Wolfgang Stumph, der Quotenkönig unter den TV-Kommissaren, hört trotz seines Erfolgs nach 18 Jahren auf.

interview

Rolf Vennenbernd

Düsseldorf. So viele Fans hat sonst nur der „Tatort“: Bis zu neun Millionen Zuschauer schalten ein, wenn der von Wolfgang Stumph gespielte Kommissar Stubbe Gauner jagt. Trotzdem ist das Ende der 1995 gestarteten Reihe absehbar, 2014 wird die letzte Episode ausgestrahlt. Zuvor ist der Ermittler noch ein paarmal zu sehen, so am Samstag in „Stubbe – Von Fall zu Fall“ (20.15 Uhr, ZDF), in der Stumphs Tochter Stephanie erneut die Tochter des Kommissars spielt.

Herr Stumph, Stubbe bringt es auf fast neun Millionen Zuschauer. Sie müssen stolz sein?

Wolfgang Stumph: Ach, wissen Sie, ich bleibe da schön auf dem Teppich. Die Einschaltquote ist schließlich nicht das Urteil über Qualität. Da gibt es so viele Faktoren, die Einfluss auf die Quote haben: Wie ist das Gegenprogramm, wie ist das Wetter, lauter solche Dinge. „Bauer sucht Frau“ hat auch tolle Einschaltquoten, aber das kann im Land der Dichter und Denker ja nicht der Maßstab für Qualität sein. Viel wichtiger als die Quote ist mir, dass ich selbst zufrieden bin und dass es den Leuten aus meinem Umfeld, deren Urteil mir wichtig ist, gefällt.

Ihre Bescheidenheit ehrt Sie, aber Sie schaffen Quoten, die in der Sparte Fiktion sonst nur der „Tatort“ hat – das ist doch was.

Stumph: Stimmt schon, ich will das jetzt auch gar nicht kleinreden. Man muss ja sogar bedenken, dass „Stubbe“ am Samstag läuft, wo viel weniger Leute gucken als am Sonntag zur „Tatort“-Zeit. Ich freue mich auch über den Zuschauerzuspruch. Trotzdem: Die Quote ist kein Maßstab für Qualität, da bleibe ich selbstkritisch genug.

Seinen Durchbruch schaffte der Dresdner Kabarettist Wolfgang Stumph 1991 mit „Go Trabi Go“, es folgten zahlreiche Film- und Fernsehauftritte, darunter die Hauptrollen in Erfolgsserien wie „Salto Postale“ und „Salto Kommunale“. Vor allem für viele ostdeutsche Zuschauer ist der in Dresden lebende „Stumpi“ eine Identifikationsfigur, der 66-Jährige hat aber auch zahlreiche Fans in den alten Bundesländern.

Klingt, als ob Sie mit der Qualität nicht immer zufrieden wären.

Stumph: Im Großen und Ganzen schon, aber ich denke mir oft, dies und das hätte noch besser sein können. Mir geht es da wie einem Leistungssportler, der den Rekord brechen will, und wenn er da annähernd drankommt, muss er zufrieden sein. Ich bin zufrieden, aber ich weiß, dass es noch besser sein könnte.

Diese Sorgen müssen Sie sich bald nicht machen, 2014 wird die letzte Folge ausgestrahlt.

Stumph: Ja, der Stubbe geht bald in den Ruhestand, die 50. wird seine letzte Folge sein. Ich will einfach einen Schlussstrich ziehen, wenn es am Schönsten ist. Das habe ich immer so gehalten, bei allem, was ich gemacht habe. Ich will einen Baum stehenlassen und keine Sträucher. Ist doch schöner, wenn sich die Leute auch in ein paar Jahren noch gern an den Stubbe erinnern.

Sind Sie auch froh, den Stubbe bald los zu sein?

Stumph: Nein, so kann man das nicht sagen. Ich bin glücklich und froh, dass die Reihe jetzt bald 18 Jahre erfolgreich gelaufen ist, irgendwann ist halt mal Schluss. Aber das ist ja auch noch ne Weile hin, erst mal kommen jetzt die neuen Folgen. Außerdem: Stubbe hört auf, aber Wolfgang Stumph noch lange nicht.

Was sagt Ihre Tochter dazu, dass die Reihe bald aufhört?

Stumph: Ich glaube, dass sie nicht allzu traurig ist, weil sie ja noch jede Menge andere Möglichkeiten hat, sich künstlerisch zu beweisen und sich als studierte Schauspielerin zu entfalten – das hat sie ja auch schon neben „Stubbe“ getan. Sie weiß, was sie kann, und sie wird ihren Weg gehen.

Werden Sie denn auch nach „Stubbe“ mal wieder mit Ihrer Tochter zusammenarbeiten?

Stumph: Ich werde mit der Kollegin Stephanie Stumph, die zufällig meine Tochter ist, bestimmt irgendwann in den nächsten Jahren mal wieder zusammenarbeiten. Aber ich habe auch immer darauf geachtet, mich nicht zu sehr ins Leben meiner Tochter einzumischen – und das halte ich auch künftig so.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer