Zeitumstellung in der Nacht zum Ostersonntag
In der Nacht zum Ostersonntag beginnt die Sommerzeit, die Uhren werden eine Stunde vorgestellt - statt 2.00 ist es 3.00 Uhr. Foto: Andreas Gebert dpa/lby

In der Nacht zum Ostersonntag beginnt die Sommerzeit, die Uhren werden eine Stunde vorgestellt - statt 2.00 ist es 3.00 Uhr. Foto: Andreas Gebert dpa/lby

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In der Nacht zum Ostersonntag beginnt die Sommerzeit, die Uhren werden eine Stunde vorgestellt - statt 2.00 ist es 3.00 Uhr. Foto: Andreas Gebert dpa/lby

Berlin (dpa) - Schlechter Schlaf und Mini-Jetlag: Wenn die Uhren kommenden Sonntag auf die Sommerzeit umgestellt werden, haben viele Menschen Probleme. Aber auch sonst hat manch einer im Alltag mit der Zeit - und den Uhren - zu kämpfen.

Die Suche nach den Schoko-Eiern könnte in diesem Jahr etwas schwieriger werden. In der Nacht zum Ostersonntag beginnt die Sommerzeit, die Uhren werden nachts eine Stunde vorgestellt - statt 2.00 ist es 3.00 Uhr. Viele Menschen verspüren deshalb eine Art Mini-Jetlag, schlafen schlecht und sind morgens nicht fit. Die Mehrheit benötige zwei Tage, um sich an die Sommerzeit zu gewöhnen, sagt Schlafforscher Jürgen Zulley. Wer also noch im Mai bunte Eier hinterm Schrank findet, gehört vielleicht zu der großen Gruppe der Unausgeschlafenen. Die «verlorene» Stunde ist für einige Menschen zusätzlich ein Grund zum Ärgern - kann aber auch ein Anlass sein, sich Gedanken über die Zeit zu machen.

Innere Uhr: Neben den Uhren an Handgelenken, Türmen und Wänden gibt es auch die innere Uhr. Zeitforscher Karlheinz Geißler spricht von menschlicher Zeitnatur, Schlafforscher Zulley nennt sie auch den biologischen Rhythmus. «Der Mensch unterliegt wie alle Lebewesen dem Rhythmus der inneren Uhr», sagt Zulley. Diese sei sehr robust, ignoriere kurzfristige Änderungen und helfe den Menschen bei Störungen, wieder in den Alltag zurückzukehren - etwa wenn man eine Nacht durchmache. Die innere Uhr hängt mit dem Tag-Nacht-Rhythmus zusammen. Der Münchener Chronobiologe Till Roenneberg sagt, dass die innere Uhr von Blinden, die kein Tageslicht wahrnehmen können, einen 25-Stunden-Rhythmus habe.

Sozialer Jetlag: 80 Prozent der Menschen bräuchten Wecker, um rechtzeitig zur Arbeit zu gelangen, sagt Roenneberg. «Jeder, der mit einem Wecker aufwacht, hat ein Schlafdefizit.» An freien Tagen schlummere man dagegen gerne länger. Die innere Uhr befinde sich in einer anderen «Zeitzone» als die äußeren Uhren, die zum Beispiel den Arbeitsbeginn regeln - Roenneberg nennt dies den sozialen Jetlag.

Sommerzeit: Wenn beim Wechsel auf die Sommerzeit die Zeiger eine Stunde vorgestellt werden, müssen die Menschen laut Experte Roenneberg mit einem zusätzlichen sozialen Jetlag kämpfen. Das habe gesundheitliche Folgen: Die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen steige. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle erhöht sich nach der Zeitumstellung.

Gefühlte Zeit: Menschen erleben Zeit als etwas sehr Individuelles. Der Zug mit der Liebsten kommt in einer Viertelstunde am Bahnhof an - der Verehrer aber schaut jede Minute gequält auf die Uhr. Ein schöner Sommerurlaub scheint dagegen nur so zu verfliegen, auch wenn er zwei Wochen dauert. «Wenn ich nichts zu tun habe, kommt mir die Zeit extrem lang vor», erklärt Zulley. Zudem spielten Gefühle eine Rolle: Warten erscheine sinnlos.

Geschenkte Zeit: Wer warten muss, ärgert sich oft - könnte sich aber auch über die geschenkte Zeit freuen. Wie sich Menschen beim Warten verhalten, ist Zeitforscher Geißler zufolge kulturell geprägt. Deutsche etwa schauten auf einem Flughafen in kurzen Abständen wiederholt auf die Uhr. Menschen aus südlichen Ländern dagegen nähmen häufiger Kontakt zu anderen Wartenden auf oder schauten sich neugierig um.

Zum Umdenken: Über Stress, Burn-out und die Sehnsucht nach mehr Muße und Zeit wird viel diskutiert. Geißler, der auch Zeitberatung für Unternehmen anbietet, plädiert für Pausen im Job und bezeichnet die Gleitzeit als Fortschritt. Diese empfiehlt er auch für Schulen. «Ein Schulbeginn um 9.00 Uhr wäre für 16-Jährige leistungsfördernd.» Damit die Menschen näher an ihrer inneren Uhr sein können, fordert Roenneberg flexiblere Arbeitszeiten - es habe sich gezeigt, dass zum Beispiel Frühaufsteher, die Nachtschichten haben, ein um das Dreifache erhöhtes Brustkrebsrisiko hätten. Es gibt Menschen, die ohne Uhren leben - und auch solche, die sich bewusst der Sommerzeit entziehen: «Ich kenne Menschen, die aus Protest ihre Uhren nicht umstellen», sagt Zulley.

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