Second Hand Laden
In dem Laden Weederbruuk in Bremen finden Möbelkäufer gebrauchte Lieblingsstücke. Foto: Carmen Jaspersen

In dem Laden Weederbruuk in Bremen finden Möbelkäufer gebrauchte Lieblingsstücke. Foto: Carmen Jaspersen

dpa

In dem Laden Weederbruuk in Bremen finden Möbelkäufer gebrauchte Lieblingsstücke. Foto: Carmen Jaspersen

Bremen (dpa/lni) - Sie hauchen leerstehenden Gebäuden Leben ein und probieren ein Geschäftsmodell aus. Junge Kreative in Bremen finden über die Zwischenzeitzentrale günstige Räume - für eine begrenzte Zeit.

Der Raum ist voll mit alten Möbeln, buntem Geschirr, Elektrogeräten und Glasvasen. Auf den ersten Blick sieht «Wedderbruuk» (plattdeutsch «wiederverwenden») im Bremer Lloydhof aus wie ein gewöhnlicher Trödelladen. Dann fallen selbstgemachte Dinge wie Turnbeutel aus Stoffresten und Notizbücher aus alten Romanen ins Auge. Und eine große Glasschüssel entpuppt sich als ehemaliges Bullauge einer Waschmaschine.

«Es gibt so viele gute Sachen, die Tag für Tag auf dem Müll landen. Das muss nicht sein», sagt der 29 Jahre alte Kommunikationsdesigner Frederik Niemann, der mit drei Gleichgesinnten Sachen davor rettet, weggeworfen zu werden. Dass Wedderbruuk seine Schätze mitten in der Innenstadt anbieten kann, haben die vier jungen Akademiker der Zwischenzeitzentrale (ZZZ) zu verdanken. Sie hat ihnen die Räumlichkeiten, die der Stadt gehören, aber jahrelang leer standen, vermittelt - für eine Warmmiete von unter vier Euro pro Quadratmeter.

Dass die Mietdauer begrenzt ist, finden die beiden Paare, die sich neben der Arbeit auch noch ein Haus teilen, nicht schlimm. «Wir haben zwei Jahre lang die Möglichkeit, für sehr wenig Geld das zu machen, was wir machen möchten. Es ist eine Experimentierphase», sagt Tilman Schwake (31), der in den Endzügen seines Studiums der Stadt- und Regionalentwicklung ist. Danach werde Bilanz gezogen und besprochen, wie es weitergehen kann.

Wie den Akteuren von Wedderbruuk geht es vielen Kreativen in Bremen, die über die ZZZ einen Raum oder eine Fläche bekommen, um ein Geschäftsmodell auszuprobieren. Aber auch die Stadt profitiert von der Arbeit der ZZZ-Projektleiter Daniel Schnier und Oliver Hasemann. Phasen, in denen etwa ein Investor für ein leerstehendes Gebäude gesucht werde, sollten möglichst sinnvoll genutzt werden, sagt der Pressesprecher der Wirtschaftsförderung Bremen, Torsten Haar. «Es ist wunderbar, dass das über die Zwischenzeitzentrale so begleitet und genutzt wird.»

Rund 50 Projekte hat die von der Stadt geförderte ZZZ seit März 2010 realisiert. Auf Brachflächen wurden Kultur-Veranstaltungen organisiert, leerstehende Häuser für eine begrenzte Zeit an Nutzer mit besonderen Ideen vermittelt. Die meisten Räume gehören der Stadt, inzwischen suchen aber auch private Eigentümer über die ZZZ Jemanden, der ihrem Gebäude wieder Leben einhaucht. «Das Oberthema ist Gemeinschaft», sagt Schnier, der sich als Urbanist bezeichnet. «Menschen lernen sich kennen, daraus entstehen Netzwerke. Das ist ein ganz wichtiger Faktor für jeden Stadtraum», ist der 37 Jahre alte Diplom-Ingenieur der Architektur überzeugt.

Von ihrer Geschäftsidee leben können die meisten Zwischennutzer zunächst nicht. «Wir machen alle noch etwas nebenher», sagt Niemann über sich und seine Kollegen von Wedderbruuk. «Aber wir merken, dass das Potenzial da ist.» Christian M. Leon, der im Lloydhof eine Kreativfläche mit Café betreibt, freut sich, dass er mit seinem Angebot von Ausstellungen, Tanzveranstaltungen, Konzerten und Workshops zumindest seine Kosten decken kann. «Ich glaube, es wird sich auch nach den zwei Jahren nicht wirklich auszahlen, aber das ist auch nicht das hauptsächliche Ziel.» Ihm sei es wichtiger, bestimmte Projekte in die Tat umzusetzen, sagt der 31-Jährige, der seinen Lebensunterhalt als selbstständiger Designer verdient.

Jonas Lang, der im Lloydhof mit einer selbst gebauten Laserschneidemaschine Produkte individualisiert, sieht die auf knapp zwei Jahre begrenzte Mietzeit als Entscheidungshilfe: «Entweder ich kann davon leben oder das Projekt wird eingestampft. Wenn es gut läuft, würde ich natürlich gerne weiter hierbleiben.» Ob das möglich sein wird, ist unklar. Die Stadt hofft, dass sie bald einen Investor findet, der das Ansgariviertel, zu dem auch der Lloydhof gehört, umgestaltet. «Die Stadt hat das Gebäude Ende 2013 gekauft, jetzt läuft der Wettbewerb. Wahrscheinlich wird es im Sommer dazu kommen, dass ein Zuschlag erteilt wird», sagt Torsten Haar von der Wirtschaftsförderung. Da aber sicher nicht sofort mit dem Umbau begonnen werde, sei eine weitere Zwischennutzung denkbar.

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