Als erster deutscher Politiker gibt der Außenminister dem Jugendmagazin ein Interview.

Berlin. Nicht nur in politischen Talkshows sind die Größen der Parteien seit Jahren Dauergast. Zunehmend berichten Politiker auch über ihr Privatleben, sei es in Interviews mit bunten Blättern oder im Fernsehen.

So erzählte der frühere Finanzexperte der CDU, Friedrich Merz, dereinst bei Johannes Kerner über seine wilde Jugend im sauerländischen Brilon mit langen Haaren und frisiertem Mofa.

In die "Bravo", dem zentralen Begleitorgan der Pubertät, wagte sich bislang aber keiner - bislang. Als erster deutscher Politiker gab nun Außenminister Guido Westerwelle (FDP), heute 48 Jahre alt (Archivfoto von 1984), dem Jugendmagazin ein Interview und berichtete über seine Jugend.

Westerwelle gestand, er habe als Teenager für die schwedische Popgruppe Abba und die amerikanische Rockröhre Suzi Quatro "in ihrer Lederkluft" geschwärmt. Heute findet er den US-Schauspieler Johnny Depp ("Fluch der Karibik") "sehr gut".

"Bravo" hat der junge Guido, der aus Bonn stammt, damals schon gelesen. Die berühmte Aufklärungskolumne "Dr. Sommer" musste er allerdings nicht nutzen: "Da wäre die ,Bravo’ zu spät gekommen. Ich war zuerst auf der Realschule - das war eine reine Jungenschule. Und da wurde über solche Themen recht offen und robust gesprochen."

Die "Bravo"-Poster hingen damals bei Westerwelles im Partykeller. Der sei schön abgedunkelt und gut zum Feiern gewesen.

Offen sprach Westerwelle, der seit 2004 mit Eventmanager Michael Mronz liiert ist, über seine Homosexualität. In der Jugend sei es viel schwieriger gewesen, dazu zu stehen, berichtete er.

Sein Freundeskreis und seine Familie hätten es eigentlich immer gewusst, verstanden und akzeptiert, so der Politiker: "Aber natürlich gab es manche Attacke, an die man sich heute auch erinnert." Es habe einige gegeben, die es gemerkt oder gewusst hätten und damit nicht umgehen konnten.

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