Strickensembles in Maisgelb: Bei Allude ging es farblich fröhlich zu, wenngleich einige Entwürfe eher konventionell wirkten.
Strickensembles in Maisgelb: Bei Allude ging es farblich fröhlich zu, wenngleich einige Entwürfe eher konventionell wirkten.

Strickensembles in Maisgelb: Bei Allude ging es farblich fröhlich zu, wenngleich einige Entwürfe eher konventionell wirkten.

Für die Herren brachte die Hugo-Kollektion unter anderem elegante, auf Figur geschnittene Anzüge.

Heiß her ging es bei Hugo Boss: Glühend rote Strickteile wurden kontrastiert vom unterkühlt-dunklen Ambiente.

Gerade Linien kontrastierte das Berliner Designer-Duo mit weichen Rundungen.

Leicht und locker wirkten die Entwürfe von Perret Schaad.

Sexy Noblesse: Hochelegant und perfekt geschnitten trat die Kollektion von Rena Lange auf.

dpa, Bild 1 von 6

Strickensembles in Maisgelb: Bei Allude ging es farblich fröhlich zu, wenngleich einige Entwürfe eher konventionell wirkten.

Berlin (dpa) - Was mag hinter dem Motto «Denver-Clan versus Forstwirtschaft» stecken? Bei der Berliner Fashion Week kommt das Publikum ins Rätseln. Die Mode aber ist nicht schlecht - Unkenrufen zum Trotz.

Textilprovinz oder Modemekka? Das ist in Berlin die Frage. Bei der Fashion Week (19. bis 22. Januar) scheint sich die Waage ein wenig in Richtung Modestadt zu neigen. Auch wenn mächtige Modezarinnen wie die Chefin der US-Vogue Anna Wintour fehlen, auch wenn die in der Szene als Leithammel geltende Internetseite «style.com» nicht berichtet - bei den Schauen gab es richtig gute Kollektionen.

Top-Gesprächsthema blieb ein im «Spiegel» erschienener Artikel, der Berlins Ambitionen, zur Modemetropole aufzusteigen, in Bausch und Bogen für gescheitert erklärt. Die meisten Modejournalisten sind da anderer Meinung. Doch die Kritik nagt. Zum Glück gab es auch bei den jungen Aufsteigerkollektionen richtige Lichtblicke, allen voran beim Berliner Duo Perret Schaad.

Locker und leicht erschienen die Entwürfe der beiden Designerinnen. Gerade Linien kontrastierten sie mit weichen Rundungen. «Wir haben vom Material aus gedacht», erklärten Johanna Perret und Tutia Schaad nach der Schau. Raffinierte Licht- und Glanzeffekte machten die klar geschnittenen Entwürfe besonders. Schimmernde schmale Röcke in einem Korallenton, nachtblaue leicht gerundete Mäntel und eine voluminöse Bomberjacke, die aus einem wie Leder wirkenden Techno-Stoff gemacht war, offenbarten Raffinesse.

Professionell, ästhetisch und gelungen waren die Modelle von Mongrels in Common. Hinter dem kryptischen Namen verbergen sich die Designerinnen Livia Ximénez-Carrillo und Christine Pluess, ein weiteres «Winning Team» dieser Modewoche. Die Models - mit tiefrot geschminkten Lippen - erinnerten in ihren gerafften Seidenkleidern in mattem Moosgrün oder sattem Blau, den feinen Schluppenblusen und den zweireihigen Mänteln in Schwarz an Hollywood-Stars der 40er Jahre. Das Motto «Denver-Clan versus Forstwirtschaft» erschloss sich nicht ganz, brachte aber einen schönen gelblichen Blattwerk-Druck hervor.

Hochelegant, perfekt geschnitten und regelrecht dahin fließend trat die Kollektion von Rena Lange auf. Das Münchner Luxushaus ist eine der wenigen Marken in Berlin von langjährigem internationalen Rang und Namen. Softe Seidenkleider in - an Yves Saint Laurent erinnernden - leuchtenden Farbblöcken, hautenge Rollkragenpullover und beigefarbene Tweedmäntel atmeten Noblesse. 70er-Jahre-Anklänge fügten Sexyness und Lässigkeit hinzu.

Bei Allude startete die Schau mit einem Live-Act der schwedischen Avantgarde-Sängerin Lykke Li. Die Entwürfe wirkten gut gemacht, doch mit Strickoberteilen mit Fellkragen, Pumps mit Blockabsatz und Colourblocking eher konventionell. Am stimmigsten kamen die maisgelben mehrteiligen Strickensembles mit wadenlangen Röcken heraus.

Mit der Schau von «Hugo by Hugo Boss» gab es am Abend dann ein echtes Highlight mit weltstädtischem Charakter. Schon die Neue Nationalgalerie als Location war gut gewählt - Fließtext der Künstlerin Jenny Holzer an der Decke, schwarz ausgeschlagene Sitzreihen, schräge Musik und Schreibmaschinengeräusche vom Band gaben genau den richtigen Rahmen für das Metropolengefühl. Internationale Gäste wie die Schauspielerinnen Tilda Swinton und Chloé Sevigny und ihr Kollege Hayden Christensen sowie Rennfahrer Lewis Hamilton (neben Lokalgrößen wie Klaus Wowereit) sorgten für Glamour.

Die «Hugo»-Kollektion brachte für jeden etwas: Lässige Shirt-Oberteile und schwingende Röcke sowie cremefarbene leicht gerundete Mäntel in Couture-Optik für die Damen, auf Figur geschnittene Anzüge und Kapuzenmäntel für die Herren, Drucke, die an glühende Lava erinnerten, rote Strickteile, Lack, Leder und rasant geschlitzte schwarze Abendkleider. «Hugo ist für alle da», schienen die Entwürfe zu rufen. «Und Berlin immer noch hip.»

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