Rainer Laux ist seit zehn Jahren Produzent von „Big Brother“. Er spricht Über Voyeurismus und Familienersatz.

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Rainer Laux: „Ein Big-Brother-Tag ist wie drei Tage im Leben draußen.“

Rainer Laux: „Ein Big-Brother-Tag ist wie drei Tage im Leben draußen.“

dpa

Rainer Laux: „Ein Big-Brother-Tag ist wie drei Tage im Leben draußen.“

Herr Laux, was haben Sie in den zehn Jahren gelernt?

Laux: Gelernt haben wir, den Bewohnern die Natürlichkeit zu lassen. Das "Dorf"-Konzept in der sechsten Staffel hat nicht so gut funktioniert, weil zu viel Drumherum - wie das Modeatelier und die Autowerkstatt - inszeniert wurde.

Je mehr Intimes gezeigt wird, desto besser wird "Big brother" (BB) vom Publikum angenommen - stimmt das?

Laux: Zu intim werden wir schon deshalb nicht, weil wir uns im Rahmen der Jugendschutzgesetze bewegen. Aber es ist für viele Menschen nach wie vor spannend, anderen Leuten im Alltag zuzugucken, auch beim Zähneputzen oder Duschen. Wie leben die? Sehen die morgens nach dem Aufstehen auch so aus wie ich? Wie ziehen die sich an, wenn sie ins Bett gehen?

Gibt es noch viele Leute, die sich über diesen Voyeurismus beschweren?

Laux: Es gibt immer Leute, die sich beschweren.

Würden Sie selbst bei "BB" einziehen?

Laux: Schwierig. Ich glaube, dass es tatsächlich eine unglaubliche Erfahrung ist. So ein BB-Tag ist wie drei Tage im Leben draußen, natürlich unter anderen Voraussetzungen. Wenn die Kandidaten ehrlich zu sich selbst sind, müssten sie, egal wie sie abgeschnitten haben, den Aufenthalt bei BB positiv beurteilen.

Welche besondere Eigenschaften müssen die Kandidaten mitbringen?

Rainer Laux (48) hat abwechselnd mit einer Kollegin 24-stündige Rufbereitschaft.

Am Montag um 21.15 Uhr beginnt bei RTL2 mit zwölf Kandidaten die zehnte Staffel. Dazu gibt es täglich eine Sendung und montags die Entscheidungsshow, wer gehen muss. Nach 148 Tagen endet die Staffel am 7. Juni, der Sieger erhält 250.000 Euro.

Der Ausflug in die Containershow machte den Automechaniker Zlatko Trposvki bekannt. Er besang CDs, eine Brauerei brachte das "Shakes-Bier" heraus. Heute repariert er wieder Autos. Mehr Erfolg hatte Jürgen Milski, Sieger der ersten Staffel. Früher hat er bei Ford gearbeitet, heute ist er TV-Moderator und tritt mit Partyliedern auf.

Laux: Extrovertierte Menschen tun sich leichter bei BB. Ansonsten sollten es Menschen sein, die bereits etwas erlebt haben. Es hilft nichts, wenn ich einen gut aussehenden Jungen oder ein gut aussehendes Mädchen habe, die nur zum Anschauen da sind. Es müssen Menschen sein, die sich an einer Unterhaltung beteiligen können.

Muss man auch jedes Mal Kandidaten haben, die für Schlagzeilen in der Boulevardpresse sorgen?

Laux: Das können Sie nicht steuern, ein Zlatko ist nicht planbar.

Ärgert Sie der Vorwurf, Unterschichten-Fernsehen zu sein?

Laux: Es ärgert mich nicht mehr viel im Leben. Knapp 40 Prozent der Zuschauer bei der neunten Staffel waren Angestellte und Beamte, 29 Prozent Facharbeiter und Meister. Und bei den Bewerbern sind alle möglichen Leute dabei, vom Arbeiter bis zum Professor für Quantenphysik. Wir sind vom sogenannten Unterschichtenfernsehen weit entfernt.

Hat sich das Image von BB verändert?

Laux: Anfangs war es das Aufreger-Format. Jetzt sind wir einfach da und haben nicht mehr mit dieser Häme zu kämpfen, sondern werden als Soap-Format im Fernsehen akzeptiert - natürlich von der Historie her eher mit einem schlechten Beigeschmack, aber daran arbeiten wir. BB ist ein Thema, das von draußen kaum neutral betrachtet wird. Entweder ich mag es, oder ich finde es mies.

Big Brother läuft auch 24 Stunden am Tag im Internet. Ist das nicht erschreckend, wenn da Leute wirklich rund um die Uhr vorsitzen?

Laux: Wenn jemand selbst nicht so viele Freunde hat, dann ist BB ein Familien-Ersatz. Sie können am Leben von zehn, zwölf Leuten teilhaben, können mitfiebern, mitlachen und mitweinen. Das machen ganz viele. Wir kriegen jeden Tag säckeweise Post für die Kandidaten: Fan-Anfragen, Briefe, Geschenke und weiß der Teufel was. Und gleichzeitig bietet der 24-Stunden-Kanal auch die Möglichkeit, uns zu kontrollieren. Wenn wir die Ereignisse für das Fernsehen nicht gerecht zusammenschneiden würden, wäre der Aufschrei groß.

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