Straßenkarneval ab Weiberfastnacht
Fängt Weiberfastnacht an, spätestens. Wer erst am Rosenmontag in den Karneval einsteigt, hat zu viel Nachholbedarf. Foto: Oliver Berg

Fängt Weiberfastnacht an, spätestens. Wer erst am Rosenmontag in den Karneval einsteigt, hat zu viel Nachholbedarf. Foto: Oliver Berg

Henning Krautmacher, Sänger der Band Höhner, kennt sie alle, die Karnevalslieder. Mitsingen ist nämlich Pflicht! Foto: Jörg Carstensen

Blau ist okay. «Blackfacing» wird im politisch korrekten Köln hingegen nicht gern gesehen. Foto: Oliver Berg

Ausgefeilte Kostüme: ein Muss in Karnevalshochburgen. Billige Verkleidung wird verachtet. Foto: Oliver Berg

Das sind keine Kostüme, das sind Uniformen! So manches muss man wissen, bevor man mitfeiern kann. Foto: Oliver Berg

Egal ob auf Wange oder Mund: Ein Bützje ist Folklore, keine Annäherung. Foto: Oliver Berg

«Kamelle!» zu rufen, bringt nicht viel, wenn der Zug steht. Denn die fliegen nur, wenn der Zug sich bewegt. Foto: Oliver Berg

dpa, Bild 1 von 7

Fängt Weiberfastnacht an, spätestens. Wer erst am Rosenmontag in den Karneval einsteigt, hat zu viel Nachholbedarf. Foto: Oliver Berg

Köln (dpa) - Karneval will gelernt sein. Das ist die schmerzliche Erfahrung vieler Neu-Jecken. Sie dachten, sie könnten sich einfach so ins Getümmel stürzen. Aber halt - so einfach ist es nicht. Es gibt viel zu beachten. Eine Liste mit den zehn schlimmsten Fehlern.

In Köln «Helau!» rufen: Der gröbste aller Schnitzer. Es heißt natürlich «Kölle Alaaf!». Wer etwas anderes ruft, gefährdet sich und seine Angehörigen.

Zu wenig Mühe mit dem Kostüm geben: Leute, die schon länger in einer Karnevalshochburg wohnen, haben völlig andere Vorstellungen von dem Aufwand, der zum Anfertigen eines Kostüms erforderlich ist. Wer denen mit etwas Zusammengefriemeltem kommt - «Hauptsache ist doch, wir haben Spaß» - wird die Erfahrung machen, dass es auch mitten im Karneval plötzlich sehr still werden kann.

Gesicht schwarz schminken: Die kleine Hexe konnte 1957 noch mit einem «Negerlein» Karneval feiern, heute geht das nicht mehr. Gerade Köln ist nicht nur eine Hochburg des Karnevals, sondern auch eine Hochburg der Political Correctness. Wer sich schwarz anmalt, muss damit rechnen, des rassistischen Blackfacings bezichtigt zu werden.

Dem Alkohol entsagen: «Der Satz «Ich kann auch ohne Alkohol Karneval feiern», gehört definitiv ins Reich der Legenden.» Das hat der Redakteur Manuel Andrack einmal gesagt. Es stimmt.

Erst Rosenmontag anfangen: Das kann nicht funktionieren, denn fast alle, die man trifft, feiern dann schon seit vier Tagen. Dementsprechend haben sie längst ein anderes Bewusstseinsstadium erreicht. Dieser Rückstand lässt sich nicht mehr aufholen.

«Kamelle!» rufen, wen der Zug steht: Ein typischer Anfängerfehler: Die Karnevalswagen halten an, weil der Zug irgendwo stockt, und die Zugereisten schreien wie verrückt weiter «Kamelle!». Merke: Bei stehenden Wagen wird nie geworfen, sondern nur während der Fahrt.

Bei der Karnevalssitzung Kontakt zum Nebenmann suchen: Rheinländer sind als kommunikative Menschen bekannt. Man darf aber nicht erwarten, bei einer Karnevalssitzung mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Sie konzentrieren sich dann voll darauf, zu schunkeln, zu singen und den Büttenreden zu folgen. Das ist schon Multitasking genug. Da können sie nicht noch mit Fremden schwatzen. Wer Kontakt sucht, geht in die Kneipe.

Uniform und Kostüm verwechseln: Die Prinzengarde in voller Montur samt Waffenrock und Säbel sieht toll aus. Bitte aber nicht den Fehler machen und zum Beispiel fragen: «Was kostet das Kostüm?» Es ist kein Kostüm. Es ist eine Uniform.

Liedernicht kennen: Karneval feiern kann man nur, wenn man die Lieder kennt. Denn sonst kann man ja nicht mitsingen. Das Minimum dessen, was man in Köln auswendig können muss, ist: «Viva Colonia», «Drink doch ene met», «Superjeilezick» und «Wenn et Trömmelche jeit».

Bützje als Annäherungsversuch missverstehen: Neulinge glauben häufig, man wolle sie anmachen, wenn man ihnen den Arm zum Schunkeln umlegt oder ihnen ein Bützje - einen Wangenkuss - gibt. Völlig falsch. Das ist keine Anmache, das ist Folklore.

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