Mehr Hilfssysteme als heute machen das Autofahren sicherer – zum Beispiel am Ende von Staus.

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Im Fahrsimulator werden neue Assistenzsysteme erprobt, bevor sie zum Test auf die Straße gehen. (DLR)

Im Fahrsimulator werden neue Assistenzsysteme erprobt, bevor sie zum Test auf die Straße gehen. (DLR)

DLR, Bild 1 von 2

Im Fahrsimulator werden neue Assistenzsysteme erprobt, bevor sie zum Test auf die Straße gehen. (DLR)

Düsseldorf. Geheimagent James Bond überflog mit seinen Autos Hindernisse. Im Kino. In den USA gewann 2005 ein VW Touareg der Universität Stanford ein Rennen über 220 Kilometer, gesteuert nur von Hochleistungs-Prozessoren. Abseits aller Pisten, in der Wüste von Arizona.

Auf deutschen Straßen, wo sich derzeit 42,9 Millionen Fahrzeuge auf einem überörtlichen Netz von 231 000 Kilometern bewegen, wird auch im Jahre 2025 nicht geflogen und der Mensch hinterm Lenkrad nicht unentbehrlich. Der Dreh- und Angelpunkt im Cockpit wird das zum Taschen-Computer aufgerüstete Smartphone sein.

Eine „automatische Notbremse“ arbeitet gegen Auffahrunfälle

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Im Fahrsimulator werden neue Assistenzsysteme erprobt, bevor sie zum Test auf die Straße gehen. (DLR)

Im Fahrsimulator werden neue Assistenzsysteme erprobt, bevor sie zum Test auf die Straße gehen. (DLR)

Imago, Bild 1 von 2

Professor Dr. Karsten Lemmer (47) leitet in Braunschweig das Institut für Verkehrssystemtechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Er weiß: „Zu 85 Prozent liegen die Ursachen für Verkehrsunfälle beim Menschen. Der ist oft durch eine Vielzahl von komplexen Handlungen überfordert. Das Angebot der Assistenzsysteme im Auto wird wachsen und den Straßenverkehr sicherer machen.“

Standard ist längst das Anti-Blockiersystem ABS. Das zumindest in höherpreisigen Fahrzeugen angebotene Elektronische Stabilitäts-Programm ESP hält Lemmer für die derzeit preiswerteste Lebensversicherung: „ESP hält das Fahrzeug in der Spur und kann 80 Prozent der tödlichen Schleuderunfälle verhindern.“

In der automobilen Oberklasse wird in Kürze eine „automatische Notbremse“ angeboten – gegen den Auffahr-Unfall am Ende eines Staus. Und dann ist es nicht mehr weit zum Hilfssystem, das den Wagen selbstständig auf den Randstreifen steuert, wenn zum Beispiel der Fahrer ohnmächtig ist. Oder das elektronische Helferlein, das den Pkw selbstständig ins Parkhaus manövriert und per Telefon wieder herbeizaubert.

Infos werden von Fahrzeug zu Fahrzeug ausgetauscht

03.03. So wohnen wir
05.03. Deutschland wird alt
06.03. Autos der Zukunft
07.03. Zukunftsforschung
08.03. Kampf gegen Kriminalität
09.03. Freizeitgestaltung
10.03. Mode der Zukunft
12.03. Arztbesuche
13.03. Medienkonsum
14.03. Bildung und Lernen
15.03. Kultur
16.03. Stadtentwicklung
17.03. Ernährung
19.03. Arbeit und Jobs
20.03. Reisen ins All
21.03. Wohnmodelle
22.03. Bezahlen ohne Geld
23.03. Woran wir glauben
24.03. Freundschaften
26.03. Medizin und Technik
27.03. Wirtschaft und Energie
28.03. Wie wir uns informieren
29.03. So werden wir regiert
30.03. Grenzen des Internets
31.03. Zukunft in der Literatur

Lemmers Zukunftsvision ist die von einem „Autobewusstsein“. Des Deutschen liebstes Kind soll geleitet werden von der Grundidee: Ich, das Auto, möchte keinen Unfall haben. Dazu gehört ein Zusammenspiel vieler Sensoren und daran hängender Hilfssysteme. Vor allem aber ein Austausch der Informationen von Fahrzeug zu Fahrzeug. Karsten Lemmer: „Wenn mehrere Fahrzeuge in beiden Fahrtrichtungen Beobachtungen austauschen, entsteht ein vorausschauendes Verkehrsbild.“

Was auf diese Weise in Sekundenschnelle weitergegeben werden kann, sind Hinweise etwa auf Unfälle, Staus, Nebel oder Glatteis. Verkehrs-Experte Lemmer: „Wichtig sind eine präzise Ortung und ein guter Sender. Der Rechenaufwand ist überschaubar.“

Navigationsgeräte sind schon heute aktueller als das Radio

Der Fachbegriff heißt „Fahrzeug-Infrastruktur-Kommunikation“ und ist alles andere als Zukunftsmusik. In Berlin liefern bereits 4000 Taxis „Floating Car Data“ genannte Positions-Informationen. Die geben ein aktuelles Bild der Stau-Lage ab. In Echtzeit und nicht, wie im Verkehrsfunk, mit Verzögerung. Karsten Lemmer: „Schon heute sind viele Navigationsgeräte aktueller als das Radio.“

Wie werden denn nun die Fahrzeuge 2025 aussehen? Ganz anders als heute, ohne Lenkrad und Pedale? Professor Lemmer: „Die Grundelemente des Fahrzeugs haben eine hohe Zukunftschance. Das Lenkrad ist ideal, um den Wunsch des Fahrers auszuführen und bietet zudem noch eine nicht zu unterschätzende Stützfunktion. Auch die Fußbremse ist effektiv und leicht erlernbar.“

„Der Verbrennungsmotor ist noch nicht am Ende“

Der Antrieb der Zukunft? „Alternative Antriebe haben Potenzial, wenn sie von der Energie-Erzeugung bis zum Nutzer durchdacht sind. Aber ich glaube, auch der Verbrennungsmotor ist noch nicht am Ende.“

Fahrer kann sich entscheiden, wann er die Kontrolle abgibt

Und der Autofahrer im Jahr 2025? Keine Sorge – er wird nicht zum tatenlosen Beifahrer im fließenden Straßenverkehr. Aber so selbstverständlich, wie er heute den Tempomaten einschaltet, wird er in nächster Zukunft eine Vielzahl neuer Hilfssysteme zur Verfügung haben. Verkehrsingenieur Lemmer: „Er wird sich während der Fahrt entscheiden können, wann er dem System Auto die Kontrolle überlässt und wann er die Kontrolle wieder zurückholt. Aber in jedem Falle bleibt er der Fahrer.“

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