Wibke Bruhns ist als erste Nachrichtenfrau des ZDF bekannt geworden. Und als angebliche Eroberung Willy Brandts.

Wibke Bruhns
Nicht nur Bruhns (Mitte) traf Willy Brandt (li.), sondern auch ihr Mann Werner (re.) – 1973 beim Kanzlerfest.

Nicht nur Bruhns (Mitte) traf Willy Brandt (li.), sondern auch ihr Mann Werner (re.) – 1973 beim Kanzlerfest.

Die heute 73 Jahre alte Journalistin Wibke Bruhns durfte als erste Frau die ZDF-Hauptnachrichten verlesen.

dpa, Bild 1 von 2

Nicht nur Bruhns (Mitte) traf Willy Brandt (li.), sondern auch ihr Mann Werner (re.) – 1973 beim Kanzlerfest.

München. So geradeaus, unbeeindruckt und interessant hat selten ein Promi früheren Sex-Klatsch dementiert. Mit Willy Brandt sei nie was gewesen, auch nicht nachts zu zweit in der Jerusalemer Hotelsuite des damaligen Kanzlers auf Israel-Besuch 1973, berichtet Wibke Bruhns in ihrer Autobiografie „Nachrichtenzeit“.

„Er sprach und sprach“, schreibt die heute 73-Jährige und bedient die lesenden Schlüssellochgucker mit Auskünften: „Nach anderthalb Stunden stand er auf, ich auch – er küsste mich väterlich auf die Wange. Ich war entlassen. Es war gegen zwei Uhr morgens.“

Die Gerüchte von der Affäre mit Brandt sind nicht tot zu kriegen

Ab zwei Uhr morgens war aber auch die Legende von der Affäre zwischen dem als Schürzenjäger geltenden SPD-Chef und der 25 Jahre jüngeren ZDF-Nachrichtenfrau endgültig in der Welt. „Dass da etwas war“, gehört für politisch einigermaßen gebildete (west-)deutsche Zeitgenossen jenseits der 50 wohl zum historischen „Grundwissen“.

Bruhns schreibt unerschrocken dagegen an. Von gemeinsamen Sommerferien mit Brandt im selben Jahr in Norwegen erzählt sie, dass sich vor allem eine Freundschaft mit der dort geborenen Ehefrau Rut Brandt (gestorben 2006) entwickelt habe.

Und wie das war mit ihrer Einladung zum Fischessen für den mitgereisten Kanzlerreferenten Günter Guillaume, dessen Enttarnung als DDR-Spion 1974 zu Brandts Rücktritt als Kanzler führte.

In den 70er Jahren warb sie mit Günter Grass für die SPD

Nicht nur Bruhns (Mitte) traf Willy Brandt (li.), sondern auch ihr Mann Werner (re.) – 1973 beim Kanzlerfest. Nachzulesen in: „Nachrichtenzeit“, Droemer Verlag, 424 Seiten, 22,99 Euro.

Bruhns hat aus dieser ersten Hälfte der 1970er Jahre fast grenzenlos Interessantes zu erzählen, es war „ihre“ Zeit. Sie wurde bekannt als erste Frau vor der Kamera bei einer ZDF-Nachrichtensendung und wirbelte als Promi bei Wahlkämpfen mit Günter Grass nebst anderen „Linksliberalen“ für die SPD. Eine Vermischung von Aufgaben, die heute undenkbar ist.

Zu den Stärken dieser Erinnerungen gehört Bruhns’ unkomplizierter, uneitler Grundton. „Zu dem Zeitpunkt war ich damit beschäftigt, dem Fernsehvolk Nachrichten vorzulesen“, schreibt sie über das „Beben“, weil nun erstmals eine Frau zur Hauptsendezeit Nachrichten präsentieren durfte.

Die Vorzeigefrau, deren Busen männliche Zuschauer als „winzig“ monierten, fand das Vorlesen vor Kameras stinklangweilig. Man registriert es dankbar – eingedenk der grenzenlosen Aufregung über den Erfolg oder Misserfolg heutiger Moderatoren beiderlei Geschlechts beim Ablesen von Telepromptern.

Bruhns Vater wurde 1944 von den Nazis in Berlin hingerichtet

Die „Nachrichtenzeit“ ist nicht das erste Buch Bruhns. Mit „Meines Vaters Land“ (2004) hat sich ein wunderbar aufklärerisches, unpathetisches Buch über den Widerstand gegen Hitler geschrieben. Ihr Vater Hans-Georg Klamroth gehörte zu den gut 3000 Nazi-Gegnern, die nach dem missglückten Attentat am 20. Juli 1944 hingerichtet wurden. Für Bruhns ist das wichtiger, als die Frage, was mit Willy Brandt lief.

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