Der Haushund unserer Zeitung wird 50 Jahre alt und führt auf kurzen Beinen ein zeitlos fideles Leben.

Boiselle & Löhmann

Düsseldorf. Mit ihm fängt der Tag gut an. Wurzel ist nun mal ein Gemütshund – und das seit 50 Jahren. Am 9. Juli 1963 hat der Schotte Alex Graham erstmals einen Comicstrip mit „Fred Basset“ – so heißt Wurzel mit vollem britischem Namen – in der Tageszeitung „Daily Mail“ veröffentlicht.

Das Basset-Schlappohr gewann schnell Anhänger, bis heute trabt er in 20 Ländern durch seinen Comicstrip. Schließlich ist er liebenswürdig und langmütig, lässt sich ergeben vor einem Laden anbinden und von den hyperaktiven Tucker-Zwillingen nerven. Und schlau ist er sowieso, auch wenn er nur in Sprechblasen denkt. Aber er kann vielsagend die Stirn runzeln, wenn sein Herrchen stundenlang über dem einfachen Kreuzworträtsel grübelt oder mal wieder im Schach gegen den Pfarrer verliert.

Seit 38 Jahren ist Wurzel auch der Haushund unserer Zeitung, kommt sechs Mal in der Woche zu den Lesern nach Hause. Und die Menschen zwischen Niederrhein, Düsseldorf und Bergischem Land schauen bei ihm rein – in das Vorstadt-Reihenhaus, zu seinem Fußball-begeisterten Herrchen und seinem telefonierfreudigen Frauchen, die seit fünf Jahrzehnten ohne eigenen Namen auskommen.

Erst als Zeichner Graham einen Hund bekam, gelang der Comic

Als Alex Graham mit Wurzel (Foto: BullsPress) anfing, hatte er zwar an der Glasgower Kunstakademie studiert und 20 Jahre Berufserfahrung als Zeichner – aber keinen Hund. So fehlte den ersten Comics das entscheidende Quäntchen Hundeverstand. Da schenkte ihm die Redaktion den Basset Frieda, was den Comic deutlich belebte.

Graham starb am 3. Dezember 1993, bis dahin hatte er mehr als 9000 Wurzel-Comics gezeichnet. Der Basset führt ein geruhsames Leben, denn in all den Jahren hat sich nichts geändert – das vermarktet sich auch leichter. Die Beatles wurden mal erwähnt, der EU-Beitritt Großbritanniens, und das Sofa bekam gelegentlich einen neuen Bezug – das war’s.

Bei Wurzels Zweibeinern sind die Rollen klar verteilt

Liebe Kinder, malt ein Bild, wie Euch Wurzel am besten gefällt: draußen in Aktion, mit seinen Freunden, im Sessel oder ganz anders. Unter den schönsten Einsendungen verlosen wir zehn Wurzelbücher  „Mir geht’s gut“.

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Freitag, 12. Juli, 2013

Das Literaturbistro der Stadtbibliothek Duisburg, Düsseldorfer Straße 5-7, zeigt bis zum 31. Juli die Ausstellung „Fred Basset/Wurzel“. Über zwei Etagen wird ein Querschnitt durch die Wurzelbücher geboten. Geöffnet ist die Stadtbibliothek Mo 14 – 19 Uhr, Di bis Fr 11 – 19 Uhr, Sa 11 – 16 Uhr. Zur Eröffnung am Samstag gibt es Mitmachaktionen. Der Eintritt ist frei.

Im Übrigen leben seine Zweibeiner in einer unverrückbaren Rollenaufteilung: Herrchen geht zur Arbeit, in den Pub und zum Golf, Frauchen steht in der Küche, schnattert mit Freundinnen und verzweifelt am Autofahren.

1993, als Grahams Comic-Vorräte alle gedruckt waren, übernahm Michael Martin, der mit seiner Familie in Südfrankreich lebt, die Zeichenaufgabe – so gut, dass fast keiner den Unterschied bemerkt, sagt Grahams Tochter Arran, die die meisten Ideen für die Strips liefert.

Auch Martin hütet sich vor Zeitgeistigem, höchst sparsam dringen neue Errungenschaften wie Handys und Navis in Wurzels Welt. So kann er sich unbelastet seinen Hobbys widmen: Erstens Knochen vergraben, zweitens Katzen jagen, drittens den Vordenker für seine Freunde Jock (Scotchterrier), und Yorky (Yorkshireterrier) geben – Irrtümer inklusive.

Als echter Basset pflegt Wurzel, der in Italien „Lillo, der weise Hund“ und in Finnland „Koiraskoira“ heißt, einen gewissen Dickkopf. Ansonsten teilt er die Vorlieben vieler Hunde. Er verschlingt begeistert jede Zwischenmahlzeit, er lehnt Spaziergänge im Regen ab, sinkt gern in den Polstersessel, aus dem er nur schwer zu vertreiben ist. Und all das  macht ihn auch ziemlich menschlich.

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