Frau im Pelzmantel: Echte Felle sind umstritten, aber immer noch ein Milliardengeschäft. Foto: Andreas Gebert
Frau im Pelzmantel: Echte Felle sind umstritten, aber immer noch ein Milliardengeschäft. Foto: Andreas Gebert

Frau im Pelzmantel: Echte Felle sind umstritten, aber immer noch ein Milliardengeschäft. Foto: Andreas Gebert

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Frau im Pelzmantel: Echte Felle sind umstritten, aber immer noch ein Milliardengeschäft. Foto: Andreas Gebert

München (dpa) - Kaum eine Mode ist so umstritten wie echter Pelz. Frauen in teuren Nerzmänteln sind nur noch selten zu sehen, das Image der Branche ist bescheiden. Doch weltweit wächst der Markt und auch deutsche Firmen wollen gerne eine Stück vom Kuchen.

Pelze sind ein Milliardengeschäft. Vor allem in Asien wächst mit dem Wohlstand die Lust auf das Fell edler Tiere - auch wenn viele Berühmtheiten versichern, lieber nackt zu sein, als Pelz zu tragen. Gerade in China boomt der Markt. Hierzulande hält sich die Branche nach einem Dämpfer in der jüngsten Wirtschaftskrise einigermaßen stabil und legte in den vergangenen Jahren sogar zu. Das liegt an den steigenden Preisen, aber auch an einem Wandel bei den Produkten, die Kürschner und Boutiquen hierzulande inzwischen bieten. Die Branche machte 2011 einen Umsatz von gut einer Milliarde Euro.

Während die Betriebe gerade in der Wirtschaftswunderzeit der 50er und 60er Jahren glänzende Geschäfte mit Mänteln aus Zobel, Nerz oder Silberfuchs machten, haben teils heftigen Proteste von Tierschützern in den 80er und 90er Jahren die klassische Pelzmode aus dem Alltag fast verdrängt. Doch die große Aufregung sei vorbei. Seit zehn Jahren habe sich die Lage gedreht. «Seither kommen viele Kunden in die Läden, die sagen, "Man darf ja wieder Pelz kaufen"», sagt Susanne Kolb-Wachtel vom Deutschen Pelz Institut, dem Lobbyverband der Branche, der unter anderem die noch existierenden gut 750 Kürschnerbetriebe betreut.

Pelz sei wieder salonfähig. «Pelz in der Mode kann auch nur ein schöner Kragen sein.» Hochwertige Pelze wie Nerz lasse sich zudem mit günstigeren wie Bisam kombinieren. Auch lasse sich Pelz färben und modisch vielseitig verwenden. Der klassische Nerzmantel sei selten geworden. «Die 50er und 60er Jahre sind eben lange vorbei.» Auch Hüte, Bommel, Schals oder andere pelzbesetzte Accessoires fänden ihre Käufer - Tendenz steigend. Tierschützer erfüllt das mit Sorge. Die Pelzbranche versuche durch die Hintertür, den eigentlich beim Verbraucher verpönten Pelz wieder zu etablieren, sagt Henriette Mackensen, Tierärztin beim Deutschen Tierschutzbund in München.

«Wir beobachten das mit einigen Bauchschmerzen.» Viele Kunden, die nie einen Pelz kaufen würden, machten sich gar nicht klar, dass auch die schicke Mütze für den Winter aus echtem Pelz sein könne. «Da sind die Verbraucher manchmal leider ein wenig naiv.» Insgesamt gehe der Trend in Europa aber nicht zum Pelz zurück, sondern weiter davon weg. Gesetze würden strenger. Pelztierzucht gebe es nur noch in wenigen Ländern, vor allem in Finnland oder Dänemark. In Deutschland existierten gerade noch ein gutes Dutzend Pelztierfarmen, sagt Mackensen. Der Protest habe Wirkung gezeigt.

Diese Kritik von Tierschützern habe man schon vor Jahren nicht nur ernst genommen, sondern auch die Ursachen abgestellt, sagt hingegen Kolb-Wachtel. Der weltweite Branchenverband International Fur Trade Federation (IFTF) habe Standards gesetzt, auf die Felle gefährdeter Tierarten werde verzichtet und bei der Haltung anderer Pelztiere auf hohe Maßstäbe geachtet. Unabhängige Überprüfungen und Zertifikate sollen das System absichern. Tierschützer überzeugt das nicht. Lediglich die Herkunft lasse sich nachprüfen und die Tatsache, dass es in dem jeweiligen Land vielleicht ein Tierschutzgesetz gebe. Wie die Haltung aber in Wirklichkeit aussehe, werde nicht überprüft.

Große Modeketten schrecken vor dem möglichen Imageverlust durch den Pelzverkauf ohnehin seit längerem zurück und haben die Ware ganz aus dem Sortiment genommen. Weltweit sieht das Bild laut IFTF anders aus. 2011 wuchs der weltweite Pelzhandel um 7 Prozent auf 15 Milliarden US-Dollar, knapp ein Drittel davon wurde in der EU erwirtschaftet. Der Wachstumstreiber ist Asien und selbst die IFTF findet die Zahlen bemerkenswert. «Ich bin überzeugt, dass wir sogar stärkeres Wachstum im nächsten Jahr erwarten können», teilte IFTF-Chef Marc Oaten jüngst mit. Vor allem weil die Preise, die auf Auktionen mittlerweile für Pelze gezahlt werden müssen, steigen.

Genau das macht den deutschen Firmen das Leben zunehmend schwer. «Die Chinesen kaufen fast alle Felle auf», sagt Kolb-Wachtel. Das treibt die Preise auch im Handel nach oben. Auch das verändere die Produkte. Bei vielen internationalen Modedesignern ist Pelz zudem weiter beliebt. Zuletzt präsentierte etwa Prada in Mailand neueste Trends - ungeachtet lautstarker Proteste. «Pelz bleibt weiterhin das Hauptthema auf den Laufstegen in New York, Mailand und London», heißt es bei der IFTF. Tierschützer kritisieren das, in Asien sind sie aber weitgehend machtlos. Dort, sagt Mackensen, herrsche vor allem die Hoffnung, dass sich wie nach dem Boom der 50er Jahre in Europa, auch eine Protestbewegung gegen Pelze bilden wird.

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