Interview: Sie gelten nicht als begnadete Sänger, trotzdem durften „Sportfreunde Stiller“ bei der Reihe MTV Unplugged mitmachen. Frontmann Peter Brugger über nackte Gefühle und Udo Jürgens.

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dpa

Bei MTV Unplugged gelten besondere Regeln: Außer Mikros ist jede weitere Elektronik verboten. War das nicht ungewohnt?

Brugger: Sehr. Man steht quasi nackt da - so jedenfalls hab ich mich gefühlt. Und gerade aus diesem Grund und weil es so ein großes Event ist, dachte ich, dass es doch nicht schlecht wäre, dort mal schön zu singen (lacht).

Was mussten Sie tun, um "schön" zu singen?

Brugger: Ich habe Gesangsunterricht genommen - aber keinen klassischen mit Atemübungen und so. Ich habe Vocal-Coach Artemis Gounaki, die mir schon vor Jahren gute Tipps für meine Gesangstechnik gegeben hat, gefragt, ob sie mit mir die Lieder durchgehen möchte. Und dann haben wir uns jeden Song vorgenommen und geschaut, wie man diesen am besten singen kann.

Gefällt Ihnen das Ergebnis?

Brugger: Es ist total schön geworden, und wir sind sehr froh, dass wir mitgemacht haben. Als Anfang 2008 die Anfrage kam, hatten wir kurz überlegt, ob wir zusagen. Aber da es eine so große Ehre ist, wollten wir auf jeden Fall dabei sein. Rückblickend kann man sagen, dass es eine große Herausforderung war, die riesig Spaß gemacht hat.

Sie singen gemeinsam mit Udo Jürgens seinen Hit "Ich war noch niemals in New York". Wie kam es dazu?

Brugger: Uns war klar, dass wir dieses Lied unbedingt dabei haben wollten. Dann dachten wir uns, es wäre doch der Wahnsinn, wenn der Großmeister persönlich mitsingen würde. Dann haben wir über das Management einen Kontakt hergestellt - und Udo kannte uns zum Glück.

Wie ging es dann weiter?

Mitglieder der Sportfreunde Stiller sind Sänger und Gitarrist Peter Brugger, Schlagzeuger Florian Weber und Bassist Rüdiger Linhof. Ihr größter Erfolg war der WM-Hit "54, 74, 90, 2006".

Aufgezeichnet wurde "MTV Unplugged in New York" in den Bavaria Filmstudios in München. Ausgestrahlt wird das Konzert am Donnerstag um 19 Uhr. Am Freitag folgt das Album.

Brugger: Wir hatten leider das Problem, dass Udo an dem Termin der Aufzeichnung keine Zeit hatte. Daher mussten wir improvisieren und haben seinen Part im Vorfeld aufgenommen und dann in unser Konzert projiziert. Es ist also ein virtuelles Duett. Aber überhaupt war es toll, so eine Legende kennenzulernen.

Dann gab es auch keinen weißen Bademantel hinter der Bühne, oder?

Brugger: Doch. Da sein Song der letzte Titel war, sind wir zur Zugabe alle mit weißen Bademänteln auf die Bühne gegangen.

Eigentlich musiziert Ihr zu Dritt. Wie war es, mit 24 Orchestermusikern auf der Bühne zu stehen?

Brugger: Das war ein tolles Gefühl. Es war zum Beispiel total interessant, mit den Streicherinnen gemeinsam zu musizieren. Die spielen meistens nach Noten und kennen das Improvisieren nicht in dem Maße, wie wir es machen. Die waren begeistert, als wir einfach so losgelegt haben. Und andersherum waren wir von deren Gefühl und der wahnsinnigen Technik begeistert.

Die haben dann aber nicht auf Gießkannen und Bierflaschen musiziert, oder?

Brugger: Nein, das waren wir. An solche Instrumente dürfen nur Dilettanten ran.

Wie kommt man auf solch verrückte Ideen?

Brugger: Wir haben uns für jedes der 26 Lieder überlegt, wie wir es musikalisch umsetzen wollen. Dann haben wir rumgesponnen und Freunde zum Musizieren eingeladen. Uns war sehr wichtig, dass es ein buntes Programm wird und nicht nur langsam und ruhig, so wie viele andere Unplugged-Konzerte. Die Mischung musste einfach stimmen.

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