstruktion komisch bis niedlich wirkte: „Ailton Tor, alles gut.“ Und er prägte Sprüche, die im Fußball von heute keiner mehr erfindet: „In Deutschland läuft der Karneval anders als ich ihn kenne. Hier ziehen sich alle komisch an – in Brasilien immer alle aus“, hat er gesagt. Es wird unterhaltsam mit Ailton. Wahrscheinlich wieder auf seine Kosten. Aber das ist jetzt auch egal.

Neben Ailton gehen neun weitere Teilnehmer in den RTL-Dschungel. Mit dabei sind Casting-Sänger Martin Kesici, Schauspieler Karsten Speck, Deutschland sucht den Superstar (DSDS)-Sänger Daniel Lopes, Mentalist Vincent Raven und der ehemalige Momo-Kinderstar Radost Bokel.

Micaela Schäfer ging bei Germany’s Next Topmodel ins Rennen und Kim Debkowski bei DSDS. Rocco Stark ist der Sohn von Uwe Ochsenknecht, „Jazzy“ rappte für „Tic Tac Toe“ und Moderatorin Ramona Leiß führte durch die „Knoff-Hoff-Show“.

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