Die neue Loungewear
Schnell übergeworfen und warm - manche Stücke aus der neuen Kuschelmode wirken auch draußen nicht deplatziert, hier ein Bild aus der Kollektion von Okha.

Schnell übergeworfen und warm - manche Stücke aus der neuen Kuschelmode wirken auch draußen nicht deplatziert, hier ein Bild aus der Kollektion von Okha.

Sportlich und sexy - der Jogging- oder Yoga-Look kann heute sehr modisch aussehen, so wie hier bei Calida.

Die neuen Kombinationen für Zuhause sollen bequem sein und modisch auf der Höhe - hier ein Bild aus der aktuellen Kollektion von Otto.

Auch für Männer - die Wohlfühlklamotte für zu Hause muss nicht langweilig oder ungepflegt daherkommen, hier zu sehen bei Calida.

Farbenfroh und abgestimmt gemustert - in den neuen Loungewear-Kollektionen, hier von Triumph, steckt Design-Arbeit.

Okha/dpa/tmn, Bild 1 von 5

Schnell übergeworfen und warm - manche Stücke aus der neuen Kuschelmode wirken auch draußen nicht deplatziert, hier ein Bild aus der Kollektion von Okha.

Berlin (dpa/tmn) - Früher hieß es Nachtwäsche oder Hausanzug - die Hersteller sagen heute gern «Loungewear». Gemeint ist funktionale, aber bequeme Kleidung für zu Hause. Sie wird immer modischer - zunehmend werden Trends aus der Oberbekleidung aufgegriffen.

Kein oller Pyjama, kein Bademantel und kein Hauskleid alter Prägung ist mit dem Begriff gemeint. Vielmehr prägen aufwendige Dessins und trendige Farben die Kollektionen der neuen «Loungewear». Meist sind es Unterwäsche-Marken, die ganze Editionen eigens für Wohlfühl-Mode geschaffen haben. Und sie stecken immer mehr Design-Arbeit hinein.

Abseits der großen Konzerne hat Ina Solbach in München mit «Sunday in Bed» einen Laden eröffnet, in dem sie auch ihre eigene Kollektion unter dem Namen Okha vertreibt. Neben T-Shirts, Langarmoberteilen, Pantys und Freizeithosen aus edlen, weichen Stoffen in schlichten Farben und Formen gibt es auch Kissen, Tee, Bildbände, Plaids oder Schals.

Laurence Tavernier, eine französische Nachtwäschemarke mit Läden in Paris und London, aber auch in München, hat feminin-elegante Loungewear im Programm. Da gibt es in der aktuellen Kollektion zum Beispiel luxuriöse Wollponchos oder Kaschmirmäntel. Ihr Konzept: So edel, dass die Hausherrin in ihnen auch Gäste empfangen oder schnell ein paar Besorgungen machen kann, sagt Filialleiterin Roswitha Reinthaler.

Und bei Jades in Düsseldorf macht Ingo Sliwenski die Erfahrung: «Die Menschen wollen sich wohlfühlen und auch beim Sport und zu Hause attraktiv sein.» Er führt in seinem Laden daher vor allem die Jogginghosen und Kapuzenpullis von Designer-Kollektionen wie D-squared2, Alexander Wang oder Balmain.

Fast alle namhaften Wäschemarken haben ihre Kollektionen in Richtung Loungewear ausgebaut. Inspiriert von aktuellen Modetrends bietet zum Beispiel Triumph im Herbst ein seidenweiches Mix-to-Match-Programm aus glänzender Bambus-Qualität in Schwarz und «Moonlight Blue». Die Kollektion «Cocooning 2.0» von Hanro will mit eleganten Schnitten, leger-urbanen Looks und retro-inspirierter Loungewear verführen.

Die Designer von Calida haben sich von Yoga-Bekleidung inspirieren lassen. Oberteile und Hosen lassen sich frei kombinieren - Mix & Match nennen das Fachleute. Streifen, Drucke und Glanzeffekte sind zu sehen, das Augenmerk liegt auf Beeren-, Blau- oder Grautönen. Sportive Editionen, auch beeinflusst von Sportarten wie Pilates oder Aerobic, sind grundsätzlich beliebt. Die Fachzeitschrift Linie International begründet den Erfolg dieser Kollektionen mit dem individuellen Stil-Mix aus Mode, Funktion und Weiblichkeit - traditionellen Sportmarken fehle das.

Ein Vorteil der Wäschehersteller mag sein, dass hinter den Kollektionen oft Macher aus der Wäschebranche stecken, die ebenso einen Sinn für praktische Freizeitmode haben. Elke Klosseck beispielsweise hat ihre Erfahrung als ausgebildete Yoga-Lehrerin in ihre Kollektion Yu-Feelwear einfließen lassen: «Wir haben darauf geachtet, dass nichts zwickt oder kneift und alles da bleibt, wo es hingehört.»

Die Kollektion aus weicher Baumwolle bietet neben Basisfarben in diesem Herbst auch Aquatöne und Bordeaux, Hosen mit hohen, umschlagbaren Komfortbündchen, Tank Tops mit verstellbaren Innenbustiers, Stulpen und Schals. «Frauen wollen sich attraktiv und weiblich kleiden - beim Sport genauso wie beim Alltag», erklärt auch Barbara Becker. Die Designerin und Ex-Frau von Boris Becker kooperiert zum dritten Mal mit dem Label Venice Beach und hat für den Herbst eine breite Auswahl an Styles in puristischen Farben entwickelt.

Bei Wellicious, einem in London ansässigen Label mit ganzheitlichem Anspruch, lassen sich neben Yoga-Anzügen aus Biobaumwolle auch Wellness-Outfits aus Kaschmir zusammenstellen. Selbst Marken, die ein breites Bekleidungssortiment bieten, haben sich des Themas angenommen. Und so hat S.Oliver zu diesem Herbst eigens eine «Homewear»-Linie auf den Markt gebracht - laut Sylvia Scherrer vom Unternehmen gebe es dafür große Bedürfnisse bei den Kunden.

Auch das zunehmend modische Aussehen der Kuschelmode ist möglicherweise aber ein Erfolgsfaktor. Schiesser etwa zeigt Sarouelhosen und lässige Krempelhosen - der Trendmode des vergangenen Sommers entlehnt und auf die Feierabendbekleidung übertragen. Von Blanche Fleur, der Loungewear-Kollektion des Nachtwäsche-Herstellers Rösch, kommen zum Herbst und Winter Styles im sportiven College-Look, sexy Glamrock- oder romantische Bilderwelten.

Und ob edel oder sportiv: Auch für Männer gibt es inzwischen moderne und praktische Outfits für den Wellness-Tag oder den gemütlichen Abend zu Hause - siehe Marken wie Boss, HOM, Jockey oder Tom Tailor.

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