Die amerikanische Fluggesellschaft Pan Am steht im Mittelpunkt einer neuen US-Serie. Foto: UPI
Die amerikanische Fluggesellschaft Pan Am steht im Mittelpunkt einer neuen US-Serie. Foto: UPI

Die amerikanische Fluggesellschaft Pan Am steht im Mittelpunkt einer neuen US-Serie. Foto: UPI

dpa

Die amerikanische Fluggesellschaft Pan Am steht im Mittelpunkt einer neuen US-Serie. Foto: UPI

New York (dpa) - In New York sind die Flugzeuge noch aus Holz. Zumindest das eine in einem dunklen Hangar in Brooklyn ist grob gesägt und von außen nur aus Spanplatten. Aber innen ist alles hell und sauber und ordentlich, ganz wie die frühen 60er Jahre - zumindest aus Sicht von «Pan Am».

Die neue US-Serie, die in diesem Jahr auch in Deutschland anlaufen soll, präsentiert ein pastellfarbenes Bild der Kennedy-Ära. Und zugleich zeigt sie, wie die Amerikaner den Rest der Welt, auch Deutschland, sehen.

«Die Ära war einfach faszinierend, weil sich so viel ereignet und verändert hat», sagt Christina Ricci. Die 31-Jährige, die 1991 als Tochter der «Addams Family» bekannt wurde, ist die einzige Prominente unter den sechs Darstellern. Sie spielt eine von vier Stewardessen, die stets perfekt gekleidet und frisiert um die Welt fliegen. Die Chefs, die Piloten, sind durchweg Männer. «Es ist bei allem Glitzer auch wichtig, die Wahrheit zu zeigen», sagt Ricci. «Die Stewardessen waren klug, sprachen mehrere Sprachen und hatten eine umfassende Ausbildung - aber ganz ernst genommen wurden sie eben doch nicht.»

«Pan Am» ist ein Sittengemälde der 60er Jahre, ganz wie «Mad Men». Die Serie um eine Werbeagentur ist in den USA seit vier Jahren ein enormer Erfolg und hat in diesem Herbst gleich zwei Nachahmer gefunden: «Pan Am» bei ABC und den «Playboy Club» bei NBC - der wegen schwacher Quoten nach ein paar Folgen aber schließen musste. Auch die «Pan Am»-Quoten sind im Sinkflug, von gut elf sind nur noch 4,6 Millionen Zuschauer übrig. Gerüchte um die Absetzung gibt es immer wieder, über eine Fortsetzung soll erst nach der Ausstrahlung der bislang geplanten 14 Episoden entschieden werden - vermutlich im Frühjahr.

Und deshalb hofft Margot Robbie, dass die Serie noch einmal die Mode der Ära wiederbelebt. «Diese Eleganz war doch unglaublich», sagt die Australierin. Die 21-Jährige selbst wirkt in den aparten Kostümen fast unwirklich schön. Die elegante Form hat aber ihren Preis, erzählt Kollegin Kelli Garner: «Zuerst war der Hüftgürtel ja ganz interessant und sogar sexy. Aber nach der ersten Stunde war es nur eine Qual. Zwölf Stunden Qual am Tag.»

Mike Vogel spielt, passend zu seinem Hobby und dem Namen seiner Mainzer Vorfahren, den Piloten des Pan-Am-Clippers und nennt sich selbst einen «Geschichtsfan in einer geschichtsvergessenen Generation»: «Denken Sie an Kennedy! Nehmen Sie die Begeisterung aus Obamas Anfangszeit und multiplizieren Sie sie mit 100 - das war Kennedy!» In den Sechzigern habe der Kessel schon «ganz ordentlich gewackelt». «Was dann kam, füllt ganze Kapitel in Geschichtsbüchern.»

Kennedy ist die Deutschland-Folge gewidmet. Denn jede Episode führt in ein anderes Land, nach Paris oder London, Rio de Janeiro oder Jakarta. So ganz korrekt ist das Bild der 60er aber nicht: Auf der Weltkarte im Pan-Am-Büro ist Deutschland schon vereinigt, die Sowjetunion und Jugoslawien hingegen sind schon zerfallen. Eine deutsche Fahne hängt in Berlin verkehrt herum und die Berliner Flughäfen sind voller Lufthansa-Maschinen - obwohl die bis 1990 gar nicht Berlin anfliegen durften. Und eine Stewardess flieht am Rande des Kennedy-Besuchs vor der Stasi - in West-Berlin!

«Das ist kein Geschichtsunterricht, es ist eine Fernsehserie», sagt Ricci. «Aber sie gestattet einen Blick auf die Zeit, die gar nicht so lange her ist.» Das findet auch Karine Vanasse, eine der Stewardessen. «Die Welt scheint erstmal toll: Man ist chic gekleidet, verdient Geld, sieht die Welt - ist als Frau aber doch nur Mensch zweiter Klasse.» Die Kanadierin spielt eine Französin mit Abneigungen gegen die Deutschen - der Zweite Weltkrieg war schließlich erst so lange her wie heute der Amtsantritt von Bill Clinton oder die Einführung der fünfstellige Postleitzahlen in Deutschland.

In der Berlin-Folge stimmt Vanasse mitten auf einem Empfang laut das Deutschlandlied an - die erste, nicht die dritte Strophe. «Das zeigt ja nur die Zerrissenheit der Figur», sagt die 27-Jährige. Immerhin sei ihr letzter Satz «Und ich hasse sie trotzdem» in «Und ich kann ihnen doch nicht verzeihen» geändert worden. «Ich sehe Deutschland als modernes, demokratisches Land», sagt die Kanadierin. «Aber war es kurz nach dem Krieg auch so?» Sie sei Dutzende Male auf diese Szene angesprochen worden und sie werde im Internet hundertfach diskutiert. «Eine solche Diskussion anzustiften», sagt Vanasse, «das ist doch schon eine ganze Menge für eine Fernsehserie».

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