Der Nepalese Appa Sherpa hat 19 Mal den Mount Everest bezwungen. Der 49-Jährige warnt: Der Klimawandel ist für uns eine gewaltige Gefahr.

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Appa Sherpa mit der heiligen Vase, die er den Mount Everest hinauf getragen hat.

Appa Sherpa mit der heiligen Vase, die er den Mount Everest hinauf getragen hat.

Heiko Mülleneisen

Appa Sherpa mit der heiligen Vase, die er den Mount Everest hinauf getragen hat.

Kathmandu. Er ist am Fuß des mit 8884 Metern höchsten Berges der Welt aufgewachsen. Appa Sherpa ist gerade von seiner jüngsten Besteigung des Mount Everest zurückgekehrt. 19 Mal stand er auf dem Gipfel und hat damit seinen eigenen Weltrekord gebrochen. Dabei hat die Karriere des 49-Jährigen so begonnen, wie die von vielen seines Volkes. Die meisten Sherpas (Sherpa ist der Name der Volksgruppe) leben davon, als Träger zu arbeiten. Denn in der Bergregion, dem Kumbu, fahren keine Fahrzeuge. Lebensmittel oder die Ausrüstung werden von Menschen in die entlegensten Orte getragen. Umgerechnet fünf Euro am Tag verdienen die Männer und Frauen für die harte Arbeit. Vor 30 Jahren erklomm Appa Sherpa zum ersten Mal mit einem neuseeländischen Team den Mount Everest. Damit begann für ihn die Karriere als Bergführer und Expeditionsleiter. Seit 2006 lebt der Nepalese mit seiner Familien in Salt Lake City (USA), um seinen drei Kindern im Alter von 14 bis 23Jahren eine gute Ausbildung zu ermöglichen. "Ich will nicht, dass meine Kinder in meine Fußstapfen treten und Bergführer werden." Er selbst bildet in den USA Bergsteiger aus. Doch immer wieder zieht es ihn in seine Heimat, in den Bergort Thame. "Vergangenes Jahr wusste meine Frau nichts von der 18. Besteigung. Ich hatte ihr versprochen, damit aufzuhören. Doch ich kann nicht", sagt er. Mit den jüngsten Besteigungen wollte er ein Zeichen für den Umweltschutz setzen und auf die dramatischen Folgen des Klimawandels in der Region aufmerksam machen. Fünf Tonnen Müll hat sein Team auf der Eco-Everest-Expedition in diesem Jahr gesammelt. "Und da oben liegt noch viel mehr Unrat." Bereits im vergangenen Jahr hatte die Expedition bei der 18. Besteigung Müll gesammelt. Studenten hatten daraus Kunstwerke geschaffen, die Anfang April in einer Galerie in Kathmandu gezeigt wurden. Im Rahmen der Vernissage bekam Appa Sherpa vom Rinboche von Tengboche, einem hohen Würdenträger des tibetischen Buddhismus, Heilige Vasen, so genannte Bumpas. Eine davon hat er nun auf den Mount Everest getragen.

Die Eco-Everest-Expedition bestand aus einem Team von 31 Bergsteigern: 17 Sherpas und 14 Ausländern. Seit seiner elften Besteigung 1998 hält Appa Sherpa den Weltrekord.

Der Mount Everest verdankt seinen Namen dem britischen Landvermesser Sir George Everest. In Nepal heißt der Berg Sagarmatha: Stirn des Himmels. Er wurde mehr als 4100 Mal bestiegen.

Nach dem Glauben der Buddhisten gelten die Bergspitzen des Himalaya als Wohnsitze der Götter. Die Bumpas sollen dazu dienen, das Gleichgewicht mit der Natur wiederherzustellen. Auch auf den Gipfeln der Berge Manaslu, Makalu und Lothse sollen die Vasen noch platziert werden.

Gefahr durch Seen: Flutwelle würde bis Indien reichen

"Man erlebt hier hautnah, was Klimawandel bedeutet. Die Gletscher schmelzen sichtlich, die Gipfel haben sich verändert. Es bilden sich riesige Gletscherseen", erklärt der nepalesische Bergführer. Diese stellen eine große Gefahr für die Bevölkerung dar. "Der Wasserspiegel des Imja See steigt jährlich um 74 Meter. Die Seen werden nur durch Geröllmassen gehalten", erklärt Appa Sherpa. Das Problem: Nepal gilt als Erdbebenregion. "Wissenschaftler haben mit Hilfe eines Computermodells berechnet, dass eine Flutwelle bis nach Indien reichen würde", erläutert Dawa Steven Sherpa, Initiator der Eco-Everest-Expedition. Auch wenn Appa Sherpas Ehefrau nicht davon begeistert ist, will er im nächsten Jahr zum 20. Mal auf den Everest. "Es ist eine Möglichkeit, dass die Welt auf uns schaut und die Probleme sieht." Dafür nehme er die Strapazen ein weiteres Mal auf sich.

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