Versace-Show in Mailand
Ganze Kerle: Donatella Versace schickte Männer im Biker-Look auf den Catwalk. Foto: Mourad Balti Touati

Ganze Kerle: Donatella Versace schickte Männer im Biker-Look auf den Catwalk. Foto: Mourad Balti Touati

Dunkle Töne dominieren: In Mailand zeigten die Designer, was Mann im kommenden Herbst und Winter trägt - im Bild die Show von Prada. Foto: Matteo Bazzi

Bei Ermenegildo Zegna gab es Klassisches modern interpretiert. Foto: Matteo Bazzi

Dolce & Gabbana versetzten die Models modetechnisch zurück ins Mittelalter. Foto: Daniel Dal Zennaro

Dolce & Gabbana zeigten Entwürfe mit Druckmotiven einstiger Herrscher und klerikalen Ornamenten. Foto: Daniel Dal Zennaro

Sportlich-schick ging es bei der Gucci-Schau zu. Foto: Matteo Bazzi

Ton in Ton: Die Männer bei Calvin Klein tragen Camelfarben. Foto: Daniel Dal Zennaro

Prada panzert den Mann: Mit Westen, die an die Schutzkleidung der Polizei erinnern. Foto: Matteo Bazzi

Wenn es nach Gucci geht, darf Mann ruhig auch mit Handtasche daherkommen. Foto: Matteo Bazzi

dpa, Bild 1 von 9

Ganze Kerle: Donatella Versace schickte Männer im Biker-Look auf den Catwalk. Foto: Mourad Balti Touati

Berlin, Mailand (dpa) - Während der Winter in Deutschland langsam Fahrt aufnimmt, sind Mailands Designer schon beim nächsten. Vier Tage lang präsentierten sie ihre neuesten Kollektionen - und machten deutlich: Der Mann hat viele Facetten.

Männer sind Kämpfer und Schöngeister, Ästheten und Proleten, Stadtmenschen und Naturburschen. Die Defilees der Milano Moda Uomo (11. bis 14. Januar) will im Herbst/Winter 2014/15 jedem Typ Mann den passenden Look anbieten. Doch so unterschiedlich die Charaktere sein mögen, in den Schlüsselelementen einen sich die Kollektionen dann doch: dunkle Farben, weite Formen, viele Stoffschichten.

Die Zeiten, als solche Ereignisse nur einem selektiv ausgewählten Fachpublikum zugänglich waren, sind vorbei. Fast alle Shows kann man heute per «Live-Stream» im Internet verfolgen. Und oft ist der Blick auf die Mode dabei ein besserer, als wenn man im Saal in einer der hinteren Reihen sitzt.

So fällt am Bildschirm viel eher auf, dass die Weste beim dreiteiligen Anzug von Ermenegildo Zegna diagonal geschlossen wird. Oder dass auf Ärmel und Rücken der langen Kaschmir-Strickjacke eine gezackte Zierborte verläuft. Mit solchen subtilen Eingriffen in die Klassik modernisiert Stefano Pilati seit zwei Saisons die Handschrift des italienischen Traditionslabels.

Auch Prada schafft es, der Eleganz eine zeitgemäße Ausrichtung zu geben. Statt Krawatte ließ Miuccia Prada die Models einen schmalen, seitlich herabfallenden Schal tragen. Sie mixt in ihren Anzug-Kombinationen oft mehrere Farben, was aber nie überladen und stets männlich wirkt. Das war Pelz zumindest in Urzeiten, doch bei Prada trägt ihn nun auch der moderne Mann. Vor allem aber panzert er sich mit einer Weste, die an die Schutzkleidung von Militär oder Polizei erinnert.

Den Gefahren trotzen - dieses Anliegen lässt sich in vielen Kollektionen erkennen. Italo Zucchelli etwa, der für das Label Calvin Klein entwirft, verpackte den Oberkörper gleich in mehrere wattierte Schichten. Dazu ließ er weite, fließend fallende Hosen anziehen und schuf damit eine sehr futuristische Silhouette.

Genau in die andere Richtung auf der Zeitschiene bewegten sich hingegen Dolce & Gabbana - und landeten im Mittelalter. Entsprechend düster ist das Farbbild, aufgelockert durch Druckmotive, die einstige Potentaten oder klerikale Ornamente zeigen. Und was dem Ritter von damals als Schutz diente, wird seinem urbanen Nachfolger ein Modeaccessoire. Seine Kopfbedeckung erinnert an die unter dem Helm getragenen Hauben. Metallpanzerungen werden mit funkelnden Steinen neu interpretiert.

Auch Donatella Versace bewegt sich in ihrem eigenen Kosmos. Und dort sind Männer ganze Kerle. Im kommenden Herbst/Winter treten sie als Cowboy oder Biker auf. Die Kollektion ist gespickt mit Western-Elementen, von den Chaps über den Bolotie («Schnürsenkel-Krawatte») bis hin zu den auf Sakkos gestickten Sheriff-Sternen und Kaktus-Applikationen. Wenn der Hosenschnitt hier und da einen Slip freilegt, darf man das als schrillen Laufsteg-Gag verbuchen. Viel überzeugender sind dann Vorschläge, wie etwa das mit einem Rollkragenpulli unterlegte, bedruckte Seidenhemd.

Ohnehin gab es viel Realismus auf den Mailänder Laufstegen zu sehen. Schöne Mantelvariationen zum Beispiel, wobei besonders die weite, umhüllende Variante als neue Form auffällt. Aber auch Hosen und Pullover entfernen sich wieder deutlich vom Körper. Rollis sind eine winterliche Hemd-Alternative. Die Farben zeigen sich dabei zumeist düster oder herbstlich-gedeckt, die Natur liefert viele Braun- und Grüntöne. Die Aufheller kommen über die Beige-Camel-Skala.

Kombiniert werden diese Farben dann oft zu Ton-in-Ton-Outfits, so wie auch bei Jil Sander. Das Label muss nun wieder ohne die Namensgeberin auskommen. Jil Sander trat im Herbst 2013 zurück, vorerst führt ihr Team die Arbeit weiter. Ganz im reduzierten, aber raffinierten Stil der Hamburgerin, wie die Show bewies. Bleiben die Optiken oft monochrom, so ist in den Oberflächen Bewegung. Es gibt Matt-Glanz-Kontraste, dreidimensionale Strukturen oder Sprenkel-Effekte.

Bottega Veneta wiederum steht als ein Beispiel für den nach wie vor großen Einfluss des Sportiven in der Männermode. Blousons und Hosen mit einem breiten gerippten Bund sind eine äußerst lässige Variante des Anzug-Gedankens.

Der Blouson, unter anderem aus Leder und im schnittigen Biker-Stil, tauchte auch in der Show von Gucci auf. Ebenso wie legere Cabanjacken, schmale, leicht verkürzte Hosen oder Hemden mit aufgesetzten Taschen. Das alles ist nicht revolutionär, hat aber Stil - auch über die neue Saison hinaus.

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