Designer Lars Contzen
Designer Lars Contzen ist nicht nur ein erfolgreicher Tapetendesigner, er entwirft auch Tische, Bänke und Hocker. (Foto: Frank Rumpenhorst)

Designer Lars Contzen ist nicht nur ein erfolgreicher Tapetendesigner, er entwirft auch Tische, Bänke und Hocker. (Foto: Frank Rumpenhorst)

dpa

Designer Lars Contzen ist nicht nur ein erfolgreicher Tapetendesigner, er entwirft auch Tische, Bänke und Hocker. (Foto: Frank Rumpenhorst)

Hanau (dpa) - Lars Contzen gehört zu den erfolgreichsten deutschen Tapetendesignern. Mehr als 20 Millionen Quadratmeter wurden weltweit verkauft. Mittlerweile gibt es sein Design auch auf anderen Produkten, im Frühjahr kommt seine Handtaschen-Kollektion raus.

Die Tische und Bänke stehen verwaist an dem Lokal mitten im verkehrsberuhigten Ortskern von Großauheim. Gegenüber ragt die Kirchturmspitze in den wintertrüben Himmel, ein Radler fährt langsam an den alten schmalen Häusern vorbei. «Von der Straße aus sieht man uns nicht so gut», hatte Lars Contzen, einer der erfolgreichsten deutschen Tapetendesigner, den Weg in seinen «Showroom» in dem Hanauer Stadtteil beschrieben. Ein erster Hinweis auf seine Designerwelt sind die knallrot gestrichenen Stufen im grauen Hof des Lokals.

Hinter der Eingangstür bleibt der «Wow-Effekt» nicht aus. Der 250 Quadratmeter große Saal mit den hohen Wänden ist Design pur. Mit grafischen oder floralen Mustern bedruckte Tische, Bänke und Hocker stehen dort, die Farben sind mal grell, mal dezent. Auf dem Boden liegen große flauschige Teppiche, an den Wänden sind modern bedruckte Glasscheiben befestigt. Denn Contzen designt nicht nur Tapeten, sondern unter anderem auch Objektmöbel, Glastüren und Teppiche. Sein Traum: ein Fertighaus à la Contzen. Zuvor kommt aber erstmal im Frühjahr seine erste Handtaschen-Kollektion auf den Markt.

«Bei mir zu Hause sieht es eigentlich so aus wie hier. Ich gestalte viele Produkte so, wie ich sie selbst haben möchte», erzählt der Designer, der nach eigener Auskunft «nie so richtig aus Hanau weggekommen ist». Aufgewachsen ist er im nahe gelegenen Nidderau, in Mainz hat er Kunst studiert. Mit Ende 20 machte er sich langsam auf den Weg in Richtung Design. Er heimste die ersten Aufträge des Oberflächen-Herstellers Resopal im südhessischen Groß-Umstadt ein, mit dem er heute noch zusammenarbeitet. «Damals sahen die Oberflächen wie Holz oder Stein aus. Grafische Muster oder Retro-Designs gab es vor meiner Zeit nicht», erinnert sich der Mann mit der Hornbrille und dem gepflegten Vollbart.

Vor vier Jahren folgte die Zusammenarbeit mit dem weltweit tätigen Tapetenhersteller A.S.Création im nordrhein-westfälischen Gummersbach, von Anfang an ging es rasant nach oben. Geplant war eine Kreation für drei Jahre. Doch das hippe Design wie etwa eine schwarze Pusteblume auf weißem Hintergrund begeisterte die Tapetenkäufer, mittlerweile gibt es sechs Contzen-Kreationen. Über 20 Millionen Quadratmeter dieser Tapeten wurden weltweit verkauft, in Deutschland kostet der Quadratmeter zwischen drei und vier Euro. Der Nischenmarkt der Tapeten mit extremen Designs gehört nach eigener Auskunft Contzen.

Im Ausland mögen vor allem die Südländer und Russen das ausgefallene Design, in den USA kommen die eigenwilligen Kreationen aus Großauheim nicht so gut an. «Dort geht es eher rüschig-plüschig zu», erklärt Contzen, der vom Deutschen Tapeten-Institut in Düsseldorf gelobt wird. «Er hat dazu beigetragen, dass die Tapete ein modernes Image hat. Sie wird wieder als Designelement angesehen», meint der Geschäftsführer Karsten Brandt.

Der Erfolg hat seine Tücken, mittlerweile kämpft der 41-Jährige mit der Hilfe von Anwälten gegen die Hersteller von Plagiaten. Da sei er rigoros, sagt Contzen, der ein Fan von geregelten Tagesabläufen ist. Viel unterwegs ist er nicht, morgens zwischen sieben und acht Uhr setzt sich der Frühaufsteher an seinen aufgeräumten Schreibtisch im «Showroom» mit Blick auf den Main. Gesellschaft bekommt er später von seinem einzigen Mitarbeiter Joerg Obenauer, einem Designer. Nach acht bis zehn Stunden ist sein Arbeitstag zu Ende, seine stete Suche nach Motiven läuft im Hinterkopf weiter. «Ich bin niemand, der morgens um vier Uhr die besten Ideen hat», sagt er. Und wenn doch, dann schreibt er sie schnell auf und legt sich wieder schlafen.

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