Ex-Fußballmanager Reiner Calmund soll lesen, plaudert aber lieber über seine Diät und andere Abenteuer.

Reiner Calmund ist beim Erzählen kaum zu bremsen.
Reiner Calmund ist beim Erzählen kaum zu bremsen.

Reiner Calmund ist beim Erzählen kaum zu bremsen.

Reiner Calmund ist beim Erzählen kaum zu bremsen.

dpa, Bild 1 von 2

Reiner Calmund ist beim Erzählen kaum zu bremsen.

Düsseldorf. Vor ihm steht sein Buch, das Ganze ist eine Lesung, aber Reiner Calmund würde am liebsten keine einzige Seite aufschlagen. Er täte das auch nicht, wenn ihn der Moderator nicht dazu nötigen würde. Doch er liest nur ein paar Zeilen, dann legt er die Brille zur Seite, pumpt kurz Luft in den voluminösen Oberkörper - und erzählt.

"Ich war kürzlich in Köln in einem Buchladen. Da ist mir am Ende des Abends aufgefallen, dass ich das Buch nicht einmal angefasst habe." In Düsseldorf tut er das dann doch. Sein Werk "Fußballbekloppt", eine Art Lebensbeichte zum 60. Geburtstag, leite seinen "letzten Lebensabschnitt" ein.

"Ich will es mal mit dem Fußball sagen", sagt Calmund: "60 Minuten habe ich absolviert. Ich will bis zur 90. Minute durchspielen. Am liebsten mit Verlängerung - und nicht vorher verletzt ausgewechselt werden."

Er hat sich vorgenommen, das Leben auf den letzten Metern zu genießen. Man hätte angesichts seiner Körperfülle davon ausgehen können, dass er das schon vorher getan hat. Aber Körperfülle wie Genuss sind ja auch relativ. In Düsseldorf sitzt der ehemalige Leverkusener Fußball-Manager 27 Kilogramm leichter als noch im November vergangenen Jahres auf dem Podium.

Sein Ziel: Im Mai will Calmund beim Ruhr-Marathon mitwalken

Er macht nämlich in Trennkost: "Schnitzel mit Pommes und danach ein Gugelhupf - das ist nicht mehr." Er treibt Sport, auf Trab gehalten von Joey Kelly, dem hyperaktiven verhinderten Popbarden. Im Mai will Calmund beim Ruhr-Marathon 21 Kilometer walken. Ankommen ist das Ziel.

Reiner Calmund: "Fußballbekloppt", C. Bertelsmann Verlag, 256 S., 19,95 Euro.

Calmund präsentiert sein Sportprogramm im Internet

"Nicht mit den Gazellen und Antilopen, sondern in der Abteilung Lkw und Elefanten. Übernachten wollen wir da aber nicht", sagt er und grinst angedeutet schelmisch. All das inszeniert er medienwirksam im Internet, inklusive Fettwerten, sportlichem Tagespensum und Gewichtsverlust-Statistiken.

Calli total. Was er macht, ist öffentlich. Calmund hat sich als Figur selbst erschaffen. Und er redet die Leute solange nieder, bis sie ihn lieben. Das fällt nicht schwer. Er ist politisch ein Schwarzer, der immer auch die andere Seite in sein Herz schließen kann. Ein Wesensmerkmal. "Ich wähle Personen, nicht Parteien", sagt er. Schmidt wie Kohl. Man mag ihn in Köln, Düsseldorf und Leverkusen. Wer schafft das schon?

In seinem Buch gibt er zu, ein Rabenvater gewesen zu sein: "Meine Tochter hat immer gesagt, wir müssen zuhause nur der Telefonschnur nachgehen - am Ende ist der Papa." Für die wichtigen Probleme seiner Kinder sei er nie da gewesen. "Dafür bin ich mit denen auf die Kirmes gerannt und hab’ sie selbst dann noch in die Achterbahn gesetzt, wenn die gar nicht mehr wollten."

Heute setzt er sich für notleidende Kinder ein. "Nicht mit meinem Geld, so viel habe ich gar nicht, sondern mit Aktionen." Ob die Sendungen "IQ-Test", "Wer wird Millionär?", "Wok-WM" heißen - Calli ist dabei, das ist lustig, das bringt Quote. Und Geld für den guten Zweck. "Das sieht immer witzig aus, ist aber nicht immer leicht. Bei der 50-Euro- Frage beim Jauch ist mir der Schweiß runtergelaufen. Zehn Kameras, Millionen Zuschauer - und ich wusste die Antwort nicht. Da bist du am nächsten Tag der Depp in der ,Bild’-Zeitung."

Im Eiskanal bei Raab sei er an die Grenze gegangen. "Das war echt gefährlich. Da haben mich am nächsten Tag Freunde angerufen und gefragt: Calli, wieso machst du das eigentlich?"

Und der Fußball? Calmund hat die besten Brasilianer in die Bundesliga geholt, aber dabei auch fast sein Leben gelassen. Denn in Südamerika geriet er mit dem Learjet in ein Unwetter: "Da war nur noch Angst, das war ganz, ganz knapp."

Er holt kaum Luft, ein Nebensatz führt ihn zur nächsten Geschichte. Er, der Fernsehkoch, WM-Botschafter, Fußball-Berater, Wok-WM-Teilnehmer und ... Buchautor. Buchautor? Ach ja, da war ja was. Aber das ist zu vernachlässigen.

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